Trips & Travellers
Diese 12 Reiseziele in Europa werden unterschätzt
Venedig verlangt eine Gebühr für Tagesgäste, um die Besuchermassen in den Griff zu bekommen. Auf Santorini drängen sich die Feriengäste für das perfekte Foto durch die engen Gassen. Und auf Mallorca kommt es Jahr für Jahr in der Sommerhochsaison zu Protesten gegen die Touristendlut.
Dabei gibt es in Europa noch viele Orte, die mit eindrucksvollen Landschaften und einer spannenden Geschichte aufwarten, ohne dass sich vor jeder Sehenswürdigkeit lange Schlangen bilden.
Das britische Lifestyle-Magazin «Time Out» hat eine neue Liste der 41 meistunterschätzten Reiseziele weltweit veröffentlicht. Die Empfehlungen stammen von Reisejournalisten, die nach Alternativen zu den bekannten Ferienhochburgen gesucht haben. Mal sind es abgelegene Küstenorte, mal überraschende Städte oder ganze Regionen, die touristisch noch im Schatten ihrer berühmten Nachbarn stehen.
15 der ausgewählten Destinationen liegen in Europa oder, wie Georgien, an der Grenze zu Asien. Drei davon dürften für viele Schweizerinnen und Schweizer allerdings kaum noch als Geheimtipps durchgehen: Die Azoren haben sich als Naturparadies etabliert, Malmö ist ein beliebtes Ziel für Städtereisen, und Gibraltar gehört für viele Andalusien-Reisende und Kreuzfahrtpassagiere zum Programm. Die übrigen zwölf Orte verdienen einen genaueren Blick.
Bukowina (Rumänien)
Wer Rumänien bereist, denkt häufig zuerst an Transsilvanien und seine Dracula-Legenden. Doch nordöstlich der Karpaten wartet die Bukowina mit uralten Wäldern, blühenden Bergwiesen und traditionellen Dörfern. Ihre grössten Kulturschätze sind acht Unesco-geschützte Moldauklöster, deren farbenprächtige Fresken ganze Aussenwände bedecken.
Städte Asturiens (Spanien)
Asturien ist für seine wilde Atlantikküste und die Berge der Picos de Europa bekannt. Weniger Beachtung finden die Städte: Oviedo lockt mit historischer Architektur und Kunst, Gijón mit einer lebhaften Altstadt direkt am Meer. Im ehemaligen Industriestandort Avilés treffen mittelalterliche Gassen auf moderne Architektur. Dazu gibt es frische Meeresfrüchte und regionalen Apfelwein.
Zambujeira do Mar (Portugal)
Steile Klippen, goldene Strände und das Rauschen des Atlantiks: Zambujeira do Mar an der Alentejo-Küste erinnert an die Algarve, kommt aber ohne deren touristischen Trubel aus. Das kleine Küstendorf eignet sich für entspannte Badetage und Wanderungen auf schmalen Pfaden hoch über dem Meer. Ein reizvolles Ziel für alle, die Portugals ursprüngliche Küste entdecken möchten.
Carry-le-Rouet (Frankreich)
Cannes und Saint-Tropez sind weltbekannt, die Côte Bleue westlich von Marseille steht dagegen selten im Rampenlicht. Im Küstenort Carry-le-Rouet treffen türkisblaues Wasser, versteckte Buchten und felsige Ufer aufeinander. Auf dem rund vier Kilometer langen Sentier du Lézard lässt sich die Mittelmeerlandschaft zu Fuss erkunden – mit deutlich weniger Publikum als an der Côte d’Azur.
Cartagena (Spanien)
Ein römisches Theater mitten in der Stadt, spannende Museen und eine Hafenpromenade mit moderner Kunst: Cartagena in der Region Murcia vereint Geschichte und mediterranes Lebensgefühl. Zwischen den historischen Gassen warten Tapasbars und Cafés. Die Hafenstadt liegt rund zwei Stunden südlich von Alicante und ist eine lohnende Alternative zu Spaniens bekannten Städtezielen.
Georgische Heerstrasse (Georgien)
Die rund 210 Kilometer lange Georgische Heerstrasse führt von Tiflis durch den Kaukasus bis zur russischen Grenze. Auf der Strecke nach Kazbegi wechseln sich tiefe Schluchten, mächtige Berggipfel und kleine Dörfer ab. Für Abwechslung sorgen ungewöhnliche Zwischenstopps wie ein Friedhof ausrangierter Sowjetautos und die steinernen Köpfe von Sno.
Skopje (Nordmazedonien)
Skopje ist eine Stadt der Gegensätze. Monumentale Statuen, pompöse Gebäude und ein Triumphbogen verleihen der Hauptstadt Nordmazedoniens eine fast surreale Kulisse. Nur wenige Schritte entfernt beginnt mit dem Alten Basar eine andere Welt: verwinkelte Gassen, kleine Geschäfte und traditionelle Lokale. Ein eigenwilliges Reiseziel, das garantiert Gesprächsstoff liefert.
Den Haag (Niederlande)
Amsterdam zieht die internationalen Städtereisenden an, Den Haag bleibt oft unbeachtet. Dabei verbindet die niederländische Regierungsstadt hochkarätige Kunst im Mauritshuis mit interessanter Architektur, einer vielfältigen Restaurantszene und attraktiven Einkaufsstrassen. Und wer nach dem Museumsbesuch Meeresluft schnuppern möchte, fährt zum breiten Nordseestrand von Scheveningen.
Bwlch Mountain (Wales)
Grüne Täler, windgepeitschte Hügel und eine fast meditative Stille prägen die Landschaft rund um den Bwlch Mountain im Süden von Wales. Vom kleinen Ort Treorchy führen Wanderwege zu Aussichtspunkten über dem Rhondda Valley. Nach Sonnenuntergang wartet ein weiteres Naturschauspiel: Dank geringer Lichtverschmutzung lässt sich hier der Sternenhimmel besonders eindrucksvoll beobachten.
Karpathos (Griechenland)
Wer Griechenland abseits der grossen Touristenströme erleben möchte, sollte Karpathos ins Auge fassen. Die Dodekanes-Insel zwischen Rhodos und Kreta bietet einsame Badebuchten, steile Berge und traditionelle Dörfer. Im Bergdorf Olympos sind alte Bräuche bis heute Teil des Alltags. Die Insel eignet sich für Reisende, die Strandferien mit Wanderungen und authentischem Inselleben verbinden möchten.
Srebrenik (Bosnien und Herzegowina)
Hoch über der Kleinstadt Srebrenik thront eine mittelalterliche Festung, die zu den imposantesten historischen Bauwerken Bosniens zählt. Die Burg liegt auf einem markanten Felsen und bietet weite Ausblicke über die Umgebung. Abseits der bekannten Balkanrouten entdecken Besucherinnen und Besucher hier eine Region mit bewegter Geschichte und ländlichem Charme.
Turku (Finnland)
Finnlands frühere Hauptstadt Turku steht selten ganz oben auf der Wunschliste für eine Städtereise. Zu Unrecht: Die älteste Stadt des Landes begeistert mit einer mittelalterlichen Burg, einem mächtigen Dom und einer lebendigen Gastronomieszene entlang des Flusses Aura. Vor den Toren der Stadt beginnt zudem ein Schärenmeer mit Tausenden Inseln.