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Das sind die wichtigsten Reisetrends 2027
Gregor WaserWohin die Reise 2027 geht, zeichnet sich immer deutlicher ab. Erste Buchungstrends sowie Prognosen zur künftigen Marktentwicklung liegen vor. Wir haben mit Reisebüros gesprochen, Lonely Planets «Best in Travel 2027», den TCS-Reisebarometer sowie die Allianz-Reisestudie analysiert – und fassen die plausibelsten Trends für 2027 zusammen.
1. Preis-Leistung: Das Reisebudget fest im Blick
Das Leben in der Schweiz wird nicht günstiger, die Rechnungen für Miete und Krankenkasse flattern unerbittlich rein. In die Ferien geht's im nächsten Jahr aber trotzdem.
Doch das Reisebudget gilt es genau im Auge zu behalten. Günstige Reiseländer und solche, die einen Währungsgewinn versprechen, rücken in den Fokus. Bei Dertour Suisse haben sich 2026 die Buchungen für Montenegro und Bulgarien nahezu verdoppelt, jene für Albanien um rund 50 Prozent erhöht. Der Balkan wird auch 2027 zu den Gewinnern gehören, lautet unsere Prognose.
Zwar ist die Türkei teurer geworden, bietet aber weiterhin ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei Fernzielen versprechen Reisen nach Japan oder Vietnam dank der Währungssituation preiswerte Ferientage.
2. Ägypten: Kultur und Badeferien ideal kombiniert
In zehn Tagen werden sich 180 Schweizer Reisebüro-Experten während der SRV-GV-Reise davon überzeugen: Ägypten wartet mit einer spannenden Kombination von Badeferien und Kulturtourismus auf. Das Grand Egyptian Museum bei den Pyramiden von Gizeh ist ein wichtiger touristischer Anziehungspunkt. Für 2027 bietet sich damit eine besonders attraktive Kombination aus Kairo, Nilkreuzfahrt und Badeferien am Roten Meer an. Und Ägypten bleibt ein interessanter Kandidat für günstige All-inclusive-Ferien.
3. Coolcationing: Der anhaltende Run auf den Norden
Die Reisenachfrage nach Skandinavien hält an. Ob im letzten Sommer oder im kommenden Winter: Die zusätzlichen Flugrotationen sind sehr gut gebucht, melden Edelweiss und Norden-Spezialist Kontiki.
Der Treiber für Reisen in den Norden, zumindest in den Sommermonaten, ist der Faktor Coolcationing. Der Hitzestress in Südeuropa führt bei Schweizer Reisenden im Sommer zu einem verstärkten Bedürfnis nach angenehmen Temperaturen. Finnland, Schweden, Norwegen, aber auch Island, Irland und Schottland punkten diesbezüglich. Der kontinuierliche Ausbau von Direktflügen ab Zürich und Genf in den Norden sowie verbesserte Nachtzug- und Fährverbindungen tragen zum Norden-Trend bei.
Laut einer Travelnews-Umfrage bei Reiseveranstaltern entfallen rund 14 Prozent der Sommerbuchungen auf Coolcations. Innerhalb von fünf Jahren ist die Nachfrage um über 20 Prozent gewachsen.
4. Saisonshifting: Entspannter reisen in der Nebensaison
Klassische Badedestinationen im Mittelmeer verändern ihr Buchungsfenster. Schweizer verlagern künftig verstärkt ihre Hauptreisen nach Griechenland, Süditalien, Malta oder Spanien in die Übergangsmonate April/Mai und September/Oktober. Denn dann locken deutlich attraktivere Preise und entspanntere Kapazitäten – abseits der überfüllten Juli- und Augustwochen.
Mit ein Grund: die vergangenen Sommer waren in der Schweiz häufig sehr schön und heiss. In die noch heisseren Mittelmeer-Gebiete im Juli und August zu reisen, hinterfragen immer mehr Mittel- und Nordeuropäer. Wobei auch festzuhalten ist: direkt am Meer sind Temperaturen um 35 Grad durchaus auszuhalten. Auch die Juli- und August-Wochen werden rund ums Mittelmeer auch künftig gut gebucht bleiben, insbesondere in den Schulferien.
