On The Move
Kulinarik, Freiheit und Ultra-Luxus: So positioniert NCL seine drei Marken
Nik EugsterIm Kreuzfahrtmarkt wird die klare Positionierung der einzelnen Marken immer wichtiger. Gerade im Premium- und Luxussegment versuchen Reedereien zunehmend, ihre Produkte stärker voneinander abzugrenzen. Auch innerhalb der Norwegian Cruise Line Holdings wird diese Differenzierung bewusst gepflegt.
Während Norwegian Cruise Line im oberen Bereich des klassischen Kreuzfahrtsegments angesiedelt ist, steht Oceania Cruises für gehobene Luxusreisen mit starkem Fokus auf Kulinarik und Destinationen, während Regent Seven Seas Cruises klar im Ultra-Luxussegment positioniert ist. Die drei Marken ergänzen sich damit bewusst entlang einer abgestuften Produktwelt innerhalb des Konzerns.
Oceania Cruises setzt innerhalb des Konzerns auf Kulinarik, Destinationen und ein ruhigeres Premiumerlebnis. Der Claim «The Luxury of Choice» soll diese Vielfalt unterstreichen. Ein wichtiger strategischer Schritt war die Einführung eines Adults-only-Konzepts für Neubuchungen seit Januar 2026. «Das Feedback ist sehr positiv», sagt Steve Odell, Senior Vice President International & Consumer Sales. Während Norwegian Cruise Line auch Familien anspricht, richtet sich Oceania damit gezielt an Paare oder Gäste, die eine entspanntere Atmosphäre suchen.
Regent Seven Seas Cruises steht innerhalb des Konzerns weiterhin für das Ultra-Luxussegment. Die Reederei setzt auf ein vollständig inkludiertes Konzept mit grosszügigen Suiten und sehr viel Raum pro Gast. Anders als bei Oceania sind Kinder hier weiterhin willkommen, da Regent häufig auch von mehreren Generationen gemeinsam genutzt wird.
Norwegian Cruise Line mit neuem altem Claim
Bei Norwegian Cruise Line steht vor allem das Thema Freiheit und Flexibilität im Mittelpunkt. Die Reederei hat dafür ihren früheren Claim «It’s different out here» wiederbelebt. Der Slogan stammt ursprünglich aus den 1990er-Jahren und sollte schon damals zeigen, dass NCL ein anderes Kreuzfahrterlebnis bietet. Später wurde dieses Konzept mit «Freestyle Cruising» weiterentwickelt. Heute wolle man mit dem ursprünglichen Claim wieder stärker Emotionen transportieren, erklärt Kevin Bubolz, Vice President & Managing Director Continental Europe, Middle East & Africa von NCL. Gleichzeitig gehe es darum, sich bewusst von einer gewissen «Sea of sameness» im Kreuzfahrtmarkt abzuheben.
Auch beim Thema Raum setzt Norwegian Cruise Line Akzente. Mit den Schiffen der Prima-Klasse wurden die Platzverhältnisse nochmals deutlich erweitert. Ein Beispiel dafür ist der exklusive Suitenbereich «The Haven», der Gästen ein privates Luxusumfeld innerhalb eines grossen Schiffes bietet – inklusive eigenem Restaurant, Poolbereich und Concierge-Service. Gerade für Mehrgenerationenreisen sei dieses Konzept ideal: Gäste geniessen den Komfort einer Suite, haben aber gleichzeitig Zugang zum vollständigen Unterhaltungs- und Freizeitangebot eines grossen Schiffes.
Schweiz als interessanter Premiummarkt
Für alle drei Marken bleibt die Schweiz ein besonders interessanter Markt. Schweizer Gäste gelten als reisefreudig, qualitätsbewusst und offen für internationale Produkte – Eigenschaften, die gut zu den internationalen Konzepten der Marken passen. Besonders auffällig sei, dass in der Schweiz überdurchschnittlich häufig höhere Kabinen- und Suiten-Kategorien gebucht werden.
Zudem profitieren die Reedereien von der Struktur des Schweizer Vertriebsmarktes. Neben grossen Veranstaltern gibt es viele spezialisierte Reisebüros, die ihre Kundschaft sehr gut kennen und entsprechend gezielt beraten. «Diese Partner kennen ihre Kunden sehr genau – und verkaufen entsprechend treffsicher», sagt Steve Odell, Senior Vice President International & Consumer Sales.
Wettbewerb wächst – Erfahrung bleibt Vorteil
Der Wettbewerb im Premium- und Luxussegment hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Neue Hotelmarken drängen in die Kreuzfahrt, bestehende Anbieter erweitern ihre Flotten, und auch neue Marken wie Explora Journeys positionieren sich in diesem Bereich. Für die Marken von Norwegian Cruise Line Holdings sieht Odell darin jedoch keinen Nachteil. «Heritage helps», sagt er. Die lange Erfahrung und die starke Loyalität der Stammgäste seien wichtige Wettbewerbsvorteile.
Besonders gefragt sind derzeit Reisen nach Asien und in den Pazifik, kleinere Häfen, die von grossen Schiffen nicht angelaufen werden können, sowie Mittelmeerreisen im Winter. Gerade diese Mischung aus Erlebnis, Komfort und klarer Markenpositionierung soll helfen, sich auch künftig in einem zunehmend kompetitiven Markt zu behaupten.