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Wo früher brisante Informationen ausgetauscht wurden, stehen heute edle Cocktails im Mittelpunkt: Die Elephant Bar in Phnom Penh zählt zu den geschichtsträchtigsten Hotelbars Asiens. Bild: Daniel Tschudy

Wo Spione, Kriegsreporter und Diplomaten ihren Gin tranken

Daniel Tschudy

Die Elephant Bar im legendären Raffles Hotel Le Royal in Phnom Penh war einst Treffpunkt für Geheimagenten, Kriegsreporter und Diplomaten. Heute zählt die geschichtsträchtige Bar mit ihrer fast 100-jährigen Vergangenheit und über 200 Gin-Sorten zu den besten Hotelbars der Welt.

Während vergangenen Kriegsjahren formierten sich an den jeweiligen Schauplätzen immer wieder Hotel-Lobbys und -Bars als Treffpunkt der Spione, Journalisten und der Geheimpolizei. Diese Räume waren Brutstätte für Kontakte, Gerüchte, Nachrichten und Bespitzelung.

Das Holiday Inn in Sarajevo war so ein Schauplatz, wie auch das Beirut Commodore oder das Palestine in Bagdad. Jeweils etwa so, wie im Rick’s Café Américain im Hollywood-Klassiker «Casablanca» erzählt. Zur Liste legendärer Bars darf man auch die Elephant Bar in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh zählen - mit ihrer bald einhundertjährigen Geschichte.

Französische Kolonialzeit

Nach Plänen des Architekten Ernest Hébrard eröffnete das Grand Hotel Le Royal im Jahre 1929. König Sisowath Monivong war Ehrengast, und seither gilt die dortige Elephant Bar als Hotspot der Stadt.

Die Bar hat ihren kolonialen Charme mit Dekorationen, Deckenventilatoren und allerlei Elefantenmotiven bis heute behalten. International bekannt wurde sie während der Vietnam- und Kambodscha-Kriege in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Die kunstvolle Deckenmalerei mit Elefantenmotiv gehört zum historischen Charme der legendären Elephant Bar. Bild: Daniel Tschudy

The Elephant wurde Zufluchtsort und Kommunikations-Hub für Kriegsreporter, Fotografen und Diplomaten. Sogar die damalige Amerikanische First Lady Jacqueline Kennedy besuchte 1967 das Hotel. Noch heute zelebriert man ihre Visite mit einem eigenen Signature-Cocktail «Femme Fatale» (Champagner mit Cognac und Crème de Fraise des Bois).

Kriegsjahre

Zwischenzeitlich, während der Lon-Nol-Periode von 1970 bis 1975, nannte sich das Hotel Le Phnom. In diesen Kriegsjahren wurde die Elephant Bar gesellschaftlicher Zufluchtsort für vor allem amerikanische Medienschaffende, beispielsweise von Reuters oder «New York Times».

Denn nach ihren lebensgefährlichen Einsätzen an den Frontlinien des Bürgerkriegs bot ihnen die Bar eine Oase der relativen Sicherheit. Und da es noch kein Internet gab und die offiziellen Pressekonferenzen häufig nur zensierte Informationen lieferten, wurde die Bar Marktplatz für Nachrichten. Und gleichzeitig auch Planungsort für die nächsten Einsätze im Umland.

Hinter den hellblauen Türen der Elephant Bar im Raffles Hotel Le Royal trafen sich einst Kriegsreporter, Diplomaten und Geheimagenten. Bild: Raffles Phnom Penh

Denn anders als im benachbarten Vietnam gab es in Kambodscha keine US-Truppeninfrastruktur mit Transportmöglichkeiten. Die Reporter mussten sich auf eigene Faust an die Front begeben, und die Elephant Bar fungierte dafür als organisatorischer Ausgangspunkt. Viele Journalisten starben während ihrer Einsätze, und so wurde die Bar auch Schauplatz zahlreicher legendärer und teilweise schwermütigen Trink- und Abschiedsrunden.

Im April 1975 spitzte sich die Lage zu: Alle Journalisten mussten das Land verlassen, das Hotel wurde geschlossen, und das Gebäude als Lager genutzt. 1979, nach dem Sturz des Pol-Pot-Regimes und dem Ende der Roten Khmer, eröffnete die Regierung das Hotel wieder und nannte es Samaki (Khmer für «Hotel der Solidarität»).

Es wurde die praktisch einzig funktionierende Unterkunft für Diplomaten, Entwicklungshelfer und Journalisten in Phnom Penh, immer mit der Elephant Bar als Arbeitsmittelpunkt. Als König Norodom Sihanouk später erneut eingesetzt wurde, erhielt das Haus auch wieder seinen ursprünglichen Namen, Hotel Le Royal.

Neugeburt

Die Raffles-Gruppe übernahm später das historische Anwesen, restaurierte es aufwendig und führt es seit 1997 als luxuriöses Heritage-Hotel. Dabei überlebte die Elephant Bar, wie selbstverständlich, auch diesen Wechsel. Erstaunlicherweise hat nur Hollywood das Etablissement noch nicht als Kulisse entdeckt.

Zwar glauben viele Kinofans, dass die 1984-Produktion «The Killing Fields», die im historischen Phnom Penh spielt, auch da gefilmt wurde, aber das ist Irrtum. Der Film wurde im Railway Hotel im thailändischen Hua Hin gedreht.

Phnom Penh zeigt sich heute als pulsierende Metropole. Bild: Daniel Tschudy

Bald sind es 100 Jahre Hotel Le Royal, jetzt als Raffles – und ebenso viele für die Elephant Bar. Nach wie vor ein Hingucker für schnelle Besucher und eine Wunderkiste für Geschichtefans. Dabei kann man sich, unter anderem, mit 200 verschiedene Gin-Sorten verweilen, beispielsweise dem legendären Sipsmith Raffles 1915 des Raffles Singapore.

Und, wenig überraschend, die Bar offeriert auch einen hauseigenen, lokal hergestellten Elephant Bar Gin. Das alles darf ausgezeichnet werden, so wie dies das Magazin «Food & Wine» im Mai dieses Jahres tat, indem sie die Elephant Bar zu einer der 10 besten Hotelbars der Welt kürte.

Heutzutage finden Geschäftsleute, wenige Touristen und ein paar Einheimische den Weg in die Elephant Bar. Für viele Kambodschaner und Kambodschanerinnen steht das Hotel und die Bar für ihr Fernweh nach Frankreich und die Erinnerung an bessere Tage. Emotional begleiten können sie solche Momente zum Beispiel mit einem Glas Marie-Christine, einem trockenen Cru-Classé-Roséwein aus der Provence.

Ein Hinweis noch zu Phnom Penh: wer mit der RV Mekong Discovery von Thurgau Travel von Siam Reap nach Saigon reisst, kommt automatisch in der kambodschanischen Hauptstadt vorbei und übernachtet dort auch. So kann jeder Durchreisende die Elephant Bar besuchen – keine 15 Fussminuten von der Landestelle entfernt.