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Kommentar Noch hat Zürich gut lachen
Gregor WaserDie kargen Jahre sind vorbei. Wie schon im Jahr 2017 (+5,8 %) verzeichnet die Schweiz auch 2018 (+3,3 %) ein schönes Plus bei den Logiernächten. Den Schweizern selber und vor allem den Überseemärkten sei dank.
Im Vergleich aller 13 touristischen Regionen schwingt die Region Zürich oben auf. 5,4 Prozent beträgt das Wachstum in der gesamten Region, in der Stadt Zürich sogar 7,9 Prozent. Städtereisen sind in Zeiten von Billigflügen beliebt. Zürich Tourismus hat sich mit cleveren Kampagnen und Themen wie Dada oder Food als hippe Stadt profiliert. Zürich wird auch als Ausgangsstation für Tagesausflüge auf den Rigi, Pilatus und Titlis geschätzt.
Die Zürcher Hotellerie kann sich die Hände reiben. Der RevPAR, der Erlös pro Zimmer, ist von 164 Franken im Jahr 2017 auf 171 Franken im Jahr 2018 angestiegen. Kunststück zieht der lukrative Standort Zürich – auch wegen den tiefen Immobilien-Preisen – immer mehr internationale Hotelketten an, die sich in Zürich breitmachen wollen.
Absehbare Preiserosion
Was sich in den nächsten drei Jahren nun aber abzeichnet, ist eine grosse Blase, die bald platzen dürfte. Denn zu den bestehenden 14'000 Hotelzimmern erhält Zürich weitere 3000, ein Plus von über 20 Prozent! Sollte die touristische Nachfrage in den nächsten Jahren nur leicht nachlassen, wird es unweigerlich zu einer Preiserosion kommen, wie sie andere City-Ziele wie Wien oder Berlin angesichts massiver Überkapazitäten schon durchgemacht haben – und bis heute auf einem viel tieferen Zimmerpreise-Niveau verharrt sind. Nur können sich Zürcher Hotels einen deutlichen Preisnachlass angesichts hoher Löhne gar nicht leisten.
Die Verantwortlichen von Zürich Tourismus und vom Zürcher Hotelierverein sehen der Entwicklung mit Sorge entgegen. Denn Sie haben sich nicht mehr Hotels gewünscht. Der Trend sei getrieben durch die Immobilienentwicklung, steuern können wir das nicht, sagt Zürich-Tourismus-Direktor Martin Sturzenegger und räumt ein, dass die derzeitige Entwicklung gefährlich sei. Solange die Nachfrage weiter steige, könne die Zürcher Hotellerie zumindest auf eine stabilisierende Wirkung zählen.
25 Prozent Marktanteil von Accor
Dass Zürich Tourismus und die Zürcher Hoteliers Gegenwind befürchten, hat noch mit weiteren Faktoren zu tun. Auf Jahre hinaus dürfte Zürich von Kongressen mit mehr als 2000 Teilnehmern nur träumen dürfen. Verpufft ist der Wunsch nach einem grösseren Kongresshaus. Das angedachte Projekt auf dem Carparkplatz am Sihlquai ist begraben. Ein Rückschlag: denn gerade grössere Kongressen würden der künftigen Hotelüberkapazität entgegenwirken.
Weitere Bedenken drehen sich um den Flughafen Zürich und die Frage, ob trotz der vielen Einschränkungen und Hürden der Flughafen Zürich auch weiterhin eine starke Rolle für die Lufthansa Group einnehmen wird. Und auch die beschränkten Ladenöffnungszeiten sorgen bei Zürich Tourismus für Kopfschütteln. Dann, wenn gutbetuchte Gäste shoppen wollen, etwa am Sonntag, seien die Läden im Gegensatz zu anderen City-Zielen geschlossen – dies trotz der Krise im Detailhandel, moniert Guglielmo Brentel, der Präsident von Zürich Tourismus.
Und Martin von Moos, der oberste Zürcher Hotelier, registriert mit Skepsis, dass die führenden Hotelketten Marriott (Sheraton/Renaissance) sowie die Accor-Gruppe (Ibis, Novotel, Mövenpick) immer dominantere Marktanteile in Zürich haben – bei Accor sind es 25 Prozent. Diese Riesen schaffen es mit ihren Loyalty-Programmen die Gäste bei sich zu halten, was den restlichen, kleineren Häusern künftig zusetzen könnte.
Trotz Rekordzahlen: Zürichs Hotellerie, aktuell das Aushängeschild innerhalb der Schweizer Hotellerie, sieht turbulenten Zeiten entgegen.