Trips & Travellers

Mit dem Safari-Jeep an der Westküste unterwegs, von links: Travelenews-Redaktorin Marilin Leuthard, Céline Eicher (20 Minuten), Johannes Brinkmann (AWP), Silvio Weilenmann (TI), Sven Schumann (Blick), Karin Markwalder (General Manager Kuoni und Helvetic Tours), Daniel Himburg (Dertour-Chefreiseleiter Algarve) und Stephan Kurmann (Kommunikationschef Dertour Suisse). Bild: Dertour

Darum lohnt sich die Reise ans Ende der Welt

Marilin Leuthard

Früher galt die Westküste der Algarve als das Ende der Welt. Heute weiss man, was dahinter noch kommt – und will trotzdem bleiben. Travelnews war mit Dertour Suisse in Südportugal unterwegs und hat eine Region voller Überraschungen entdeckt.

Wer an die Algarve denkt, hat wahrscheinlich direkt ihre atemberaubenden Strände vor Augen. Schöne Strände kann die Algarve, das ist keine Frage. Kilometerlang und schlichtweg beeindruckend, wie etwa rund um das berühmte Benagil oder an der Praia da Marinha mit ihren besonderen Kalksteinfelsen.

Die authentische Algarve beginnt jedoch dort, wo der Liegestuhl aufhört – in kleinen Dörfern, auf wilden Küstenstrassen, in den Hügeln des Hinterlands und an Orten, an denen vom Ferientrubel wenig zu spüren ist.

Dertour Suisse lud Travelnews gemeinsam mit vier weiteren Medien vom 21. bis 23. September nach Südportugal ein – zur ersten gemeinsamen Medienreise nach der Übernahme der Hotelplan Group. Begleitet wurden die Gruppe von CEO Stephanie Schulze zur Wiesch, Karin Markwalder, General Manager der beiden Dertour-Marken Kuoni und Helvetic Tours, und Stephan Kurmann, Kommunikationschef von Dertour Suisse.

«Noch steht Portugal im Schatten seines grossen Nachbarn Spanien», erklärt Karin Markwalder gegenüber Travelnews. Das Land sei bei Schweizer Reisenden noch nicht richtig auf dem Radar. «Dabei ist Portugal eine tolle Alternative zu verschiedenen Destinationen im europäischen Raum, nicht nur zu Spanien», so die General Managerin von Kuoni und Helvetic Tours. Während im Sommer Badegäste auf ihre Kosten kommen, bieten die milderen Temperaturen ausserhalb der Hauptsaison perfekte Bedingungen für verschiedenste Aktivitäten wie Wandern, Golfen oder Velofahren.

General Managerin von Kuoni und Helvetic Tours, Karin Markwalder (l.), und Dertour Suisse-Chefin, Stephanie Schulze zur Wiesch, im Pool-Bereich des Ananaea Castelo Suites Hotel. Bild: TN

«Ich bin ein grosser Fan von Portugal geworden. Die vielfältigen Möglichkeiten halten für alle etwas bereit», sagt Markwalder weiter. Portugal habe grosses Potenzial, sich durch seine Vielseitigkeit bei Schweizerinnen und Schweizern als attraktive Reisedestination zu etablieren.

Bei Dertour will man deshalb auch in Zukunft verstärkt auf Portugal setzen. Mit dem Vier-Sterne-Hotel Ananea Castelo Suites in Albufeira, das die Medienschaffenden während der Medienreise testen durften, sowie den beiden Sentido Hotels auf Madeira hat der Reiseveranstalter in den vergangenen Jahren gezielt in Portugal investiert.

Jeep-Tour ans Ende der Welt

Bevor Amerika entdeckt wurde, galt das Kap St. Vinzenz bei Sagres als das «Ende der Welt». Ein Leuchtturm markiert den südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes, bevor die Klippen steil in den Atlantik abfallen. Der Ort ist ein Touristenmagnet und nicht nur wegen der tollen Aussicht einen Besuch wert: Besucht man das Kap, muss man auch beim legendären Wurststand vorbei. Seit dreissig Jahren bekommt man hier «Die letzte Bratwurst vor Amerika», die von einem lokalen deutschen Metzger hergestellt wird. Kauft man eine Wurst, erhält man sogar ein Zertifikat als Beweis.

