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Saimir Shala ist Geschäftsführer der Albanien Reisen GmbH mit Sitz in Olten (SO). Der Spezialreiseveranstalter bietet geführte Gruppenreisen, Individualreisen sowie massgeschneiderte Firmen-Trips nach Albanien und in die Balkanregion an. Bild: TN

«Albanien soll zur 365-Tage-Destination werden»

Gregor Waser

Schweizer Reisende entdecken Albanien zunehmend als vielfältige Destination. Im Gespräch erläutert Saimir Shala, Geschäftsführer von Albanien Reisen, die neue strategische Kooperation mit der nationalen albanischen Tourismusagentur und spricht über aktuelle Herausforderungen und neue Projekte.

Herr Shala, Sie haben am 1. Oktober eine Vereinbarung mit der nationalen Tourismusagentur Albaniens unterzeichnet. Was genau beinhaltet diese Partnerschaft?

Saimir Shala: Das ist richtig. Die Kooperation ging aus einem Treffen in der albanischen Botschaft in Bern hervor, zu dem ich eingeladen worden war. Nach weiteren Gesprächen und einer Einladung nach Tirana war schnell klar, dass wir dieselben Ziele verfolgen: Wir möchten Albanien als Reisedestination bekannter machen. Seither sind wir offizieller Kooperationspartner der Nationalen Tourismusagentur Albaniens. Das Ziel der albanischen Behörden ist es, das Land zu einer 365-Tage-Destination auszubauen. Die Zusammenarbeit ist wechselseitig: Einerseits fungieren wir als Ansprechpartner und Brückenbauer für die Schweizer Reisebranche, wenn vor Ort Unterstützung benötigt wird. Andererseits starten wir gemeinsame Marketingprojekte, veranstalten Vorträge und organisieren Fam-Trips für Branchenvertreter.

Jola Hysaj, Generaldirektorin der Nationalen Tourismusagentur Albaniens (AKT) und Saimir Shala, Gründer und Geschäftsführer von Albanien Reisen, haben eine Vereinbarung für eine Zusammenarbeit unterzeichnet. Bild: HO

Sie nehmen also nicht nur die Rolle eines Reiseveranstalters ein, sondern treten auch als Vermittler für andere Akteure auf?

Absolut. Es geht uns nicht darum, ein Exklusivrecht zu haben. Wir wollen den Markt für weitere Veranstalter öffnen und sie unterstützen. Es ist eine Vermittlerrolle, von der letztlich alle Seiten profitieren.

Wie entwickelt sich Ihr Geschäft aktuell, und welche Partnerschaften konnten Sie in der Schweiz schliessen?

Nach einem investitionsreichen Vorjahr – mit neuem Büro, neuer Website und zusätzlichen Mitarbeitenden – tragen die Massnahmen nun Früchte. Wir verzeichnen ein deutliches Wachstum: Beim Umsatz liegen wir voraussichtlich zwischen 30 und 40 Prozent über dem Vorjahr. Das macht 2026 zu unserem umsatzstärksten Jahr überhaupt – noch vor den Vor-Pandemie-Zahlen. Zudem haben wir wichtige Kooperationen geschlossen. Wir sind neuer Prio-Partner von Globetrotter Travel Service für die Destination Albanien. Mit Car-tours.ch haben wir eine neue Zusammenarbeit bei der Organisation von Rundreisen.  Und mit Imbach Reisen und Vögele Reisen aus der Twerenbold Gruppe haben wir gemeinsame Angebote ausgearbeitet, etwa geführte Schneeschuhtouren mit Imbach oder eine neue Kulturreise durch Nordalbanien und Kosovo mit Vögele. Auch der Beitritt zum Schweizer Reise-Verband (SRV) hat uns bezüglich Netzwerken und Kontakten nochmals einen deutlichen Schub gegeben.

Albanien respektive die Hauptstadt Tirana erlebt gerade Proteste und Ausschreitungen. Wie verfolgen Sie die Geschehnisse?

