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Weihrauch, Wüsten, Wellen: Salalah im Oman
Fabian von PoserPalmblätter wippen im Wind, die Wellen plätschern vor sich hin. Am Horizont verliert sich eine Dhau, eines der traditionellen arabischen Holzboote, im Türkis des Indischen Ozeans. Unten an der Coco Shack Beach Bar mixt Barmann Alam Didarul bunte Cocktails. Ein paar Touristen lehnen an der Theke und nippen aus eisbeschlagenen Gläsern. Es ist heiss, sehr heiss. Auch am späten Nachmittag heizt die tiefstehende Sonne die Luft noch auf 30 Grad auf. An der Palme direkt neben der Bar hängt deswegen ein Schild: "Keine Schuhe, kein T-Shirt, kein Problem."
Die Szene könnte so oder so ähnlich auf einer der Inseln in der Karibik stattfinden, doch der Ort ist ein anderer: Salalah, Oman, Orient. Im Süden der Arabischen Halbinsel zaubern Tourismusplaner derzeit eine gigantische Ferienwelt aus dem Nichts: 25 Kilometer vor der Provinzhauptstadt Salalah entsteht auf einer Fläche von 15 Quadratkilometern eine Retortenstadt mit acht Hotels, 3000 Betten, einer Inland-Marina mit 200 Plätzen, Restaurants, Cafés und zwei PGA-Golfplätzen, entworfen vom weltbekannten Golfplatz-Architekten Karl Litten.
Bereits im vergangenen Jahr eröffneten das Fünf Sterne Rotana Salalah mit 399 Betten und ein Juweirah-Boutique-Hotel mit 64 Zimmern und Suiten. Weitere Hotels sollen folgen, darunter ein Club Med und ein Mövenpick Resort. Sie alle sind Teil einer schnell wachsenden Ferienstadt, die sich gut in das Landschaftsbild einfügt. Traditionelle omanische Elemente treffen auf mediterrane. Keines der quaderförmigen Häuser ist mehr als drei Stockwerke hoch, fast jedes hat Blick aufs Meer. Durch die venezianischen Kanäle und Lagunen fliesst Meerwasser. Das Salalah Beach Resort ist eine nahezu perfekte Kopie der ägyptischen Ferienstadt El Gouna. Kein Wunder, denn konzipiert wurde die traumhafte Ferienwelt von der Orascom-Gruppe des ägyptischen Immobilien-Tycoons Samih Sawiris, Multimillionär und geistiger Vater von El Gouna.
Sonne von September bis Juni
Dort, wo vor fünf Jahren noch nichts war, ist mit dem Salalah Beach Resort eines der grössten Tourismusprojekte der Arabischen Halbinsel entstanden — grösser sogar als die meisten Projekte in Dubai und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Vater von alledem ist Sultan Qaboos, der 74 Jahre alte Regent des Oman. Binnen weniger als fünf Jahrzehnten hat er aus einem rückständigen Land einen modernen Staat geformt. Noch 1960 lebten im Oman 99 Prozent Analphabeten und es gab gerade mal drei Schulen. Heute gehen so gut wie alle Omanis unter 20 Jahren zur Schule. Einst gab es nur zwölf Kilometer Teerstrasse, mittlerweile ist der Oman mit einem Netz aus hervorragenden Strassen überzogen. Ziel ist es vorzusorgen für die Zeit nach dem Öl, denn schon in wenigen Jahrzehnten könnten die Quellen des Oman versiegen, rechnen Experten.
Salalah bedeutet Sonnenstrahl. Zurecht, denn Sonne gibt es hier von September bis Juni genug. Längst sind deshalb auch die Hilton-Kette, Marriott und Crowne Plaza mit Fünf-Sterne-Häusern gegenwärtig. Veranstalter wie FTI, seit diesem Jahr erstmals mit einem eigenen Salalah-Katalog auf dem Markt, preisen die Region bereits als die "Karibik des Orients" an. Erst im Juni wurde das brandneue Terminal des Salalah International Airport eröffnet. Bis zu eine Million Passagiere können hier laut den Betreibern im Jahr abgefertigt werden.
Und auch abseits ihrer paradiesischen Strände hat die Region einiges zu bieten. Da ist zum Beispiel das malerische Fischerstädtchen Mirbat, da sind die berühmten Salzwasserfontänen von Mughsayl und da ist die Provinzhauptstadt Salalah mit der mächtigen Sultan-Qaboos-Moschee, ihren weiss gekalkten Altstadthäusern und dem berühmten Weihrauchmarkt. Der Handel mit Weihrauch brachte der südlichsten Provinz des Oman einst immensen Reichtum ein. Zwar ist das wohlriechende Baumharz auf den Märkten noch immer allgegenwärtig, doch hat Salalah seine Bedeutung als Handelszentrum für Weihrauch heute weitgehend verloren.
Stattdessen gewinnt der Tourismus an Bedeutung. Das zeigt sich auch am Abend beim Sunset-Dinner im Salalah Hilton. Mitten im weißen Puderzuckersand haben die Kellner kleine Pavillons für die Gäste aufgestellt. In jeden passt genau ein Tisch. Zum Sonnenuntergang färbt sich der Himmel erst gelb, dann orange, dann rot. Kaum ist die Sonne im Meer versunken, tragen die Kellner Köstlichkeiten aus dem Indischen Ozean heran. Und wären am Horizont nicht die Lichter des Container-Hafens von Salalah zu sehen, man könnte tatsächlich meinen, auf einer Insel in der Karibik zu sein.
Anreise: Oman Air (www.omanair.com) fliegt über Muscat nach Salalah, Qatar Airways (www.qatarairways.com) über Qatar. Der Flug dauert etwa sieben Stunden und kostet ab 750 Franken.
Spezialisten: FTI Touristik, Holidaymaker, Let's go Tours
Einreise: Schweizer benötigen einen Reisepass, der mindestens noch sechs Monate gültig ist. Das Visum ist bei der Einreise am Flughafen von Muscat erhältlich und kostet zehn Euro.
Beste Reisezeit: Von Oktober bis April. Die Tagestemperaturen in Salalah liegen dann zwischen 27 und 31 Grad, die Niederschlagswahrscheinlichkeit bei null. Die Wassertemperatur beträgt angenehme 25 Grad.
Weitere Auskünfte: www.omantourism.de und www.omantourism.gov.om