Promi-Hochzeiten sind für St. Moritz Gold wert

st.moritz_hochzeit.jpg
Erneut laufen in St. Moritz Vorbereitungen für eine Mega-Hochzeit. Bild: Engadin St. Moritz Tourismus

Es wird wieder gross angerichtet in St. Moritz. Ein Jahr nach der indischen Mega-Party findet dieses Wochenende erneut eine Promi-Hochzeit im Oberengadin statt. Daraus soll ein blühendes Geschäft entstehen.

Plötzlich wird Marijana Jakic wortkarg. «Ja, wir werden Mitte Januar wieder eine riesige Hochzeitsfeier in St. Moritz haben», sagt sie. Um wen es sich handelt, will die 42-Jährige nicht verraten.

Jakic ist seit April 2019 Brandmanagerin für die Marke St. Moritz bei der Destination Engadin/St. Moritz und in dieser Funktion auch für Promi-Hochzeiten zuständig. Sie weiss: In diesem Business ist es manchmal besser, wenn man schweigt. Zumindest von offizieller Seite. Denn im Nobelferienort auf 1856 Meter über Meer haben die Namen der beiden unlängst die Runde gemacht: Dasha Schukowa und Stavros Niarchos sind es, die schon bald ihre Hochzeit feiern. Sie ist Kunstmäzenin und die ehemalige Frau des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch. Er entstammt einer griechischen Reederei-Familie und ist der Ex von Hotelerbin Paris Hilton.

Die beiden hatten sich im vergangenen Sommer im kleineren Rahmen in Paris das Ja-Wort gegeben. Bereits damals wurde gemunkelt, dass die grosse Hochzeitsfeier im Winter in St. Moritz über die Bühne gehen wird. Nicht von ungefähr. Die Familie Niarchos besitzt im Engadin zahlreiche Häuser, unter anderem gehört ihr auch das Kulm-Hotel, ein Fünf-Sterne-Supérior-Haus.

Selbst überrascht vom Ausmass

Das passt ins Konzept. St. Moritz will die Gäste arme Zeit künftig stärker mit solchen Mega-Partys vergolden. Die Zielmärkte: Indien, Brasilien, China, USA, UK, Deutschland und die Schweiz. Die Tourismusorganisation arbeitet seit zwei Jahren weltweit mit Wedding-Planern zusammen. Das Geschäft entwickle sich gut, sagt Jakic. Bereits im Sommer 2018 fand eine grosse indische Hochzeit statt. Dann folgte die Mega-Feier Ende Februar vergangenen Jahres. «Es wäre wunderbar, wenn wir pro Zwischensaison eine solche Hochzeit hätten», sagt Jakic. Aber die ehemalige Bankmanagerin weiss auch: Man darf den Bogen nicht überspannen, sonst kann die Gemeinde nicht mehr auf die Toleranz der Einheimischen zählen.

Bei der Mega-Party im vergangenen Jahr, als das indische Glamourpaar Akash Ambani und Shloka Mehta ihren Junggesellenabend in St. Moritz feierte, wurden erstmals kritische Stimmen laut. Damals erstreckten sich die Feierlichkeiten über drei Tage. Mit rund 850 Gästen, einem Jahrmarkt und Chris Martin auf der Bühne, Sänger der britischen Band Coldplay. Lastwagen weise wurde Material ins Oberengadin transportiert. Über die Kosten kann nur spekuliert werden. 15 Millionen Franken dürfte es gut und gerne gewesen sein.

Trotz der kritischen Stimmen war der Anlass nicht gefährdet. Weil Christian Jott Jenny, der neue Gemeindepräsident von St. Moritz, sich persönlich dafür einsetzte und erfolgreiche vermittelte. Und vielleicht weil auch er den Verantwortlichen stets den Rücken stärkte: Hans Peter Danuser. Von 1978 bis 2008 war er Kurdirektor in St. Moritz. 1985 liess er den Ortsnamen als Marke schützen. Heute wirkt er nur noch im Hintergrund, wie er selber betont. Doch seine Stimme hat nach wie vor Gewicht im Dorf. Promi-Hochzeiten seien eine gute Sache, sagt er. «Wenn man richtig viel Geld ausgeben will, geht man zu den Besten. Und das ist St. Moritz», sagt er. Allerdings dürfe man sich keine Fehler erlauben. «Was man dieser Klientel verspricht, muss auch erfüllen. Im Idealfall übertrifft man deren Erwartungen», mahnt er.

Unerhörte Reichweite

Man sei bei der indischen Mega-Party vom Ausmass selber ein wenig überrascht gewesen, räumt Jakic ein. Geschadet hat der Trubel nicht. Ganz im Gegenteil. Solche Hochzeiten sind Gold wert. Das Pre-Wedding und mit ihm die Marke St. Moritz machten auf der ganzen Welt die Runde. Eine solche Reichweite kann man mit keiner noch so guten Werbekampagne erzielen. «Es sind unglaublich viele Medienartikel erschienen. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Irgendwann hörten wir auf mit Zählen», sagt Jakic. Der Return on Investment kam bereits in der darauffolgenden Sommersaison: die Zahl der indischen Gäste stieg um über 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Immerhin hat man aus dem Trubel der letzten Mega-Feier die Lehren gezogen und Richtlinien erstellt. Der Gemeindevorstand soll demnächst über das Papier befinden. Zentraler Punkt der Richtlinien: Nachhaltigkeit. Einheimische Unternehmen sollen bevorzugt berücksichtigt werden.

Gut möglich, dass es also bei der nächsten Feier nicht mehr dermassen pompös zu und her gehen wird. Die Gästeliste wird aber mindestens so lang und hochkarätig sein wie bei der indischen Mega-Feier. Es wird mit mehr als 500 Gästen gerechnet. Darunter dürften sein: Designerin und Topmodel Karlie Kloss mit ihrem Ehemann Joshua Kushner. Die beiden gelten als enge Freunde des Brautpaares. Ebenfalls im Oberengadin auftauchen könnten Ex-Fussballstar David Beckham und die Schauspielerin Liv Tyler. Die beiden sollen laut der «New York Post» bereits an der Verlobungsfeier gesichtet worden sein.

Übrigens: Die übernächste Promi-Hochzeit ist laut Jakic bereits in Planung. Namen? Jakic hüllt sich in Schweigen.

(travelcontent)