Trips & Travellers

Béatrice Biner, Gründerin und Geschäftsführerin von Contemporary Travel, ist zu Gast im aktuellen «Travel News Talk». Bild: TN

Béatrice Biner: «Zu Beginn buchten nicht einmal meine Freunde bei mir»

Béatrice Biner hat in Afrika und im Iran gelebt, die Welt mit dem Rucksack bereist, ein Hotel in Zermatt geführt und ist als Flight Attendant um die Welt geflogen. Im aktuellen «Travel News Talk» erzählt die Gründerin von Contemporary Travel, wie aus über 100 erfolglosen Bewerbungen schliesslich ihr eigenes Reisebüro entstand.

Reisen zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben von Béatrice Biner. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie mit ihrer Familie in Nanyuki in Kenia sowie im Iran. Schon damals wusste sie, wohin die berufliche Reise einmal gehen sollte: ins Flugzeug.

«Bereits im Kindergarten wollte ich Flight Attendant werden. Mein damaliges Gspänli träumte davon, Pilot zu werden», erzählt Biner in der aktuellen Ausgabe des «Travel News Talk». Jahre später begegneten sich die beiden zufällig im Operations Center am Flughafen Zürich wieder. «Er war tatsächlich Pilot geworden und ich Flight Attendant. Wir hatten beide unseren Kindheitstraum verwirklicht.»

Zunächst absolvierte Biner allerdings eine KV-Lehre bei Interhome. Mitgründer Bruno Franzen wurde zu einem wichtigen Mentor. «Das papierlose Büro, die klaren Abläufe und die strukturierte Arbeitsweise haben mich stark geprägt. Vieles davon wende ich bis heute an.»

Es folgten Stationen in Spanien und bei Nestlé in Vevey, eine Weltreise mit dem Rucksack und schliesslich 18 Jahre in Zermatt. Dort führte Biner mit ihrem ersten Mann ein Hotel und begleitete ihn als Coach zu Buckelpisten-Wettkämpfen rund um den Globus. Später kehrte sie als Flight Attendant und Mitarbeiterin im Cabin Crew Planning bei Helvetic Airways in die Aviatik zurück.

Vom schwierigen Start zur Erfolgsgeschichte

Nach der Geburt ihres dritten Kindes verlor Biner ihre Stelle. Mehr als 100 Bewerbungen blieben erfolglos. Ihr zweiter Mann ermunterte sie schliesslich, sich selbstständig zu machen. 2013 gründete sie Contemporary Travel. Der Start verlief allerdings alles andere als berauschend. «Zu Beginn buchten nicht einmal meine Freunde bei mir», erinnert sie sich lachend. Das Umfeld habe zunächst abwarten wollen, ob das neue Reisebüro überhaupt funktioniere.

Heute stellt sich die Situation komplett anders dar. Biner arbeitet in Dällikon und regelmässig in ihrer zweiten Heimat Zermatt. Neben individuellen Reisen organisiert sie meist zwei begleitete Gruppenreisen pro Jahr, 2027 könnte aufgrund der Nachfrage eine dritte dazukommen. Vor jeder Reise lädt sie die Gruppe zu sich nach Hause ein. «Wir machen einen Kennenlern-Apéro oder sogar ein Abendessen. Beim letzten Mal waren 24 Leute bei mir – ein riesiger Aufwand, aber er lohnt sich», so die Reisebüro-Inhaberin.

Inzwischen ist Contemporary Travel so gut ausgelastet, dass Biner darüber nachdenkt, keine Neukunden mehr anzunehmen. Gleichzeitig spricht sie offen über die Schattenseiten ihres Berufs: «Den Reisebüros wird heute enorm viel Verantwortung aufgebürdet.»

Zudem erklärt Biner im Podcast, welche Fähigkeiten eine gute Reiseberaterin 2026 mitbringen muss, was sie tun würde, wenn sie ihr Reisebüro morgen schliessen müsste und wem aus der Reisebranche sie bis heute dankbar ist für die grosse Unterstützung beim Einstieg.

(RSU)