On The Move
Mallorca entschlüsselt das Bewegungsmuster von Kreuzfahrt-Touristen
Die balearische Tourismusagentur AETIB nutzt anonymisierte Mobilfunkdaten, um präzise Bewegungsmuster von Kreuzfahrttouristen zu erstellen. Ziel der Initiative ist es, verlässliche Fakten für die Debatte um Overtourism zu schaffen und stark frequentierte Hotspots gezielter zu entlasten.
Im Jahr 2025 verzeichnete der Hafen von Palma mehr als 1,4 Millionen Kreuzfahrtgäste. Trotz genauer Passagierzahlen an den Kaianlagen fehlten den Behörden bislang empirische Daten darüber, wie viele Gäste tatsächlich an Land gehen, welche Distanzen sie zurücklegen und welche Ortschaften am stärksten belastet werden.
Die neue Untersuchung soll laut «Ultima Hora» diese Informationslücke schliessen. Ausgewertet werden Mobilfunkdaten aus drei repräsentativen Monaten des Jahres 2025. Einerseits aus dem Februar, einer Phase geringer Auslastung im Nebensaison-Vergleich; dann vom Juli, wenn der sommerliche Peak mit hoher Touristenkonzentration ansteht. Ebenso wird der Oktober gescannt, ein Monat mit einer historisch besonders vielen Hafenanläufen.
Differenzierte der Besuchergruppen
An Tagen mit Schiffsbewegungen werden die Signale in Intervallen von bis zu 15 Minuten erfasst. Um ein detailliertes Lagebild zu erhalten, wurde das Stadtgebiet von Palma in rund 290 Zählbezirke unterteilt. Im verbleibenden Teil der Insel erfolgt die Auswertung auf Gemeindeebene.
Ein zentraler Baustein der Methodik liegt in der Trennung vier verschiedener Touristenkategorien. Die Forscher wollen genau unterscheiden, wer die Insel besucht. Kreuzfahrer, die nach einem Landgang wieder an Bord gehen, sollen getrennt von Touristen erfasst werden, die auf Mallorca übernachten. Auch andere Ferien- und Tagesgäste werden separat berücksichtigt. So soll erstmals klarer werden, welchen Anteil die Kreuzfahrt-Touristen am Besucherandrang an besonders beliebten Orten tatsächlich haben.
Datenschutz und technische Umsetzung
Die Auswertung basiert ausschliesslich auf aggregierten und anonymisierten Daten, die Mobiltelefone bei der Einwahl in Funkmasten hinterlassen. Rückschlüsse auf Einzelpersonen sind technisch ausgeschlossen. Methodische Vorgaben stellen zudem sicher, dass Personen trotz mehrfacher Signalübertragungen nur einmal gezählt werden und Abweichungen bei Netzabdeckung sowie ausländischen Mobilfunkanbietern statistisch korrigiert werden.
Der Vergabe des Projekts ging eine Marktkonsultation voraus, die im Juni 2026 abgeschlossen wurde. Die Ergebnisse münden in ein interaktives Steuerungssystem, das den Inselbehörden künftig als Entscheidungsgrundlage für die Tourismuslenkung und Infrastrukturplanung dient.