Trips & Travellers

Die Kapverdischen Inseln sind ein äusserst beliebtes Ziel bei Schweizer Reisenden. Aktuell raten Reisemediziner zu erhöhter Aufmerksamkeit bei Hygiene und Prävention. Bild: Adobe Stock

Erhöhtes Krankheitsrisiko auf den Kapverden – die wichtigsten Antworten

Nach Berichten über vermehrte Magen-Darm-Erkrankungen bei Kapverden-Reisenden stellen sich Feriengäste Fragen zum Gesundheitsrisiko. Travelnews erklärt, wie Schweizer Reisemediziner die Lage einschätzen und welche Vorsichtsmassnahmen empfohlen sind.

Die Kapverdischen Inseln haben sich zu einem Boomziel bei Schweizer Reisenden entwickelt, besonders im Winter. Neue Flugverbindungen, ein wachsendes Hotelangebot und die Mischung aus Badeferien, Natur und Kultur sorgen für markant steigende Buchungszahlen.

Und dann das: Rund um die Sportferien schlugen die britische Gesundheitsbehörden Alarm: Sie registrierten nach Reisen auf die Kapverden vermehrt Magen-Darm-Erkrankungen, wie «Travel Weekly» berichtete. Besonders betroffen: die Ferienorte Santa Maria und Boa Vista, wo zahlreiche Fälle von Shigellen- und Salmonelleninfektionen mit Hotelaufenthalten in Verbindung gebracht wurden.

Sind Reisen auf die Kapverden mit einem erhöhten Krankheitsrisiko verbunden? Und: Wie können Reisende verhindern, dass sie ihre vermeintlichen Traumferien vor allem auf der Toilette verbringen? Travelnews beantwortet die vier wichtigsten Fragen zum Thema.

Nehmen Magen-Darm-Fälle auch bei Schweizer Gästen zu?

«Uns sind bislang keine dokumentierten Fälle bei Schweizer Reisenden bekannt», heisst es beim Zentrum für Reisemedizin der Universität Zürich auf Anfrage. Auch Healthy Travel, das Schweizerische Expertenkomitee für Reisemedizin, verfügt derzeit über keine Hinweise auf einen Anstieg entsprechender Erkrankungen bei Reiserückkehrenden von den Kapverden. Internationale Daten zeigen jedoch, dass nicht nur Feriengäste aus Grossbritannien vermehrt von Shigellen- und Salmonellen-Infektionen betroffen sind, sondern auch Reisende aus weiteren Ländern. Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) meldet ebenfalls steigende Fallzahlen, unter anderem in den Niederlanden, Schweden und Frankreich. «Diese Entwicklung lässt sich derzeit aber nicht auf die Schweiz übertragen», hält das Zentrum für Reisemedizin fest.

Wie gross ist das gesundheitliche Risiko für Kapverden-Reisende?

Aus medizinisch-präventiver Sicht stuft das Zentrum für Reisemedizin das aktuelle Gesundheitsrisiko für Reisen auf die Kapverden als moderat, jedoch leicht erhöht gegenüber dem üblichen Niveau ein. Die Situation erfordere erhöhte Aufmerksamkeit und konsequente Prävention, stelle jedoch keinen Ausnahmefall dar. Bei den vermehrten Infektionsfällen handelt es sich gemäss den Reisemedizinern der Uni Zürich nicht um ein offiziell bestätigtes landesweites Ausbruchsgeschehen, sondern um ein sogenanntes reiseassoziiertes Signal. Das bedeutet: Mit steigenden Besucherzahlen können auch mehr Magen-Darm-Erkrankungen bei Reiserückkehrenden registriert werden. Auffällig sei jedoch, dass die gemeldeten Fallzahlen aktuell über dem üblichen Niveau liegen. Besondere Vorsicht empfiehlt das Zentrum für Reisemedizin deshalb vor allem für Risikogruppen wie ältere Menschen, immungeschwächte Personen, Schwangere sowie Kinder unter fünf Jahren, bei denen bakterielle Durchfallerkrankungen schwerer verlaufen können.

Welche Vorsichtsmassnahmen sollten Reisende treffen?

Das Zentrum für Reisemedizin empfiehlt Reisenden in tropische Destinationen, konsequent auf Lebensmittel-, Wasser- und Händehygiene zu achten. Da Magen-Darm-Erkrankungen meist über verunreinigte Speisen oder Wasser übertragen werden, gilt weiterhin der klassische reisemedizinische Grundsatz: «Cook it, boil it, peel it – or leave it». Konkret sollten vorzugsweise heisse, frisch zubereitete Speisen konsumiert und rohe Lebensmittel gemieden werden. Milchprodukte wie Glacé oder Joghurt gelten nur dann als unbedenklich, wenn sie industriell abgepackt sind. Auch von bereits geschnittenem Obst, Salaten oder lange warmgehaltenen Buffetgerichten wird abgeraten. Früchte sollten möglichst selbst geschält und bei Bedarf mit Mineralwasser gewaschen werden. Beim Trinkwasser empfehlen Fachleute ausschliesslich originalverschlossene Flaschen oder abgekochtes Wasser – auch zum Zähneputzen. Auf Eiswürfel sollte verzichtet werden. Ergänzend gilt gründliches Händewaschen oder Desinfizieren als eine der wirksamsten Massnahmen, um das Infektionsrisiko deutlich zu reduzieren.

Wann sollten Betroffene medizinischen Rat einholen?

Wer während der Reise plötzlich unter Magen-Darm-Beschwerden leidet, sollte nicht abwarten. Das Zentrum für Reisemedizin rät dazu, Symptome bereits vor Ort abklären zu lassen – insbesondere, wenn sich das Krankheitsgefühl rasch verschlechtert. Auch nach der Rückkehr ist ein Arztbesuch sinnvoll, falls Beschwerden neu auftreten oder länger anhalten. Alarmzeichen für einen schwereren Verlauf sind Durchfall mit Fieber, Blut im Stuhl, starke Bauchkrämpfe sowie anhaltendes oder heftiges Erbrechen. Besonders gefährdet sind Kinder unter fünf Jahren, Schwangere, ältere Menschen und immungeschwächte Personen. Sie sollten bereits bei milden Symptomen medizinischen Rat einholen. Bei leichteren Verläufen ist es vor allem wichtig, ausreichend zu trinken und den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Ideal sind entsprechende Elektrolytlösungen, alternativ kann eine Mischung aus Wasser oder Tee mit Zucker und Salz helfen. Kleine Mengen Banane oder Orangensaft können zusätzlich unterstützen, den Elektrolythaushalt zu stabilisieren.

(RSU)