Trips & Travellers

Die vier Campervans von Fraserway RV und die Reiseprofis sind bereit, hintere Reihe von links: Robin Engel (Go2travel), Sabrina Villiger (Reiselounge), Thom Zitterli (Reisebüro Treff), Thaison Chung (Air Canada), Chantal Beeli (Travel Worldwide), Pascal Muggli (Travel Worldwide) und Yannick Müller (Go2travel); vordere Reihe von links: Nadja Baer (Go2travel), Jeanine Züst (Go2travel) und Vanessa Bittel (Reiseatelier). Bilder: g2t

So verlief der Go2travel-Trip durch Westkanada

Robin Engel

Auf vier Rädern und zwei Kufen durch den pazifischen Nordwesten: Auf der Go2travel-Studienreise erkundeten neunReisebüro-Profis die Sunshine Coast und Vancouver Island im Wohnmobil. Von Wasserflugzeug-Flügen über Walbeobachtungen bis zum Campingplatz-Handling sammelten sie wertvolles Praxis-Know-how.

Nachdem im Frühling eine Gruppe ausgewählter Reisebüromitarbeitende bereits den US-Bundesstaat Arizona kennenlernen durften, führte die zweite diesjährige Go2travel Studienreise in den Westen Kanadas. Genauer gesagt an die Sunshine Coast und auf Vancouver Island. Im Fokus dieser Tour stand neben der wunderschönen Landschaft aber vor allem auch die Reiseart. Es wurde nämlich in vier unterschiedlichen Wohnmobilen und Campern gereist. So sollten die Teilnehmenden einen möglichst guten Einblick hinter die Kulissen erhalten, was bei einer Motorhome-Rundreise im Gegenteil zur Reise im Mietwagen besonders beachtet werden muss.

Als Start- und Endpunkt der Reise fungierte Vancouver – die Perle am Pazifik. Die zweitgrösste Stadt Kanadas besticht durch ihre wunderbare Lage direkt am Meer sowie im Rücken mit den imposanten Coast Mountains. Übrigens eine der wenigen Städte der Welt, wo man am selben Tag Skifahren und im Meer baden kann.

Nach einem Morgenspaziergang durch den eindrucksvollen Stanley Park mit anschliessendem Abstecher nach Gastown folgte bereits das Highlight des Tages. Aufgeteilt auf zwei Wasserflugzeuge ging es für die Gruppe auf einen rund 30-minütigen Rundflug über North Vancouver hoch bis nach Horseshoe Bay, Bowen Island und übers Stadtzentrum wieder zurück an die Waterfront. Am Nachmittag wurde Grandville Island erkundet, von wo man gemütlich mit den kleinen Bötchen der False Creek Ferries zurück nach Yaletown tuckerte.

Vier Fahrzeuge von Fraserway RV

Am nächsten Morgen gings bereits zeitig zur Station von Fraserway RV, wo wir unsere verschiedenen Wohnmobile übernehmen konnten. Nach einer herzlichen Begrüssung folgte die ausgiebige und vor allem allseits sehr geschätzte persönliche Instruktion der Fahrzeuge. Wir kamen in den Genuss eines Truck Campers mit Slide-out, eines neuen Class B+ Motorhomes sowie je ein C-Medium und ein C-Large. Letzteres ebenfalls mit Slide-out.

Als erster Etappenpunkt galt es die Kühlschränke zu füllen. Mit etwas Vorausplanung ging das erstaunlicherweise ziemlich flott (und wurde mit einem 90cm langen Kassenzettel belohnt!). Danach wartete bereits die erste Fährüberfahrt der Reise und zwar nach Langdale an die Sunshine Coast.

Bei vielen internationalen Touristen (zum Glück) noch nicht allzu bekannt, gilt die Sunshine Coast nördlich von Vancouver nach wie vor als kleiner Geheimtipp. Kurze Fahrstrecken kombiniert mit fantastischen Fährpassagen – ein etwas anderes aber nicht minder schönes Kanada.

Wer schon einmal mit dem Camper in Nordamerika unterwegs war, dem dürfte wohl bekannt sein, dass es unterschiedliche Arten von Campingplätzen gibt. Zum einen, solche die wunderschön in der Natur eingebettet sind, dafür oftmals etwas einfacher gehalten (z.B. ohne Strom, Frisch- und Abwasseranschluss). Auf der anderen Seite gibt es private Campingplätze die neben dem Standardangebot zusätzlichem mit kostenlosem Wifi, Holz fürs Lagerfeuer bis hin zum Swimmingpool werben.

Unser erster Campingplatz war dann aber sogleich ein «non-serviced» Campground. Es galt also etwas haushälterisch mit den eigenen Ressourcen umzugehen. Wo Einfangs der Studienreise noch Fragezeichen herrschten, wo man denn ohne fliessend Wasser duschen und auf Toilette könne sowie das Handy aufladen, folgte spätestens am ersten Abend die Antwort.

Vono Powell River nach Comox

Am nächsten Vormittag stand in der Westcoast Wilderness Lodge eine der wenigen Site Inspections kombiniert mit einem fantastischen Frühstück an. Beindruckt von der grandiosen Lage der Lodge galt es bald die nächste Fährfahrt in Angriff zu nehmen. Von Earls Cove ging es bei wunderschönem Spätsommerwetter an die nördliche Sunshine Coast nach Saltery Bay. Und als wäre das noch nicht genug gewesen, folgte sogleich die nächste Fährpassage. Nämlich von Powell River gut 90 Minuten rüber nach Comox auf Vancouver Island.