Céline Eicher posiert mit der letzten Bratwurst vor Amerika am Kap St. Vinzenz. Bild: TN

Die Küstenregion hat es in sich: Wir unternehmen eine Jeep-Safari und fahren von Pedralva im Landesinneren durch die karge Landschaft, vorbei an mit Disteln gesäumten Strassenrändern und alten Bauernhäusern, in Richtung Meer. Mit einem Stopp in der Nähe des Torre de Aspa, bei einem alleinstehenden, mit Graffiti gezierten Haus, eröffnet sich ein weiter Blick über die Westküste der Algarve. Die Aussicht auf die felsigen Küsten und Strände ist von hier besonders beeindruckend.

«Nun fahren wir zu einem meiner Lieblingsorte an der Küste», macht uns der Fahrer von Sagres Discovery neugierig. Da er in der Region aufgewachsen ist, kennt er die Gegend wie seine Westentasche. Ein einsamer, paradiesischer Strand wartet auf uns. Der Strand Ponta Riuva ist ein echter Geheimtipp abseits der Menschenmassen. Doch die Anfahrt hat es in sich – ohne Allradantrieb geht hier nichts. Alternativ kann die Schotterstrasse auch zu Fuss zurückgelegt werden.

Ein Meer – zwei unterschiedliche Küsten

Die Küste der Algarve wird in zwei Teile unterteilt: Die Felsalgarve und die Sandalgarve. Während sich an der rauen Westküste die steilen, goldgelben Felsklippen und Buchten mit starkem Wellengang entlangziehen, die als Mekka für Surfer und Wanderer gelten, bringt die Ostküste ein wenig wärmeres Wasser an flache und ruhige Strände mit weiten Dünen.

Gilt unter Einheimischen als einer der schönsten Strände: Ponta Ruiva. Bild: TN

An der Westküste liegen auch die bekannten Orte Lagos, Albufeira und Portimao. Die Algarve des Ostens beginnt in etwa bei der Regions-Hauptstadt Faro und ist nicht so stark vom Tourismus geprägt wie der Westen. Ab hier wird es deutlich ruhiger. An der Küste entlang zieht sich nämlich eines der sieben Naturwunder Portugals: der Nationalpark Ria Formosa, eine flache, geschützte Lagunenlandschaft. Viele Strände liegen auf den vorgelagerten Inseln, die nur per Boot erreichbar sind.

«Das Feuchtgebiet ist bedeutend für Zugvögel, Flamingos, Chamäleons sowie Heimat für eine der dichtesten Seepferdchen-Populationen der Welt», wird uns auf einer Katamaran-Tour durch die Lagune erklärt. Obwohl das Naturwunder unter Schutz steht, darf ein Sprung ins kalte Nass nicht fehlen und bringt bei über dreissig Grad eine willkommene Abkühlung.

Digital Detox im Hinterland der Algarve

Hier gibt es kein Mobilfunknetz und auch keine Fernseher. Aleida da Pedralva steht für totale Entschleunigung. Das kleine Dörfchen im Naturpark Costa Vicentina ist Teil eines bemerkenswerten Projekts. Das Örtchen besteht aus 50 Häusern, die vor zwanzig Jahren fast komplett verlassen waren. 2006 erwarb António Ferreira 26 der 50 verfallenen Häuser gemeinsam mit seinen Partnern und begann, sie möglichst originalgetreu zu restaurieren.

Umgeben von unberührter Natur kann man diese authentischen portugiesischen Häuschen buchen. Steht ein grosses Fest an, besteht auch die Möglichkeit, alle Häuser miteinander zu mieten, beispielsweise für Hochzeiten. Das Dorf verfügt auch über einen Pool und ein Restaurant.

Die Algarve ist ein Paradies für Kulinarik-Fans. Das wird auch im Restaurant Sítio da Pedralva nochmals klargestellt: Selbst wenn man nicht im Dorf übernachtet, sollte man diesem Restaurant einen Besuch abstatten. Mit seinem rustikalen, aber liebevollen Charme und dem unglaublich leckeren Essen eines der vielen kulinarischen Highlights der Reise. Die Spezialität des Hauses ist «Bacalhau no Pão à moda da Pedralva», also Kabeljau, der im Brot serviert wird. Auf der Karte stehen aber auch der traditionelle Eintopf aus der Algarve, die Cataplana, die man auf jeden Fall probiert haben muss.

Die Algarve hat überrascht, geschmeckt, gefallen und einen bleibenden Eindruck hinterlassen, ob kulturell, landschaftlich oder kulinarisch. Der Süden Portugals bietet von allem etwas. Die täglichen Direktflüge ab den drei grossen Flughäfen Zürich, Genf und Basel sowie die einfachen Einreisebedingungen machen die Destination noch attraktiver – und dürften damit bald auch in der Schweiz bei einem breiteren Publikum Interesse wecken.