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Für E-Autos gelten auf griechischen Fähren besondere Vorgaben – unter anderem kann der Batterieladestand bei der Einschiffung auf maximal 40 Prozent begrenzt sein. Bild: VW

Brandgefahr wegen E-Autos? Das sagt die Fährspezialistin

Lithium-Ionen-Batterien von Elektroautos stellen Fährgesellschaften vor besondere Herausforderungen beim Brandschutz. Rebecca Giger vom Cruise & Ferry Center erklärt, was Reisende beachten müssen.

Gemäss Versicherungsverbänden und Automobilclubs fangen Elektroautos nicht häufiger Feuer als Benziner oder Diesel. Die Herausforderung bei E-Autos auf Fähren liegt nicht in der Wahrscheinlichkeit eines Brandes, sondern in der Art der Brandbekämpfung auf engem Raum auf See.

Das Thema einer möglichen, wenn auch sehr geringen Brandgefahr beschäftigt die Reedereien – doch von einheitlichen Regelungen oder Einschätzungen kann nicht die Rede sein. Grosse Schifffahrtsgesellschaften wie Color Line oder DFDS wickeln den Transport moderner Stromer auf Nord- und Ostsee weiterhin routiniert ab. In Griechenland regelt indes das Ministerium für Schifffahrt den Fährverkehr seit Frühjahr 2024 mit einer 40-Prozent-Grenze für den Batterieladestand. Aus Sicherheitsgründen dürfen die Akkus dieser Autos nur noch einen Ladestand von maximal 40 Prozent aufweisen.

Travelnews hat bei Rebecca Giger, Inhaberin und Geschäftsführerin des Cruise & Ferry Center, nachgefragt.

Rebecca Giger

Frau Giger, sind E-Autos auf Fähren in Ihren Beratungsgesprächen regelmässig ein Thema?

Rebecca Giger: Zu Beginn der Elektromobilität war das Thema bei uns häufiger präsent, inzwischen werden wir nur noch selten darauf angesprochen. Gelegentlich fragen Kundinnen und Kunden, die sich ein E-Auto anschaffen möchten, ob Fährreisen damit grundsätzlich möglich sind. Bei der Buchung wird die Antriebsart des Fahrzeugs bei uns entsprechend erfasst, also beispielsweise Elektro, Hybrid, Benzin oder Diesel. Damit ist für die Reederei ersichtlich, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt.

Wie lautet Ihre Empfehlung für E-Auto-Fahrerinnen und -Fahrer?

Wir empfehlen, vor der Reise die aktuellen Bestimmungen der gebuchten Reederei beziehungsweise der konkreten Verbindung zu prüfen. Eine einheitliche europäische Regelung gibt es nicht. Bei Moby Lines, Tirrenia und Toremar gibt es beispielsweise keine Begrenzung des Batterieladestands und auch keine Pflicht, ein Elektro- oder Plug-in-Hybridfahrzeug speziell anzumelden. Voraussetzung ist, dass das Fahrzeug selbstständig fahrfähig ist. Das Laden an Bord ist nicht möglich. Auch Color Line befördert Elektrofahrzeuge grundsätzlich ohne Einschränkungen. Das Laden ist dort aus Sicherheitsgründen nicht gestattet. Gleichzeitig hat die Reederei zusätzliche Sicherheitsmassnahmen umgesetzt, darunter Gasüberwachungssysteme zur frühzeitigen Erkennung eines möglichen Thermal Runaways (eine sich selbst verstärkende Überhitzung der Batterie), zusätzliche Feuerlöschausrüstung und Löschdecken sowie entsprechende Verfahren und Schulungen für die Besatzung.

«Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, E-Autos auf Fähren grundsätzlich als problematisch oder gefährlich einzustufen.»

Gibt es eine Übersicht über die Bestimmungen der wichtigsten Reedereien?

Die Unterschiede sind teilweise beträchtlich. Nach unseren aktuellen Informationen gelten vor allem auf Verbindungen von und nach Griechenland (mit Superfast Ferries und Grimaldi Lines) besondere Vorgaben. Dort kann der Ladestand von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen bei der Einschiffung auf maximal 40 Prozent begrenzt sein. Bei den meisten anderen von uns geprüften Reedereien gibt es keine vergleichbare generelle Begrenzung des Batterieladestands. Gleichzeitig bietet die Mehrheit derzeit keine Lademöglichkeit für E-Fahrzeuge während der Überfahrt an. Entsprechend sollte das Fahrzeug mit genügend Reichweite für die Weiterfahrt nach der Ausschiffung anreisen. Eine der wenigen Ausnahmen ist Irish Ferries. Dort können Elektroautos auf ausgewählten Schiffen während der Überfahrt geladen werden.

Wie beurteilen Sie das Problem eines möglichen Brandes eines E-Autos auf einer Fähre generell?

Aus unserer Sicht gibt es keinen Grund, E-Autos auf Fähren grundsätzlich als problematisch oder gefährlich einzustufen. Die Reedereien beschäftigen sich jedoch intensiv mit den spezifischen Risiken von Lithiumbatterien und reagieren darauf mit unterschiedlichen Sicherheitskonzepten und Vorsichtsmassnahmen. Interessant ist, dass sich derzeit keine einheitliche Entwicklung abzeichnet: Während einzelne Verbindungen einen maximalen Batterieladestand vorschreiben, werden E-Autos bei anderen Reedereien weitgehend wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor transportiert. Einige Reedereien untersagen das Laden an Bord, andere bieten auf bestimmten Schiffen sogar eigene Lademöglichkeiten an. Unsere Empfehlung an Reisende ist deshalb relativ einfach: Vor jeder Fährreise mit einem Elektroauto die Bestimmungen der konkreten Reederei und Verbindung prüfen und nicht automatisch davon ausgehen, dass die Regeln einer anderen Reederei oder Route ebenfalls gelten.

(GWA)