Für die zweite Übernachtung war ein «full serviced» Campground vorgesehen. Spätestens hier trennte sich die Spreu vom Weizen und man erkannte auf Anhieb, wer am Vortag bei der Instruktion gut aufgepasst hatte und noch wusste wo welche Kabel und Schläuche angeschlossen werden mussten.

Wohl inspiriert vom Frühstück des Vortags zauberte man ein fast schon dekadent wirkendes Frühstücksbuffet auf die Campingtische (inkl. lokalem Marble Cheddar) und wurde mit frisch zubereiteten Rühr- und Spiegeleiern verwöhnt. Ein Glück wurde im Wohnmobil während dem Kochvorgang vergessen die Fenster zu öffnen. So konnte man den Duft mindestens noch ein paar Stunden länger geniessen …

800 Jahre alten Douglasien

Entlang der Ostküste Vancouver Islands ging es bis zum malerischen Qualicum Beach, bevor uns der Hwy. #4 für gut 160 Kilometer quer über die Insel an die Westküste zum Pacific Rim Nationalpark führte. Nach gut einem Drittel der Strecke wartete mit dem «Cathedral Grove» Regenwald beim MacMillan Provincial Park eines der heutigen Highlights. Etwas rustikal oder besser gesagt schon fast kriminell gestaltete sich die dortige Parking-Situation. Man stelle sich vor, wie es im Hochsommer dort zu und her geht…

Die kurze Wanderung vorbei an den majestätischen teils bis zu 800 Jahre alten Douglasien, welche einen Umfang von bis zu 9 Metern aufweisen, entschädigt aber für so manches pulserhöhende Parkmanöver.

Der nächste Tag stand abermals im vollen Fokus der Natur. Mit diversen Zwischenstopps an den breiten Sandstränden der Westküste von Vancouver Island, die sich mit den schroffen schwarzen Lavasteinklippen und dem mystischen Regenwald des Pacific Rim Nationalparks abwechselten, ging es von Ucluelet nach Tofino. Für viele stand hier mit der geplanten Bärenbeobachtungstour wohl einer der Höhepunkte auf dem Programm. Mit 3 gesichteten Schwarzbären im Gepäck ging es zurück auf den Campingplatz, wo ein etwas verregnetes BBQ den Tag abrundete.

Mit der Fahrt in den Süden zur Provinzhauptstadt Victoria stand heute die längste Fahrstrecke auf der Tagesordnung. Dementsprechend eng war auch das Programm getaktet. Der Zwischenstopp beim vor gut 5 Jahren eröffneten Malahat SkyWalk kam somit gerade passend. Auch wenn etwas bewölkt, war die Aussicht über das zu Füssen liegende Saanich Inlet – wohl auch aufgrund der gläsernen überhängenden Aussichtsplattform – wortwörtlich atemberaubend.

In Victoria angekommen wartete die vermeintliche Krönung der Reise und zwar eine Walbeobachtungstour im Zodiac. Spätestens nachdem unser Guide mehrmals seine eigene Spiegelreflexkamera gezückt hatte, wussten alle, dass mit über 35 unterschiedlichen Orcas und Buckelwalen eine kaum zu übertreffende Ausbeute erzielt wurde.

Nieselregen und Farbenpracht

Den Abschluss auf Vancouver Island bildete eine Walking Tour in strömendem Regen durch Victoria. Auch wenn die Stadt bei Sonnenschein wohl noch etwas charmanter daherkam, waren alle restlos begeistert.

Bevor man die letzte Fährüberfahrt in Angriff nahm, durfte natürlich auch ein Besuch in den berühmten Butchart Gardens nicht fehlen. Auch bei eher kühlem Nieselregen war die Farbenpracht sehr beeindruckend. Kaum vorzustellen, wie es an einem blühenden Frühlingstag aussehen möge.

Zurück am Festland hiess es die Fahrzeuge zurückzugeben und eine erlebnisreiche Woche im Motorhome neigte sich dem Ende zu. Aus teils anfänglichem Unbehagen wurden während diesen Tagen fast schon erprobte RV-Profis und nebenbei lernte man auch noch einen wunderschönen Flecken Westkanadas kennen.

Unbezahlbares Know-how

Einen besonderen Dank gebührt dabei Air Canada, Destination British Columbia sowie Fraserway RV für die grossartige Unterstützung bei der Organisation und Durchführung dieser FAM-Tour. Vor allem in der aktuellen Zeit mit künstlicher Intelligenz und täglich ändernder politischen Lagen ist die persönliche Einschätzung und Beratung doppelt wichtig.

Was Kanada angeht, boomen Reisen ins Land des Ahorns derzeit besonders – wohl auch dank der gütigen Mithilfe des südlichen Nachbars. Umso relevanter aber ist es mit frischem und vor allem breitem Know-How punkten zu können. Einen Mietwagen hat wohl schon so manche Person gefahren. Aber ein über 7 Meter langes Motorhome rückwärts in einen Campingplatz eingeparkt wohl eher nicht. Genau deshalb legen wir enormen Wert auf die Erweiterung und vor allem auch Festigung der Destinations- und Produktekenntnisse.