Trips & Travellers

André Lüthi, Verwaltungsratspräsident der Globetrotter Group, plädiert für persönliche Begegnungen und sieht Reisemessen als wichtigen Ort für Vertrauen, Austausch und kompetente Beratung. Bild: SRV

«In erster Linie sind die Aussteller gefordert»

Reto Suter

Die Ferienmesse Bern beklagt einen Rückgang bei den Ausstellern. Der Globetrotter Travel Service trotzt dem Trend. Er kehrt nach mehrjähriger Pause zurück. André Lüthi, Verwaltungsratspräsident der Globetrotter Group, erklärt im Interview, weshalb persönliche Begegnungen für ihn wichtiger sind als jeder Algorithmus.

Die Ferienmesse Bern startet in diesem Jahr mit weniger Ausstellern als zuletzt. Nachdem bei den vergangenen beiden Ausgaben jeweils knapp 170 Anbieter vertreten waren, präsentieren sich diesmal noch rund 150.

Mehrere langjährige Aussteller verzichten auf eine Teilnahme. Einen anderen Weg schlägt der Globetrotter Travel Service ein: Er kehrt nach einer mehrjährigen Pause an die Messe zurück.

Im Interview mit Travelnews erklärt André Lüthi, Verwaltungsratspräsident der Globetrotter Group, weshalb er weiterhin an die Bedeutung von Reisemessen glaubt – und was es braucht, damit sie auch künftig relevant bleiben.

Herr Lüthi, andere grosse Veranstalter wie TUI Suisse sind nicht mehr an den Reisemessen präsent. Der Globetrotter Travel Service hingegen bleibt in Zürich mit dabei und kehrt nach einer längeren Pause auch zurück nach Bern. Weshalb?

André Lüthi: Umfragen zeigen: 84 Prozent unserer Neukunden kommen aufgrund von Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld zu uns. Das beweist, wie entscheidend zufriedene Stammkunden sind. Entsprechend entschied die Geschäftsleitung des Globetrotter Travel Service unter der Leitung von CEO Dany Gehrig, in erster Linie in Beziehungen zu investieren. Eine Messe, die den direkten Austausch ermöglicht, ist dafür ideal. Zumal der Globetrotter Travel Service in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert.

Was versprechen Sie sich konkret von der Präsenz an der Ferienmesse Bern?

Die zunehmende Digitalisierung und der Einsatz von Künstlicher Intelligenz führen dazu, dass der persönliche Kontakt wieder wichtiger wird. Viele Menschen möchten ihre Reisepläne nach wie vor mit jemandem besprechen, Erfahrungen aus erster Hand hören und sich im direkten Gespräch überzeugen lassen. Genau dafür ist eine Messe der richtige Ort – und deshalb sind wir zurück in Bern.

Sind Reisemessen im Zeitalter von Social Media überhaupt noch zeitgemäss?

Mehr denn je. Menschen suchen wieder den Austausch mit anderen Menschen – nicht nur im Reisegeschäft. Es geht dabei nicht primär um unmittelbare Buchungen, sondern darum, Vertrauen aufzubauen und Kompetenz zu zeigen. Wir wollen Besucherinnen und Besucher davon überzeugen, dass Globetrotter die beste Adresse für ihre nächste Reise ist. Emotionen und Fachwissen lassen sich im persönlichen Gespräch am besten vermitteln. Reisemessen bieten dafür eine ideale Bühne, gerade in einer Zeit, in der KI und Digitalisierung allgegenwärtig sind.

«Das ist keineswegs nur ein Thema der Über-60-Jährigen»

Gibt es intern auch andere Stimmen, die diesen Weg für falsch halten?

Ich bin natürlich nicht bei jedem Gespräch dabei und höre nicht jedes einzelne Votum. Doch was ich von Dany Gehrig und seinem Team höre, ist eindeutig: Intern sind wir uns einig. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang: An unseren Messeständen stehen nicht Prospekte oder Kataloge im Zentrum, sondern unsere Expertinnen und Experten. Sie übernehmen die Hauptrolle. Wir präsentieren Menschen – auch bildlich. Nicht Angkor Wat oder Machu Picchu, sondern Persönlichkeiten mit Erfahrung, Haltung und Geschichten.

Überrascht es Sie, dass andere – auch grosse Veranstalter – einen anderen Weg eingeschlagen haben?

Nein, das überrascht mich nicht. Immer mehr Unternehmen, auch ausserhalb der Reisebranche, entscheiden sich dafür, nichts mehr analog zu machen und ausschliesslich auf digitale Kanäle zu setzen. Man sieht das zum Beispiel bei Inseraten in Tageszeitungen, die zunehmend verschwinden. Ich halte das für gefährlich. Oft sind es Strategien, die von Excel-Talibans (lacht) ausgeheckt wurden und auf Studien beruhen, wonach der digitale Weg angeblich der einzig zukunftsfähige sei. Wir sehen das entschieden anders.  Digital ja – aber Menschen entscheiden sich auch für Menschen.

Gilt das auch für jüngere Zielgruppen?

Absolut. Das ist keineswegs nur ein Thema der Über-60-Jährigen. Wir haben viele junge Kundinnen und Kunden, die es schätzen, sich eine Stunde lang mit einem Globetrotter-Experten über Botswana auszutauschen – und dafür auch bereit sind, etwas mehr zu bezahlen für ihre Afrika-Reise als anderswo. Nicht aus Luxus, sondern weil sie fundierte Expertise und persönliche Beratung suchen.

Sehen Sie für Ferienmessen also auch künftig Potenzial?

Ja, eindeutig. Oft wird den Messeveranstaltern vorgeworfen, ihre Formate müssten moderner oder zeitgemässer werden. Ich halte das für den falschen Ansatz. In erster Linie sind die Aussteller gefordert. Es reicht nicht, einen austauschbaren 08/15-Stand hinzustellen und zwei Mitarbeitende dort zu platzieren, die fragen, ob man schon einen Prospekt erhalten habe. So verliert jede Messe an Attraktivität. Wenn jedoch Interaktion entsteht, wenn es lebt und Austausch gibt, dann haben Messen eine Zukunft. Voraussetzung ist allerdings, dass auch die Reiseunternehmer selbst an dieses Format glauben. Sonst funktioniert es nicht.