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Gewaltige Wasser- und Schlammmassen wälzen sich durch das betroffene Gebiet in Nepal und richten schwere Schäden an. Bild: Screenshot Youtube / The Guardian

Flutkatastrophe im Himalaya: Das ist bekannt

Eine verheerende Sturzflut hat im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet zahlreiche Menschen in den Tod gerissen. Hunderte Personen werden noch vermisst. Travelnews beantwortet die wichtigsten Fragen zur Katastrophe und zu den Möglichkeiten, den Betroffenen zu helfen.

Wie präsentiert sich die Situation?

Einen Tag nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya laufen auf beiden Seiten der Grenze zwischen Nepal und China umfangreiche Rettungs- und Suchaktionen. Besonders schwer betroffen sind in Nepal die nördlichen Distrikte Rasuwa und Nuwakot sowie auf chinesischer Seite der tibetische Kreis Gyirong. Ganze Ortschaften wurden von Wasser, Schlamm und Geröll erfasst. Häuser, Strassen, Brücken und Wasserkraftanlagen wurden zerstört oder schwer beschädigt. In Nepal sind mehr als 3300 Polizisten im Einsatz, während China zusätzliche Rettungskräfte aus Peking und Chengdu in die Region geschickt hat. Besonders besorgniserregend: Oberhalb des Grenzübergangs hat sich erneut ein natürlicher Stausee gebildet. Die chinesischen Behörden überwachen diesen intensiv, weil ein Bruch eine weitere Flutwelle auslösen könnte. Der Zugang zu verschiedenen betroffenen Gebieten bleibt schwierig, was die Suche nach Vermissten erheblich erschwert.

Was ist genau passiert?

Am Mittwochmorgen (26. August) stürzten im Hochgebirge nahe der Grenze zwischen Tibet und Nepal gewaltige Mengen Eis, Fels und Geröll ins Tal. Die Massen gelangten in ein Flusssystem und lösten eine Flutwelle aus, die sich auf nepalesischer Seite unter anderem über den Bhote Koshi und später den Trishuli flussabwärts bewegte. Das Schweizerische Rote Kreuz berichtet von stellenweise acht bis zehn Meter hohen Flutwellen. Zunächst war spekuliert worden, ein Erdbeben habe die Katastrophe ausgelöst. Analysen des US Geological Survey zeigten später jedoch, dass das registrierte seismische Signal vom Einsturz der Eis- und Felsmassen selbst verursacht wurde. Die Schlammlawine traf die Täler praktisch ohne Vorwarnung. Gebäude und Fahrzeuge wurden mitgerissen, Brücken zerstört und Strassen unpassierbar. Der Grenzübergang bei Gyirong wurde ebenfalls schwer getroffen. Christian Huggel, Klima- und Umweltforscher an der Universität Zürich, spricht gegenüber SRF von einem Sturz historischen Ausmasses. «Er war zehnmal oder vielleicht sogar mehr als zehnmal so gross wie der Felssturz in Blatten im vergangenen Jahr.»

Wie viele Opfer sind zu beklagen?

Die Zahl der Todesopfer ist innerhalb weniger Stunden massiv gestiegen und dürfte sich noch weiter verändern. Nach Angaben der nepalesischen Polizei wurden bis Mittwochabend mindestens 157 Tote in Nepal geborgen. Neuere Meldungen sprechen bereits von mehr als 160 Todesopfern auf nepalesischer Seite. In der chinesischen Autonomen Region Tibet bestätigten die Behörden bislang mindestens drei Todesopfer. Damit sind in der gesamten Katastrophenregion mindestens 160 Menschen ums Leben gekommen (Stand: 27. August, 9.30 Uhr).

Wie viele Menschen werden noch vermisst?

Nach Angaben des chinesischen Staatsfernsehens CCTV werden allein im tibetischen Kreis Gyirong 558 Menschen vermisst, darunter 260 ausländische Staatsangehörige. In Nepal werden ebenfalls Hunderte Menschen gesucht. Viele Reisende hielten sich zum Zeitpunkt der Katastrophe in der Region auf. Das Nepal Tourism Board meldete zunächst 384 vermisste Reisende, spätere Angaben des Tourismusministeriums sprachen bereits von fast 580 nicht erreichbaren Touristinnen und Touristen, mehr als 500 davon aus dem Ausland. Viele waren auf dem Weg zum Mount Kailash in Tibet oder in den Trekkinggebieten im Norden Nepals unterwegs.

Sind auch Schweizer Staatsangehörige betroffen?

Bisher gibt es keine bestätigten Hinweise auf Schweizer Todesopfer. Am Donnerstag teilten die nepalesischen Behörden mit, eine Person mit Schweizer Staatsbürgerschaft werde nach den Sturzfluten vermisst. Laut dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) steht die Schweizer Vertretung in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu mit den zuständigen Behörden vor Ort in Kontakt. Schweizer Staatsangehörige in Nepal sind aufgefordert, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.

Wie kann man den Betroffenen helfen?

In der Schweiz sind bereits mehrere Hilfsaktionen angelaufen. Das Schweizerische Rote Kreuz hat zunächst 50'000 Franken für die Nothilfe bereitgestellt und ist bereit, das nepalesische Rote Kreuz zusätzlich mit Fachpersonal und weiteren Geldern zu unterstützen. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften stellt über ihren Katastrophenfonds zudem knapp eine Million Franken bereit. Das Geld soll unter anderem für medizinische Versorgung, Unterkünfte, Trinkwasser und weitere dringend benötigte Hilfe eingesetzt werden.

Auch das Schweizer Hilfswerk Helvetas sammelt Spenden für die Betroffenen. Helvetas ist seit 70 Jahren in Nepal tätig und verfügt dort über rund 200 Mitarbeitende sowie lokale Partnerorganisationen. Nach eigenen Angaben sind die Mitarbeitenden und Partner in Sicherheit, das Haus eines Mitarbeiters wurde jedoch von der Flut mitgerissen. Gemeinsam mit den Partnerorganisationen wird derzeit abgeklärt, wo Hilfe am dringendsten benötigt wird.

(RSU)