Trips & Travellers
«Besonders beeindruckt hat mich, wie offen die Schweizer Gäste für neue Regionen waren»
Reto SuterErstmals seit 2018 war die Italienische Zentrale für Tourismus (ENIT) wieder an der Fespo in der Messe Zürich vertreten – ein Signal für die Bedeutung des Schweizer Marktes. Travelnews nutzte die Gelegenheit für ein Gespräch mit Andrea Colonnelli, Büroleiter von ENIT in Wien und auch für die Schweiz zuständig, sowie mit Martha Kammerer, die dort die Bereiche Kommunikation und Marketing verantwortet.
Herr Colonnelli, für die Italienische Zentrale für Tourismus war es der erste Auftritt an der Fespo seit 2018. Weshalb dieses Comeback?
Andrea Colonnelli: Die Schweiz ist für uns ein Schlüsselmarkt. Jedes Jahr zählen wir in Italien rund dreieinhalb Millionen Ankünfte von Schweizer Gästen – das entspricht etwa zwölf Millionen Logiernächten. Eine eindrückliche Zahl, vor allem wenn man bedenkt, dass die Schweiz lediglich rund neun Millionen Einwohnerinnen und Einwohner zählt.
Wie stark ist die Schweiz im internationalen Vergleich positioniert?
Andrea Colonnelli: Bei den Ankünften liegt die Schweiz weltweit auf Platz fünf. Setzt man diese Zahlen ins Verhältnis zur Bevölkerungsgrösse, gehört die Schweiz sogar zu unseren relevantesten Quellmärkten überhaupt – das erreicht kaum ein anderes Land.
Welche Märkte sind für Italien insgesamt am wichtigsten?
Andrea Colonnelli: An erster Stelle steht Deutschland, gefolgt von den USA, Frankreich und Grossbritannien. Unmittelbar hinter der Schweiz liegen Österreich und die Niederlande.
Welche Regionen und Städte sind bei Schweizer Reisenden besonders beliebt?
Martha Kammerer: Sehr gefragt ist die Lombardei, auch aufgrund der geografischen Nähe. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Südtirol, die Toskana, die Emilia-Romagna, das Piemont sowie das Veneto – mit seinen Kunststädten und Badeorten.
«Die Weltöffentlichkeit wird während zwei Wochen nach Italien blicken»
Mit welcher Hauptbotschaft sind Sie an die Fespo gereist?
Martha Kammerer: Wir wollten die Vielfalt des italienischen Angebots zeigen. Badeferien spielen für Schweizer Gäste eine zentrale Rolle, ebenso Kulturreisen. Gleichzeitig wollten wir bewusst das unbekannte Italien in den Fokus rücken - kleinere Kunststädte oder Regionen, zum Beispiel im Süden Italiens, die noch nicht so bekannt sind. Ein weiterer wichtiger Pfeiler waren Outdoor-Aktivitäten – sinnbildlich vom Brenner bis zum Ätna.
Welche Bedeutung haben dabei die sogenannten Borghi?
Martha Kammerer: Eine sehr grosse. Die kleinen historischen Dörfer sprechen Reisende an, die bewusst abseits der grossen Zentren unterwegs sein möchten. Dort lässt sich das ursprüngliche Italien erleben – mit mehr Ruhe und weniger Andrang.
An der Fespo präsentierten Sie auch die eher unbekannte Basilikata. Was zeichnet diese Region aus?
Andrea Colonnelli: Die Basilikata liegt zwischen Apulien und Kalabrien. Die Stadt Matera war 2019 Europäische Kulturhauptstadt und ist bekannt für ihre Sassi – in den Fels gehauene Höhlenwohnungen, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. Darüber hinaus bietet die Region eindrückliche Natur, vom Pollino-Nationalpark bis zu den ruhigen Stränden am Ionischen Meer, sowie eine bodenständige Küche und viel Authentizität. Gerade weil Rom, Florenz oder Venedig bestens bekannt sind, ist es uns wichtig, auch solche Regionen stärker ins Licht zu rücken.
Übermorgen Freitag beginnen die Olympischen Winterspiele in Italien. Welche Erwartungen sind damit verbunden?
Andrea Colonnelli: Sehr hohe. Die Weltöffentlichkeit wird während zwei Wochen nach Italien blicken – für uns ist das das wichtigste Ereignis des Jahres 2026. Nachdem es anfänglich etwas an Schnee fehlte, haben die letzten Tage beste Bedingungen gebracht. Wir hoffen, dass die Spiele nachhaltig dazu beitragen, Italien auch als Skidestination weiter zu stärken.
Zum Schluss: Wie fällt Ihre Bilanz der Fespo aus?
Andrea Colonnelli: Sehr positiv. Das Interesse war gross, viele Besucherinnen und Besucher kannten Italien bereits gut und wollten ihr Wissen vertiefen. Besonders beeindruckt hat mich, wie offen die Schweizer Gäste für neue Regionen waren – etwa für die Basilikata. Das zeigt, wie neugierig und differenziert dieser Markt ist.