5. Babyboomer: Kaufkräftig und reiselustiger denn je
Reisebüros spielt der demografische Wandel in die Karten. Die Babyboomer (geboren 1964 und früher) sind bereits pensioniert oder stehen kurz davor, sind gesünder und reiselustiger als Generationen zuvor und verfügen über solide Kaufkraft. Zudem kennen sie den Wert guter Beratung aus früheren Zeiten.
Das Reisebudget der Schweizerinnen und Schweizer wird immer höher und steigt im europäischen Vergleich überdurchschnittlich stark an. Seit 2022 hat es in Bezug auf die Sommerferien hierzulande um fast 60 Prozent zugenommen. In den Vergleichsländern stieg das Sommer-Reisebudget im selben Zeitraum nur um 11 Prozent, wie aus der jährlichen Allianz-Studie hervorgeht.
6. Second Cities: Entdeckungen abseits bekannter Metropolen
Bologna, Turin, Ljubljana, Porto oder Graz heissen die künftigen Städteziele. Der Trend 2027 lautet: Kleinere Städte, lokale Küche und Reisen mit mehr Zeit vor Ort. Statt möglichst viele Sehenswürdigkeiten in wenigen Tagen abzuhaken, werden Reisen um persönliche Interessen gestaltet: ein Kochkurs, eine Weinregion, ein Konzert oder eine geführte Entdeckungstour mit Einheimischen.
Die Nachfrage nach städtischen Erlebnissen ist bereits deutlich gestiegen. TUI Musement meldet ein deutliches Buchungsplus bei Aktivitäten in Städtedestinationen und hebt das Potenzial sogenannter Second Cities hervor.
Ljubljana, Graz und Bologna können je nach Unterkunft und Saison günstiger sein als Venedig, Paris oder Amsterdam.
7. KI-Unterstützung: Der Weg zum massgeschneiderten Trip
Ein zentraler Wunsch von Reisenden ist die Vermeidung überfüllter Hotspots und langer Wartezeiten. KI-Algorithmen analysieren Echtzeit-Daten wie Buchungszahlen, Wetter, Social-Media-Trends oder Verkehrsfluss und schlagen Reisenden aktiv Alternativen vor. Reisende weichen gezielt auf bisher weniger bekannte Orte oder Nebenzeiten aus, um entspannter zu reisen.
KI-Systeme verknüpfen zudem persönliche Vorlieben, Budgets, Kalenderdaten und bisherige Präferenzen zu massgeschneiderten Reiseplänen. Statt stundenlang Angebote auf Buchungsportalen zu vergleichen, lassen Reisende, die abseits von Reisebüros buchen, komplexe, mehrgliedrige Routen wie etwa Zug-Flug-Hotel-Kombinationen von KI-Agenten konfigurieren und buchen. KI sorgt im kommenden Reisejahr für die Hyper-Personalisierung.
8. Reisebüro-Comeback: Der Wert von echter Empathie und Vertrauen
Die schon häufig totgesagten Reisebüros spielen aber auch in Zeiten fortschreitender Künstlicher Intelligenz einen wichtigen Part. Ihre Rolle wandelt sich jedoch grundlegend: Statt reiner Informationsbeschaffung und Standard-Buchungsabwicklung rücken Verlässlichkeit, menschliche Empathie und komplexe Problembehebung in den Mittelpunkt.
Aktuelle Branchenanalysen belegen den sogenannte «AI Trust Gap» (KI-Vertrauenslücke): Während Kunden KI gerne für Inspiration, Preisvergleiche oder erste Routenkonzepte nutzen, sinkt das Vertrauen drastisch, sobald es um verbindliche Buchungen, hohe Geldsummen oder komplexe Detailentscheidungen geht. Hier öffnen sich gute Chancen für Reisebüros. Gleichzeitig sollte der Travel Agent die Vorteile von KI selber nutzen oder die neuen Mechanismen zumindest kennen.