Direkt spüren wir es in den Buchungsanfragen kaum, obwohl das Thema in den Medien präsent ist. Die Proteste richten sich hauptsächlich gegen Korruptionsvorwürfe und mangelnde Bildungsstandards und werden vor allem von Studierenden getragen. Für unsere Gäste vor Ort hat die Sicherheit oberste Priorität. Da sich die Unruhen im Wesentlichen auf das Zentrum von Tirana beschränken, passen wir die Programme flexibel an – etwa indem Abendessen in andere Stadtviertel verlegt werden. Für Touristen besteht keine direkte Gefahr, aber es kann natürlich unangenehm sein. Nach Rücksprache mit unseren lokalen Guides flauen die Proteste derzeit aber bereits

«Entwicklung ist wichtig, sollte aber nachhaltig gestaltet werden.»

Wie bewerten Sie die geplanten Grossprojekte, wie etwa das Luxus-Resort der Familie Trump/Kushner auf der Insel Sazan sowie in Zvërnec?

Ich verstehe beide Seiten. Einerseits wünscht sich die albanische Regierung nach den Jahrzehnten des Kommunismus und der anschliessenden Transformationsphase wirtschaftliche Entwicklung, Arbeitsplätze und einen Aufschwung. Andererseits sehe ich Grossprojekte in Naturschutzgebieten kritisch. Das galt bereits für den neuen Flughafen Vlora, und das gilt auch für Resort-Bauten in sensiblen Naturräumen. Entwicklung ist wichtig, sollte aber nachhaltig gestaltet werden.

Wie ist der aktuelle Status beim Flughafen Vlora?

Der Flughafen ist baulich weitgehendfertiggestellt – Terminal, Tower und Piste stehen. Der Betriebsstart verzögert sich jedoch aufgrund rechtlicher und politischer Streitigkeiten zwischen den Hauptaktionären. Inoffiziell gibt es zudem verschiedenste geopolitische Gerüchte. Der albanische Staat versucht derzeit, juristisch zu vermitteln. Wann er öffnet, ist derzeit offen.

Ihr Unternehmen ist vor rund eineinhalb Jahren nach Olten gezogen. Wie hat sich dieser Standort bewährt?

Olten ist für uns ideal. Da wir ein Spezialreiseveranstalter sind, kommen unsere Kunden aus der gesamten Schweiz. Aufgrund des hervorragenden ÖV-Knotenpunkts erreichen uns Kundinnen und Kunden aus Zürich, Bern, Basel oder Luzern in rund 30 Minuten. Gerade bei privaten Gruppenreisen schätzen es die Verantwortlichen, für eine persönliche Beratung vorbeizukommen. Gemeinsam stellen wir dann ein Programm zusammen, das genau auf die Gruppe passt, und vor Ort setzt es unser eigenes Team um. Dieses Jahr durften wir zum Beispiel Reisen in den Westbalkan für die Naturfreunde, den Berner Baumeisterverband und zahlreiche Schweizer Unternehmen organisieren.

Welche Reisetrends beobachten Sie derzeit für Albanien?

Klassische Kombinationen aus Wandern und Kultur in kleinen Gruppen von 6 bis 14 Personen bleiben bei uns der Bestseller. Zunehmend fragen aber auch Firmen nach Individual- und Teambuilding-Trips mit Aktivitäten wie Rafting oder Trekking. Zudem wächst das Segment der Individualreisenden mit Mietwagen-Rundreisen, selbst in den Sommermonaten Juli und August. Hier arbeiten wir vermehrt auch mit Reisebüros zusammen. Ein besonderes Projekt für die Zukunft ist der Wintertourismus. Im Februar 2027 führen wir gemeinsam mit Imbach Reisen erstmals geführte Schneeschuhtouren in den Albanischen Alpen und im Kosovo durch. Der grosse Unterschied zur Schweiz: Es gibt dort keine ausgedehnte Skilift-Infrastruktur. Man bewegt sich in einer unberührten, verschneiten Naturlandschaft und geniesst die Stille einer echten Winterzauberwelt.