On The Move
Höhere Flugpreise, Absage an Lugano und drohender Pilotenstreik
In mehreren Interviews im Rahmen des Bengalaru-Erstflugs – darunter in der «SonntagsZeitung», im «SonntagsBlick» und im «Corriere del Ticino» – zeichnet Swiss-Chef Jens Fehlinger ein deutliches Bild der aktuellen Herausforderungen. Trotz solider Nachfrage bremsen stark gestiegene Treibstoffkosten, gesperrte Lufträume und Engpässe bei Triebwerken sowie Personalumschulungen die Wachstumspläne des Carriers.
Der Hauptgrund für bevorstehende Preisanpassungen liegt im Ölpreis und den auslaufenden Hedging-Garantien der Fluggesellschaft. Bis Ende dieses Jahres hat die Swiss ihren Treibstoffbedarf noch zu 80 Prozent zu günstigeren Konditionen abgesichert. Für den Start des Jahres 2027 sinkt dieser Wert jedoch auf 50 Prozent.
Da Kerosin den grössten Einzelkostenblock darstellt, müsse die Airline die Mehrkosten über die Ticketpreise an die Kundschaft weitergeben. Die genaue Höhe der Aufschläge hänge von Nachfrage und Sitzplatzangebot ab, doch die Reiselust der Kundinnen und Kunden sei weiterhin hoch genug, um Teile der Preissteigerungen aufzufangen.
Keine Rückkehr nach Lugano-Agno
Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der traditionsreichen Flugverbindung zwischen Lugano und Genf wurden von Fehlinger vorerst zerschlagen. Wirtschaftlich mache die Strecke für die Swiss keinen Sinn, weshalb Passagiere aus dem Tessin weiterhin auf Zugverbindungen via Rail & Fly nach Zürich verwiesen werden.
Eine Wiederaufnahme schliesst der CEO nur für den Fall grundlegend veränderter Marktbedingungen nicht gänzlich aus. Selbst eine anstehende Gesetzesänderung, die ausländischen Airlines Inlandsflüge (Kabotage) auf dieser Route erlauben könnte, dürfte vorerst keine schnelle Rückkehr des Luftverkehrs ins Südtessin bringen.
Drohender Konflikt beim Gesamtarbeitsvertrag
Zusätzlicher Druck kommt von der Personalseite. Ende des Jahres läuft der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für das Swiss-Cockpitpersonal aus. Da in den Verhandlungen über bessere Planbarkeit der Arbeitszeiten und höhere Flexibilität bislang keine Einigung erzielt werden konnte, wächst das Risiko eines Pilotenstreiks.
Fehlinger betont, ein Streik nütze niemandem und die Swiss strebe weiterhin eine Lösung am Verhandlungstisch an. Um festgefahrene Positionen zu lösen, zeigt sich die Führung der Airline inzwischen auch offen für eine externe Moderation oder Mediation.