9. Sicherheit & Verlässlichkeit: Das wichtigste Kriterium bei der Destinationswahl
Die Stabilität und Sicherheit einer Destination ist eines der wichtigsten Auswahlkriterien geworden. Geopolitische Krisen und Kriege führen dazu, dass unsichere Regionen konsequent gemieden werden. Reisende suchen gezielt nach Planbarkeit und Destinationen, die Schutz und soziale Stabilität bieten.
Besonders die kaufkräftigen Senioren und Babyboomer gewichten die Stabilität des Reiselands und Verlässlichkeit vor Ort besonders hoch. Das Bedürfnis nach Sicherheit spiegelt sich auch im Nachfrage-Boom bei medizinischer Notfall-Assistance und Annullierungsschutz bei Reiseversicherungen wider.
Nach gehäuften Turbulenzen bei Flughäfen und Airlines (Personalengpässe, Verspätungen, Streiks) ist die Logistiksicherheit zu einem entscheidenden Qualitätskriterium geworden. Zuverlässigkeit beim Flug- und Zugverkehr beeinflusst die Wahl des Verkehrsmittels und der Buchungswege massgeblich. Das Verlangen nach Zuverlässigkeit stärkt die Nachfrage nach Reisebüros und Experten. Reisende suchen einen direkten Ansprechpartner, der bei Flugausfällen, Verspätungen oder Schnittstellenproblemen umgehend Unterstützung bietet und die Haftung übernimmt.
10. Individuelle Erlebnisse: Weg von austauschbaren Touristenpfaden
Standard-Sehenswürdigkeiten und austauschbare Touristenpfade verlieren für einen wachsenden Teil der Reisenden ihren Reiz. Stattdessen wird der Wunsch nach ausgefallenen Momenten und einzigartigen Erlebnissen zentral – fernab gängiger Social-Media-Kulissen.
Der Zugang zu Orten, Menschen und Traditionen, die der breiten Masse verschlossen bleiben, gewinnt an Bedeutung. Die Trendbibel «Lonely Planet» nennt als Beispiele für das Jahr 2027:
- Wandern auf dem Wild Atlantic Way im Westen Irlands
- Eine Nacht als Leuchtturmwärter auf Rhode Island
- Tango tanzen in einer authentischen Milonga in Buenos Aires
- Per Longboat durch das Orang-Utan-Gebiet im Batang-Ai-Nationalpark von Borneo
- Auf São Tomé & Príncipe einsame Traumstrände im Golf von Guinea erleben
Aber auch Töpfer-Retreats in der Toskana, ein privates Dinner bei einem Fischer auf den Malediven oder eine aktive Teilnahme an Wildtierschutz-Aktionen in Costa Rica sind Reiseerlebnisse, die künftig höher im Kurs stehen.
Die offenen Fragen
Beim Blick ins kommende Reisejahr bleiben aber auch noch viele Fragen zum jetztigen Zeitpunkt unbeantwortet:
- Bleibt die Reiselust Richtung USA weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2024? Oder sorgt der Nachholbedarf bei den vielen Nordamerika-Fans für eine Erholung?
- Wie lange dauert der Nahost-Konflikt an? Ab wann erleben Reiseziele wie Jordanien, Oman oder die Vereinigten Arabischen Emirate Touristenströme wie in früheren Zeiten?
- Wie stark beeinträchtigen geopolitische Konflikte die Weltkarte für Kreuzfahrtschiffe?
- Wie entwickeln sich die Kerosin- und Flugticket-Preise?
- Kann sich die Bahn auf europäischen Städte- und Ferienreisen stärker einbringen?
- Welche Auswirkungen hat das Wetterphänomen El Niño auf Reisedestinationen?