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Der künstlich aufgeschüttete Strand von Jarosławiec an der polnischen Ostseeküste entstand als Küstenschutzprojekt und zählt heute zu den breitesten Strandabschnitten Europas. Bild: Adobe Stock

Das ist der grösste künstliche Strand von Europa

Ein riesiger Sandstrand an der rauen Ostsee: In Polen entstand eines der spektakulärsten Küstenprojekte Europas. Was als Schutzmassnahme begann, hat den Ort zu einem beliebten Ferienziel gemacht.

Wer an breite, feinsandige Strände denkt, hat meist die Karibik oder den Persischen Golf im Kopf. Doch auch an der polnischen Ostseeküste gibt es inzwischen ein Projekt, das für Aufmerksamkeit sorgt: Im kleinen Ort Jarosławiec wurde in den vergangenen Jahren ein gewaltiger künstlicher Strand geschaffen – von vielen als der grösste seiner Art in Europa bezeichnet, gelegentlich sogar als das «Dubai von Polen», wie das Reiseportal «Travelbook» schreibt.

Was heute wie eine klassische Bade-Destination wirkt, hat allerdings einen ganz anderen Ursprung. Der Strand ist das Resultat eines gross angelegten Küstenschutzprojekts. Über Jahrzehnte hinweg setzte die Ostsee der Steilküste bei Jarosławiec massiv zu. Teile des Ufers rutschten ab, und die Infrastruktur in Küstennähe geriet zunehmend in Gefahr. Die Antwort der Behörden: Sandaufschüttungen in grossem Stil.

Dabei wird Sand vom Meeresboden entnommen und gezielt an die Küste gepumpt, um die Erosion zu verlangsamen und die Küstenlinie zu stabilisieren. Das Ergebnis ist bemerkenswert: ein breiter, heller Strand, der sich heute über grosse Abschnitte erstreckt und dem Ort ein völlig neues Gesicht verleiht.

Vom Schutzprojekt zum Ferienmagnet

Inzwischen hat sich Jarosławiec zu einem beliebten Reiseziel entwickelt. Entlang der neu entstandenen Küstenlinie wurden Promenaden angelegt, Restaurants eröffnet und Aussichtspunkte geschaffen. Die Region profitiert davon, dass die polnische Ostseeküste ohnehin zu den wichtigsten Feriengebieten des Landes zählt.

Doch der künstliche Strand ist kein statisches Bauwerk. Wind, Wellen und Strömungen tragen den Sand kontinuierlich ab. Um die gewünschte Breite zu erhalten, muss regelmässig nachgeschüttet werden. Küstenschutz ist hier also ein fortlaufender Prozess und kein einmaliges Projekt.

Gleichzeitig bleibt die Methode umstritten. Umweltorganisationen und Fachleute weisen darauf hin, dass solche Eingriffe natürliche Küstenprozesse verändern und Lebensräume beeinflussen können. Auch langfristig gelten Strandaufspülungen angesichts steigender Meeresspiegel und intensiverer Stürme als nur begrenzt nachhaltig.

Dennoch zeigt Jarosławiec eindrücklich, wie sich funktionaler Küstenschutz und touristische Nutzung verbinden lassen. Ein Ort, der einst vor allem mit Erosion kämpfte, präsentiert sich heute mit einem der breitesten Strände Europas.

(TN)