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So reagieren die Reedereien auf das Niedrigwasser im Rhein
In den europäischen Flüssen herrscht Wassermangel, die Pegelstände liegen auf historisch tiefen Werten. Besonders betroffen vom Niedrigwasser ist die Rheinschifffahrt.
Frachter stecken fest, aber auch Flusskreuzfahrtschifffe müssen umplanen. Travelnews hat mit zahlreichen Reedereien über die aktuelle Situation gesprochen.
Kostenfreie Umbuchung bei Excellence Cruises
Die historisch tiefen Wasserstände auf dem Ober- und Mittelrhein stellen den Flussreisen-Anbieter Excellence Cruises in der laufenden Saison vor erhebliche Herausforderungen. Wo Flussabschnitte unbefahrbar sind, reagiert das Unternehmen mit flexiblen Routenanpassungen. Stephan Frei, Geschäftsführer von Excellence Cruises, sieht darin eine Stärke des eigenen Konzepts. Als Trümpfe nennt er die Vernetzung des Produkt-Management-Teams, die Flexibilität der eigenen Schiffsflotte sowie den Einsatz der konzerneigenen Twerenbold-Busflotte. Diese Kombination ermögliche es, rasch attraktive Alternativen an Land und auf dem Wasser aufzugleisen.
Dennoch liessen sich Ausfälle nicht vollständig vermeiden. Auf dem Rhein verzeichnet Excellence Cruises bislang 15 Flussreise-Annullationen sowie 16 Reroutings. Oberste Priorität habe dabei stets die Sicherheit der Passagiere, gekoppelt mit proaktiver und transparenter Information über die Website und direkte Kundenkontakte.
Im Falle von Streichungen zeigt sich der Anbieter lösungsorientiert. Frei verweist auf das breite Ausweichangebot – etwa auf Gewässern wie Seine, Rhône, Mosel oder im Ijsselmeer – sowie auf die bereits buchbare Kollektion für das Reisejahr 2027. Auf die Reaktion der Gäste angesprochen, sagt Frei: «Den Reroutings oder Programmanpassungen begegnen unsere Gäste mit viel Wertschätzung, da sie erleben, dass unsere Entschädigungsleistungen an Land grosszügig und kundenorientiert sind und wir unsere breiten Möglichkeiten zu ihren Gunsten nutzen». Die Stammkundschaft vertraue auf diese Kulanz: «Wir wissen: in der Krise zeigt sich, was ein Anbieter für seine Gäste leistet.»
Für die Zukunft stellt sich Excellence Cruises auf häufigere Extremwetterlagen ein. Die Erfahrungen fliessen direkt in die Routenplanung und den Flottenausbau ein. Ein konkretes Beispiel dafür ist der Neubau Excellence Crown: «Unser neues Hybridschiff Excellence Crown hat einen so geringen Tiefgang, dass es auch bei geringem Pegelstand steuerbar bleibt.» Zudem engagiert sich das Unternehmen in Branchenbündnissen für infrastrukturelle und technologische Lösungsansätze wie präzise Navigation, modernes Wassermanagement und Flussumbauten. Unter diesen Voraussetzungen blickt Frei zuversichtlich nach vorne, um den Gästen auch künftig attraktive Flussreisen anzubieten.
Gleichwertiges Alternativprogramm bei Thurgau Travel
Auch beim Thurgauer Flussreisen-Spezialisten Thurgau Travel hat der trockene Sommer 2026 Spuren hinterlassen. Die Niedrigwassersituation auf dem Rhein war dabei sowohl im Ausmass als auch in der Dauer aussergewöhnlich. Laut Robert Katzer, Head of Onboard Operations bei Thurgau Travel, waren rund 40 Rhein-Abfahrten sowie eine Handvoll Donaureisen von den Pegelständen betroffen. Dennoch konnten die Ausfälle gering gehalten werden: «Darin enthalten sind einige wenige Reisen auf Rhein und Donau, die annulliert werden mussten.» In den meisten Fällen beschränkten sich die Anpassungen auf einzelne Routenabschnitte oder die Ein- und Ausschiffungshäfen.
