On The Move
Kommentar Leise geführt, leise gegangen
Reto SuterEs gibt Abschiede, die bleiben in Erinnerung. Standing Ovations, warme Worte, ein letzter grosser Auftritt vor versammelter Branche. Und dann gibt es den Abschied von Philipp von Czapiewski bei TUI Suisse: keine Bühne, kein grosses Interview im Branchenmedium, kein emotionaler Rückblick auf Social Media.
Die letzten öffentlichen Worte in seiner Rolle als TUI-Suisse-Chef finden sich unter dem Linkedin-Post seiner Nachfolgerin Nicole Pfammatter: freundlich, korrekt, zurückhaltend. Genau so, wie man ihn erlebt hat.
Nach sechs Jahren an der Spitze des Unternehmens verlässt von Czapiewski die Schweiz quasi durch den Hinterausgang – obwohl sein Abschied ein freiwilliger ist.
Sechs Jahre zwischen Pandemie und Wachstum
Als Philipp von Czapiewski im März 2020 in Zürich antrat, hätte sein Start kaum schwieriger sein können. Er übernahm nicht nur von Martin Wittwer – dem Mann, der TUI Suisse über zwei Jahrzehnte geprägt hatte –, sondern landete praktisch direkt in der grössten Krise der modernen Tourismusgeschichte. Corona legte den Reiseverkehr lahm. Plötzlich musste nicht Wachstum gemanagt werden, sondern Überleben.
Dass TUI Suisse diese Phase gut überstanden hat, ist auch sein Verdienst. Von Czapiewski gilt als exzellenter Optimierer: analytisch stark, diszipliniert, konsequent. Einer, der Prozesse liebt, Kosten kontrolliert und sich nicht in Symbolpolitik verliert.
Offizielle Zahlen gab es nie. Aber für Kenner des Reisegeschäfts ist klar: Die Berichte für die Konzernzentrale in Hannover fielen erfreulich aus. Mehr Gewinn, mehr Effizienz, wenig Überraschungen. Ein Brancheninsider nennt ihn liebevoll einen «Chrümscheli»: jemand, der auch kleine Schrauben noch nachzieht, solange sich irgendwo ein Prozentpunkt herausholen lässt. Das ist nicht unbedingt glamourös, aber häufig wirksam.
Ob TUI Suisse unter seiner Führung auch Marktanteile gewann, ist indes fraglich. Gerade in der Westschweiz hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren kaum Akzente gesetzt.
Freundlich im Gespräch – distanziert in der Branche
Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass von Czapiewski im Schweizer Markt nie ganz angekommen ist. Wer ihm begegnete, erlebte einen freundlichen und hoch anständigen Menschen. In Gesprächen zeigte er ehrliches Interesse an seinem Gegenüber. Während andere hinter vorgehaltener Hand über die Konkurrenz lästerten, war von ihm nie ein negatives Wort über einen Mitbewerber zu hören.
Gleichzeitig blieb er für viele Reiseprofis schwer greifbar. Kaum jemand in der Branche kannte ihn wirklich gut. Sein Pendeln zwischen Norddeutschland und Zürich wurde ein Stück weit zum Sinnbild seiner Amtszeit: präsent, aber nie ganz da.
Vielleicht liegt genau darin die Besonderheit von Philipp von Czapiewskis Zeit an der Spitze von TUI Suisse: Er war nie der Chef für die grosse Bühne, nie der Lautsprecher der Branche und keiner, der überall im Rampenlicht stehen wollte.
Dafür hat er intern geliefert – ruhig, diszipliniert und mit einigem Erfolg. Sein Abgang passt deshalb zu seinem beruflichen Zwischenstopp in der Schweiz: leise und ohne grosses Tamtam.