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Am Ferientag 2016 in Lugano: ST-Direktor Jürg Schmid über die künftigen Chancen im Schweizer Tourismus. Bild: ST

Sturm auf den Binnenmarkt

Daniel Tschudy

Jürg Schmid sprach anlässlich des nationalen Branchentreffens in Lugano zur touristischen Lage der Nation und macht sich Gedanken über den lebenswichtigen Heimmarkt.

Es ist wie immer die gleiche Frage, ob nun das Glas halb voll oder halb leer ist. Und so dozierte Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid anlässlich seines Jahresevents über Hindernisse und Chancen im heimischen Tourismusbusiness. Auf der einen Seite befindet sich die Branche in der Zange zwischen Preisdruck der Europäischen Märkte und Sicherheitsbedenken der Fernmärkte. Der Wechselkurs bremst weiterhin gerade im wichtigsten Auslandsmarkt, Deutschland; in China und Indien gibt es logistische Probleme bei der Einholung der biometrischen Visas und auch die Terrorattacken in Paris und Brüssel beeinträchtigen die Nachfrage der Asiatischen Gäste.

Auf der anderen Seite wächst der US-Markt schön regelmässig und dann gibt es, „Zum Glück“ sagt Schmid, auch noch die Schweizer. Sie seien das Volk der Outdoor-Enthusiasten und Bergromantiker und er erklärt dazu: „in unser immer urbaneren Welt, wo jedes Drama digital sofort in unserem Wohnzimmer Platz nimmt, steigt die Sehnsucht nach Ruhe, Natur und Beschaulichkeit. Die helvetische Beschaulichkeit und Unaufgeregtheit ist einer unserer grössten Trümpfe.“ Gerade die Alten sind heute gesünder denn je und deshalb ist das Segment 65- bis 80-Jährigen für den hiesigen Tourismus von grösster Bedeutung. Schmid ist überzeugt, dass unser Land eine Traumdestination bleibt und dass in Zukunft noch mehr Schweizer, trotz enormer Kaufkraft des Frankens, ihre Ferien im eigenen Land verbringen werden.

Erlebnismarketing und Sightfeeling

Um den Turnaround im Schweizer Tourismus zu schaffen, reicht es aber nicht nur einfach den Schweizer Markt anzupeilen, sondern man muss gleichzeitig die Erlebnisqualität steigern. Dies gilt laut Schmid vor allem für Generation Y; diese Altersgruppe zwischen 16 und 36 Jahren hätte auch die Kaufkraft, aber fordere gleichzeitig beste Unterhaltung und erinnerungswürdige Erlebnisse. Schweiz Tourismus spricht hier von Erlebnisführerschaft, also die totale Ausrichtung auf Erlebnismarketing, und Schmid stellt gleich zwei Beispiele vor: In Heidnischbiel kann man an eigenen Rebstöcken das Handwerk des Winzers erlernen, seine Trauben pflegen und seinen Wein entwickeln.

Oder dann gibt es neue Angebote, wo man unter fachkundiger Anleitung eine Winter-Wanderung an einen Bergsee unternimmt, dort ein Eisloch bohrt, fischt und nachher zusammen grilliert. Schmid nennt das „Sightfeeling“ und erwähnt dabei, dass Schweizer Tourismus nun auf ihrer Website eine komplette Erlebnisdatenbank aufbaut, welche alle Gäste ansprechen soll. „Nature Lovers, die Outdoor-Enthusiasten, also Wanderer, Velofahrer und Biker, die Tourers, Lifestyle Travellers, Spa & Vitality Gäste und natürlich auch die Familien.“

Hammerangebote bald im Briefkasten

All diese Angebote sollen helfen, dass der Schweizer sein eigenes Land bereist und damit noch besser kennenlernt (jüngste Umfragen haben ja ergeben, dass beispielsweise rund 50% aller Westschweizer noch nie im Tessin waren). Schweiz Tourismus arbeitet ja schon seit längerem mit der UBS; nun wird zusammen mit der Grossbank eine neue Kampagne lanciert, die ebenfalls explizit den Binnenmarkt avisiert und mithelfen soll, die landesinternen touristischen Kenntnisse zu verbreiten. UBS-Kunden, das heisst jeder dritte Haushalt in unserem Land, erhalten ab dem kommenden Monat absolute Spezialpreise für 35 Schweizer Berge. Bei der Medienkonferenz vor ein paar Wochen sprach Schweiz Tourismus von einem „Hammerangebot“, welches tausenden von Schweizern unser Land näherbringen wird.

Das passt Jürg Schmid, denn er sieht in diesem Land nach wie vor „unglaubliche Naturphänomene“ und will diese Naturpärke, Wasserfälle und Seenlandschaften im In- und Ausland maximal bewerben. Dazu nutzt Schweiz Tourismus die globale Digitalisierung bestens und kommuniziert beispielsweise auf Facebook, Instagram, usw. mit über 2,25 Millionen Followers und Friends.

Auf der einen Seite will Schmid also den Schweizer Markt noch besser betreuen; auf der anderen Seite auch das Ausland konzentriert mit neuen Werten, Angeboten und Dienstleistungen berieseln.