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Bilder von Touristen, welche sich an den Kanälen in Venedig während dem Stadtrundgang ausruhen, gibt es zurzeit nicht. Bild: Ludovico Lovisetto

Jetzt bettelt Venedig um Touristen

Noch vor der Corona-Krise war der Unmut über die Touristenmassen in der Lagunenstadt gross. Nun wünscht sich der Bürgermeister die Reisenden zurück - und wendet sich höchstpersönlich mit einem Appell an sie.

Vor einigen Monaten noch war Venedig ein Paradebeispiel für den Overtourismus. Täglich reisten tausende von Touristen an und strömten über den berühmten Markusplatz im Zentrum der Stadt. Der Unmut über die Touristenmassen stieg vor allem in der Bevölkerung. Nachdem ein Kreuzfahrtschiff ein Touristenboot rammte, gingen die Venezianer auf die Strassen um gegen die Kreuzfahrtschiffe zu demonstrieren. Auch die Politik wurde aktiv und kündigte immer wieder an, künftig eine Eintrittsgebühr für Touristen zu verlangen - nach letztem Stand wird diese im Juli 2020 eingeführt.

Doch nun hat sich das Blatt gewendet: Bereits seit November verzeichnete die italienische Region einen Einbruch der Touristen, weil enormes Hochwasser herrschte. Aufgrund der Wassermassen wurden zahlreiche Hotels beschädigt. Die Hoteliers haben den Politikern vorgeworfen, zu wenig für den Schutz der Stadt zu unternehmen.

Und jetzt hält das Coronavirus bereits seit mehreren Monaten die Welt in Atem. Der Tourismus ist auf dem ganzen Planeten praktisch zusammengebrochen. Normalerweise stark bereiste Gegenden die von den Einnahmen durch die Reisenden abhängig sind, sind nun wie leergefegt - und wünschen sich die ausländischen Gäste zurück. Venedigs Bürgermeister Luigi Brugnaro wendet sich über den Kurznachrichtendienst Twitter gleich selbst an potenzielle Feriengäste: «Jedem, der sich in den nächsten Monaten bewegen darf, rate ich: Kommt nach Venedig.»

In Venedig zählt der Tourismus zu den wichtigsten Wirtschaftsmotoren. Das macht Brugnaro deutlich: «Wir können es uns nicht mehr leisten, eine der wichtigsten Industrielokomotiven des Landes anzuhalten». Er hat deshalb ein Dokument mit 29 Kritikpunkten an die Regierung ausgestellt, das von 65 Verbänden der Region unterschrieben wurde. Es bleibt zu hoffen, dass die Touristen bald wieder zurückkehren dürfen.

(NWI)