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«Die Kreuzfahrt ist trotz ihres Wachstums noch immer ein Nischenprodukt»
In diesem Jahr werden Schätzungen zufolge 38,3 Millionen Menschen eine Kreuzfahrt unternehmen – so viele wie noch nie. Für Wybcke Meier, CEO von TUI Cruises, ist das kein kurzfristiger Trend, sondern Ausdruck eines nachhaltig wachsenden Marktes. «Es gibt nur wenige touristische Segmente, die so stark wachsen wie die Kreuzfahrt», sagt sie anlässlich eines Mediengesprächs an Bord der Mein Schiff Flow. Im Jahr 2000 waren es gerade mal 7,6 Millionen Menschen, die auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs waren.
Das Wachstum ist laut Meier auf die stetig steigende Zahl an Schiffen, die grösseren Kapazitäten sowie immer differenziertere Angebote zurückzuführen, mit denen neue Kundengruppen erschlossen werden. Wybcke Meier und Clas Eckholt, Vice President Commercial bei TUI Cruises, geben Antwort auf die fünf drängendsten Fragen in Bezug auf den internationalen Kreuzfahrt-Markt und die Rolle von TUI Cruises.
Wie entwickelt sich der internationale Kreuzfahrtmarkt?
Der internationale Kreuzfahrtmarkt wächst laut Wybcke Meier weiterhin dynamisch. Im vergangenen Jahr waren weltweit mehr als 37 Millionen Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs. «Die Kreuzfahrt ist trotzdem noch immer ein Nischenprodukt und macht nicht mal drei Prozent des weltweiten Reiseaufkommens aus», so Meier. Das Wachstum in der weltweiten Kreuzfahrt bleibe in «gesundem» Ausmass. Mit Fincantieri in Italien, der Meyer Werft in Deutschland/Finnland sowie Chantiers de l’Atlantique in Frankreich gibt es gerade mal drei Werftengruppen, die Kreuzfahrtschiffen bauen – und diese sind über die nächsten Jahre komplett ausgebucht. Neue Kapazitäten sind also planbar und ein unkontrolliertes Wachstum ausgeschlossen. TUI Cruises erwartet sein nächstes Schiff im Jahr 2031.
Wie entwickelt sich TUI Cruises?
Als einer der wichtigsten Zukunftstrends sieht Meier das Interesse an weniger bekannten Häfen und Destinationen, was sich mit dem Wunsch von 81 Prozent der TUI-Gäste deckt. TUI Cruises wolle deshalb verstärkt neue Fahrtgebiete erschliessen. Mit den kleineren Expeditions- und Luxusschiffen von Hapag-Lloyd Cruises könne das Unternehmen auch abgelegenere Regionen ansteuern. Insgesamt beschreibt Meier die Entwicklung der Branche als «Evolution in Motion» – eine kontinuierliche Weiterentwicklung, die den gesamten Kreuzfahrtmarkt präge.
Mit der Einführung zweier neuer Schiffe sowie der InTUItion-Klasse hat TUI Cruises seine Kapazitäten um rund 40 Prozent erhöht. Nach der Mein Schiff Relax im vergangenen Jahr wurde nun die Mein Schiff Flow im Juni 2026 in Dienst gestellt. Gleichzeitig blickt das Unternehmen bereits in die Zukunft: Ab 2031 sollen zwei weitere Schiffe dieser Klasse folgen. Rund 70 Prozent der Kapazitäten setzt TUI Cruises in europäischen Gewässern ein, wobei Abfahrten ab deutschen Häfen besonders gefragt sind. Die neue Schiffsgeneration komme bei den Gästen sehr gut an. Die Mein Schiff Relax erreiche inzwischen einen Net Promoter Score zwischen 88 und 92 Prozent. Das Gästefeedback fliesse laufend in Optimierungen ein und habe bereits bei der Mein Schiff Flow zu zahlreichen Verbesserungen geführt.
Laut Clas Eckholt ist die momentane Buchungslage sehr erfreulich. Sowohl bei Mein Schiff als auch bei Hapag-Lloyd Cruises liegen die Buchungen über dem Vorjahresniveau. Besonders positiv bewertet Eckholt den anhaltenden Trend zum Frühbuchen. Last-Minute-Angebote seien für TUI Cruises dagegen kaum relevant.
Wie steht es um den nachhaltigen Treibstoff Bio-LNG bei TUI Cruises?
Für Wybcke Meier ist die Dekarbonisierung eines der zentralen Zukunftsthemen bei TUI Cruises und der weltweiten Kreuzfahrtbranche. Die InTUItion-Klasse wurde deshalb mit einem Dual-Fuel-Antrieb ausgestattet und kann sowohl mit LNG als auch mit anderen Kraftstoffen betrieben werden. Sowohl die Mein Schiff Relax als auch die Mein Schiff Flow fahren im Sommerbetrieb weitgehend mit Bio-LNG. Dadurch könne der CO₂-Ausstoss der beiden Schiffe um rund 80 Prozent reduziert werden. Die Verfügbarkeiten von Bio-LNG sind aber nach wie vor begrenzt und die Versorgung nicht jederzeit garantiert. Im Winter werde Bio-LNG auf den Kanaren beispielweise nicht eingesetzt, weil der Treibstoff dort schlichtweg nicht verfügbar ist.
Werden Kreuzfahrten teurer?
Die kurze Antwort lautet: Ja. Clas Eckholt macht keinen Hehl daraus, dass Kreuzfahrten künftig teurer werden. Steigende Energiepreise, höhere Lebensmittelkosten und weitere Kostensteigerungen lassen auch die Kreuzfahrtbranche nicht verschont. «Wir werden teurer – aber sehr moderat», sagt Eckholt. Während landgestützte Ferienangebote in den vergangenen Jahren teilweise um 40 bis 60 Prozent teurer geworden seien, hätten sich die Preise bei TUI Cruises innerhalb von sieben Jahren lediglich um rund 15 bis 16 Prozent erhöht. Möglich werde dies durch langfristige Planung, den frühzeitigen Einkauf sowie eine weitgehend selbst gesteuerte Wertschöpfungskette.
Welche Rolle spielt KI bei TUI Cruises?
Künstliche Intelligenz wird nach Einschätzung von Clas Eckholt künftig entlang der gesamten Beratungskette an Bedeutung gewinnen. Bereits heute spielen digitale Kanäle vor allem in der frühen Phase der Reiseplanung eine wichtige Rolle. KI könne Prozesse beschleunigen, Informationen gezielt aufbereiten und die Individualisierung weiter verbessern. Den persönlichen Kontakt werde sie jedoch nicht ersetzen. «KI wird nicht besser sein als ein guter Mensch», ist sich Eckholt sicher. Gerade bei einer so persönlichen Entscheidung wie der Ferienplanung bleibe der persönliche Kontakt entscheidend. An Bord soll KI künftig stärker eingesetzt werden: Sei es um Gästen auf Basis ihrer Interessen individuell passende Angebote vorzuschlagen oder Abläufe intelligenter zu steuern. Der Mensch bleibe jedoch sowohl in der Beratung als auch im Service das wichtigste Element.