Das Kernprogramm habe man weitgehend aufrechterhalten können. «Die allermeisten Reisen fanden statt, teilweise auf einem etwas anderen Weg als geplant. Allfällige Mehrkosten hat Thurgau Travel übernommen», betont Katzer. In Bezug auf Umbuchungen und Stornierungen verweist das Unternehmen auf seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen und das direkte Gespräch mit den Kunden. Die Reaktionen der Passagiere fielen trotz der Umstellungen positiv aus. Katzer sagt dazu: «Die Erfahrung dieses Sommers zeigt: Unsere Gäste reagieren mit viel Verständnis, wenn sie offen informiert werden und das Reiseerlebnis stimmt. Eine Routenanpassung heisst nicht weniger Erlebnis, sondern ein gleichwertiges Programm auf einem anderen Weg.»
Für die künftige Kapazitäten- und Routenplanung bleibe der Rhein trotz der klimatischen Unsicherheiten unverzichtbar. Neben einer engmaschigen Pegelüberwachung setzt Thurgau Travel verstärkt auf die Modernisierung der eigenen Flotte. «Zudem investieren wir gezielt in moderne Schiffe. Wichtige Kriterien sind ein geringerer Tiefgang sowie zeitgemässe Navigations- und Radartechnik», erklärt Katzer. Das Fazit des Head of Onboard Operations fällt trotz des anspruchsvollen Sommers optimistisch aus: «Flussreisen auf dem Rhein bleiben eine attraktive Reiseform.»
Anpassungen bei Umbuchungsrecht
Das lang anhaltende Niedrigwasser hat auch Viva Cruises und Viva Boutique zu Routenanpassungen und alternativen Reiseverläufen gezwungen. «Nicht jede Strecke lässt sich jedoch sinnvoll ersetzen» räumt Jutta Rossié, Sprecherin von Viva Cruises ein. «Die Erfahrung der vergangenen Monate zeigt, dass unsere Gäste sehr verständnisvoll auf notwendige Änderungen reagieren und es besonders schätzen, ihre lang geplante Reise dennoch antreten zu können. Alternativ können unsere Gäste auf andere Flüsse umbuchen.» Gleichzeitig nehme Viva Cruises die diesjährige Situation zum Anlass, die zukünftige Planung noch stärker auf solch aussergewöhnlichen Bedingungen auszurichten und zusätzliche Flexibilität zu schaffen.
«Wir beobachten die Situation auf dem Rhein selbstverständlich laufend und setzen alles daran, unseren Gästen auch bei herausfordernden Rahmenbedingungen ein erstklassiges Reiseerlebnis zu bieten», hält Dominika Lange fest, die General Managerin Sales & Marketing bei Scenic Luxury Cruises & Tours. Aktuelle Informationen zu Reisen, Routen und Angeboten stellt die Reederei fortlaufend auf den offiziellen Kanälen zur Verfügung.
Die Reederei Arosa reagiert auf die aktuelle Lage mit einer Änderung beim Umbuchungsrecht: Laut der Reederei gilt für Neubuchungen auf der Donau, dem südlichen Rhein und der Mosel für die Saison 2026 aus Kulanz ein verkürztes Umbuchungsrecht bis 15 Tage vor Reisebeginn, solange es keine nachhaltige Erholung bei den Pegelständen gibt.
Harte Belastungsprobe
Das anhaltende Niedrigwasser stellt die Flusskreuzfahrtbranche vor eine harte Belastungsprobe, verdeutlicht aber zugleich deren Anpassungsfähigkeit. Die Schweizer und internationalen Anbieter begegnen den klimatischen Kapriolen mit einem Mix aus proaktiver Krisenkommunikation, Kulanz bei Umbuchungen sowie ausgefeilter Bus- und Schiffslogistik.
Die Gäste zeigen für die Ausweichprogramme offenbar grosses Verständnis. Für die Zukunft gilt jedoch: Die Branche muss und wird aufrüsten. Bei Investitionen in Schiffsneubauten mit extrem geringem Tiefgang, modernste Navigationstechnik und flexiblere Routenkonzepte sind die Reedereien gefordert, wollen sie den Rhein auch künftig als eine der wichtigsten Wasserstrassen im Programm halten.