Here & There
Zu der Heiligen Sava und einem Slivovic
Daniel TschudyWahrscheinlich dürfte man hierzulande nicht allzu viel über Serbien wissen und wohl noch weniger über deren Hauptstadt Belgrad. Viele Jahre von inneren und äusseren Streitigkeiten, kriegsbedingter Mangelwirtschaft und Wirtschaftsembargos haben die Menschen auch kulturell verunsichert. Viele sind ausgewandert, nach Amerika und bis nach Australien.
Serbien sucht sich und hat wenige Anhaltspunkte, um sich nach vorne zu orientieren. Wen wunderts, dass da der Tennis-Champion Novak Đoković ein ganz wichtiger Faktor ist. Und auch der Tourismus kann eine zentrale und positive Rolle spielen; nicht nur weil die Kosten tief liegen und ein Wochenende für Franken-Kunden geradezu günstig ist. Ein Besuch vor Ort zeigt viel Interessantes; und hier sind 10 gute Gründe, Belgrad zu besuchen:
- Schweizer Bürger/innen brauchen kein Visum und können Serbien mit ihrer ID besuchen und deshalb eine Visite ganz kurzfristig planen.
- Die Swiss bedient ab Zürich zweimal täglich Belgrad mit Direktflügen; Freitags um 07:00h mit LX 1412; die Flugzeit beträgt knapp 90 Minuten. Auch Sonntags gibt es 2 Flüge; der spätere erreicht Zürich kurz vor 17 Uhr. Und auch Air Serbia bedient Zürich täglich.
- Eine der noch wenigen westlichen Hotelgruppen vor Ort ist Rezidor, die vor knapp einem Jahr in einer ehemaligen Mühle ein spannendes Design-Hotel eröffnet haben. Das Radisson Blu Old Mill Hotel liegt etwas über 2km ausserhalb des Zentrums, kann aber per Tram oder Bus in wenigen Fahrminuten erreicht werden. 236 Zimmer & Suiten, Restaurants, Bar, sowie Sauna und Fitnesszentrum stehen im Angebot. Inspiriert von der unter Denkmalschutz stehenden alten Dampfmühle aus dem Jahr 1901 wurde ein Hotel im Industrie-Chic kreiert. Zur Hotel-Webseite.
- Und wenn wir schon bei der Strassenbahn sind, eben bei der Verbindung vom Radisson Blu Old Mill Hotel Richtung Innenstadt, dann lohnt es sich die Tramlinie 12 zu nehmen. Denn diese wird teilweise mit alten Basler Trämlis bedient. Erkenntlich wird dies, wenn im Innern noch die Stadtpläne Basels oder die Warnung vor Schwarzfahren kleben.
- In dieser Innenstadt, und das sei durchaus mit Respekt gesagt, sieht und spürt man noch ein bisschen die alte Welt; der eiserne Vorhang. Wie wenn James Bond in ‚Liebesgrüsse aus Moskau‘ durch den Balkan reist oder wie damals, als man sich über den Checkpoint Charlie nach Ostberlin wagte.
- Einmal am Trg Republike angekommen, dem zentralen Republikplatz, darf man zuerst ein typisches Kaffeehaus besuchen, die Kafana. Neben Mokka und anderen Kaffeespezialitäten werden auch diverse Obstbrände (Rakija) angeboten; insbesondere Slivovic.
- Um ein Gespür für das Momentum der Serben zu erhalten, können Besuche in zwei Geschichts-relevanten Museen interessant sein. Das Armeemuseum zeigt die Militärgeschichte Serbiens bis zu den NATO-Luftangriffen 1999. Und das Luftfahrtmuseum am Flughafen stellt die inländische Luftfahrtgeschichte vor; umrahmt von 200 Flugzeuge. Das meistbesuchte Belgrader Museum ist jedoch dem früheren Präsidenten Jugoslawiens, Marschall Tito, gewidmet. Im Museumskomplex liegt auch sein Mausoleum.
- Noch mehr und ältere Geschichte erlebt man im Dom des Heiligen Sava, die monumentale serbisch-orthodoxer Kirche; und eines der grössten orthodoxen Gotteshäuser der Welt. Mit 35m Durchmesser übertrifft die Kuppel das direkte bauliche Vorbild der Hagia Sophia in Istanbul; die Kirche ist dem ersten serbischen Erzbischof und Nationalheiligen Serbiens Hl. Sava (1175–1236) geweiht.
- Zum Einkaufen und Flanieren ideal, und auch einfach gut zum Beobachten, ist das Gebiet am und rund um den Zeleni Venac-Markt; zentrale Bushaltestelle und lokales Leben in Einem. Da zeigt sich die Atmosphäre Serbiens; dekoriert mit Cevapcici-Imbissbuden, Art Deco-Gebäuden und traditionellen Balkanelementen.
- Belgrad gilt als richtiggehend ‚heisse‘ Party-Stadt; das Nachtleben ist pulsierend und vibrierend. Dutzende schwimmende Clubs und Open-Air Bars befinden sich an den Ufern der beiden Belgrader Flüsse Save und Donau.
Belgrad ist eine gezeichnete, aber spannende Stadt; mit vielen Narben von zu vielen Kriegen. Aber daraus entstehen jetzt auch neue Energien, junge Menschen mit Träumen und Ideen, eine neue Stadt mit Charakter; im Umbau; in voller Bewegung.
Weitere Infos: www.tob.rs