On The Move

Ausweichlandungen gehören zum Flugbetrieb, auch wenn sie für die betroffenen Passagiere unangenehme Folgen haben können. Bild: Swiss

Was hinter den Ausweichlandungen der Swiss steckt

Die Zahl der Ausweichlandungen bei der Swiss ist regelrecht in die Höhe geschnellt: Im laufenden Jahr liegt sie per Mitte Oktober 45 Prozent über dem Vorjahreswert. Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt allerdings, dass die Zahlen stark schwanken. Und: Bei weitem nicht jede ungeplante Landung ist ein Grund zur Sorge.

Ein Swiss-Flug dreht plötzlich um, ein anderer steuert statt Zürich einen Ausweichflughafen an. Auf Flightradar24 taucht der Notfallcode 7700 auf. Kurz darauf kursieren erste Meldungen auf Social Media. Solche Zwischenfälle lassen sich heute weltweit in Echtzeit mitverfolgen. Aber: Häufen sich Ausweichlandungen tatsächlich, oder werden sie einfach sichtbarer?

Die Zahlen, die die Swiss auf Anfrage von Travelnews offenlegt, zeigen: Im laufenden Jahr ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten. Bis zum 19. Oktober 2026 registrierte die Airline 173 Ausweichlandungen bei 114'707 Flügen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 119 bei 118'264 Flügen. Das entspricht einer Zunahme von rund 45 Prozent.

Trotzdem bleiben solche Ereignisse selten. 2026 musste bisher bei 0,15 Prozent aller Flüge ein anderer Flughafen angesteuert werden. Im Vorjahreszeitraum lag der Anteil 0,10 Prozent.

Ein deutlicher Anstieg, aber kein klarer Trend

Ein Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, wie stark die Zahlen schwanken. 2023 verzeichnete die Swiss 166 Ausweichlandungen, 2024 waren es 201. Im vergangenen Jahr sank die Zahl auf 151. Das entspricht einem Rückgang um rund 25 Prozent.

Dass die Zahlen nun wieder steigen, bedeutet laut Swiss nicht zwangsläufig, dass sich ein langfristiger Trend abzeichnet. Grössere Wetterereignisse oder Einschränkungen im Flughafenbetrieb können die Statistik spürbar beeinflussen.

Zu den häufigsten Gründen gehören schlechtes Wetter und technische Probleme. Hinzu kommen medizinische Notfälle, Ausfälle der Flugsicherung und Drohnensichtungen. Diese können dazu führen, dass ein Flughafen seinen Betrieb vorübergehend einstellen muss.

Ob Drohnen tatsächlich häufiger für Ausweichlandungen verantwortlich sind, lässt sich allerdings nicht sagen. Die Swiss erfasst solche Fälle nicht separat, sondern gemeinsam mit anderen Einschränkungen des Flughafenbetriebs.

Sicherheit vor Pünktlichkeit

Für die Cockpitbesatzung gehört die Möglichkeit einer Ausweichlandung zur gängigen Flugplanung. Alternative Flughäfen werden bereits vor dem Start festgelegt. Während des Fluges überwachen die Piloten laufend Wetter, Technik und Treibstoffvorrat.

«Wir denken während eines Fluges immer in Szenarien und Alternativen. Entscheidend ist, frühzeitig die sicherste Option zu identifizieren und umzusetzen», sagt Frank Zuber, Langstrecken-Flottenchef und Boeing-777-Captain bei der Swiss, im «Swiss Magazine».

Eine Ausweichlandung kann beispielsweise auch nötig werden, wenn ein Passagier dringend medizinische Hilfe benötigt. Bei technischen Problemen greifen zudem häufig mehrere unabhängige Sicherheitssysteme ineinander.

Für Flüge nach Zürich gehören Basel, Genf und Stuttgart zu den wichtigsten Ausweichflughäfen. Dort beginnt nach der Landung oft die nächste Herausforderungen Passagiere müssen weitertransportiert, Flugzeuge überprüft und allenfalls Ersatzcrews organisiert werden. Das kann weitere Verspätungen oder Flugausfälle nach sich ziehen.

Zuber betont deshalb, dass eine Ausweichlandung kein Zeichen mangelnder Sicherheit sei, sondern häufig genau das Gegenteil: «Eine Ausweichlandung ist eine bewusste Entscheidung für die Sicherheit.»

(RSU)