Trips & Travellers
Was hinter dem Aussteller-Rückgang der Ferienmesse Bern steckt
Reto SuterDie Vorbereitungen sind im Endspurt. Von morgen Donnerstag bis Sonntag geht auf dem Bernexpo-Areal die 41. Ausgabe der Ferienmesse Bern über die Bühne. Messeleiter Mario Kovacevic ist nicht zu beneiden. Er kämpft mit sehr kurzfristigen Anmeldungen und fast noch stärker mit einem Rückgang bei den Ausstellern.
In diesem Jahr sind rund 150 Anbieter vertreten. Zum Vergleich: In den beiden Vorjahren waren es jeweils etwa 170, bei der letzten Ausgabe vor der Pandemie 2020 sogar noch 240. Innerhalb von sechs Jahren ist die Zahl der Aussteller damit um fast 40 Prozent gesunken.
Der Messe spielen dabei die strukturellen Veränderungen in der Reisebranche nicht in die Karten. Fusionen und Umstrukturierungen führen oft zu kleineren Messe-Auftritten. So fällt die gemeinsame Präsenz von Hotelplan und Dertour nach der Übernahme kompakter aus als früher. Auch Knecht Reisen hat seinen Auftritt im Zuge einer internen Reorganisation verkleinert. Ganz verabschiedet hat sich bereits im Vorjahr TUI Suisse.
Der zweitgrösste Reiseveranstalter der Schweiz begründete den Rückzug damit, dass das zentrale Messeziel – neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen – nicht mehr im gewünschten Umfang erreicht worden sei. Nicht nur in Bern, sondern auch an der Fespo in Zürich.
Personalmangel in der Hochsaison
Neben den grossen Playern fehlen in diesem Jahr auch mehrere kleinere Veranstalter, die der Ferienmesse über Jahre treu geblieben waren. Dazu zählt etwa der Kroatien- und Griechenlandspezialist Meersicht. Geschäftsführer Marco Wipfli nennt den Januar als Hauptgrund für den Rückzug: «Für ein kleines Team ist es schlicht nicht machbar, zwei Messen und gleichzeitig einen eigenen Event mit den Top-Partnern aus der Reisebranche im buchungsstärksten Monat zu stemmen.» Man habe sich daher für Zürich entschieden – nicht zuletzt, weil das Büro in Gehdistanz zur Messe liege.
Ähnlich argumentiert Kreuzfahrtspezialist Delphi Reisen. Geschäftsführerin Noëmi Noser betont gegenüber Travelnews, dass der Januar für das Familienunternehmen mit fünf Mitarbeitenden absolute Hochsaison sei. «Der personelle und organisatorische Aufwand einer Messeteilnahme ist enorm – und wir wollen unseren Kundinnen und Kunden im Büro gerecht werden.»
Wenig ins Detail geht, auf seine Absage angesprochen, der Euro-Airport Basel. Die Medienstelle flüchtet sich in Allgemeinplätze. «Der Euro-Airport interessiert sich grundsätzlich für touristische Messen in der Region, die als Schaufenster für europäische und internationale Destinationen dienen», heisst es auf Anfrage. Im Rahmen einer Priorisierung habe man sich in diesem Jahr gegen eine Teilnahme an der Ferienmesse Bern entschieden.
Ein endgültiger Abschied ist es für keinen der drei. Der Euro-Airport hält fest, dass die Teilnahme an touristischen Messen jeweils jährlich neu beurteilt werde. Auch Noëmi Noser, Geschäftsführerin von Delphi Reisen, schliesst eine Rückkehr nicht aus. «Da wir personell aufstocken, ist eine erneute Teilnahme durchaus möglich», sagt sie. Marco Wipfli, Geschäftsführer von Meersicht, bleibt unverbindlich. «Sag niemals nie», lautet sein Motto.
Bewusst präsent trotz kleinerer Messe
Gleichzeitig gibt es zahlreiche Aussteller, die bewusst an der Ferienmesse Bern festhalten. Dazu gehört Italien-Spezialist Smeraldo Tours. «Wir prüfen regelmässig, ob die Teilnahme an den Ferienmessen in Bern und Zürich für uns weiterhin Sinn macht», sagt Geschäftsführerin Sarah Weidmann. »Aktuell sind wir jedoch klar der Meinung, dass beide Messen wichtig sind, um die Marke Smeraldo Tours sichtbar zu halten und unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen.»
Sie räumt zwar ein, dass die Messe kleiner geworden sei, betont aber die Qualität des Publikums: «Die Besucherinnen und Besucher kommen gezielter, sind gut vorbereitet und oft buchungsbereit.» Zudem seien die Vorträge im vergangenen Jahr hervorragend besucht gewesen.
Auch für Let’s go Tours bleibt die Ferienmesse Bern ein fester Bestandteil im Jahreskalender. «Bei uns stand die Teilnahme bisher nie zur Diskussion», sagt Marketingchefin Kim Zürcher. Die Messe spreche ein etwas anderes Publikum an als die Fespo in Zürich – ohne qualitative Unterschiede. Auffällig sei zudem der hohe Bedarf an Französischkenntnissen, dem man mit entsprechendem Personal Rechnung trage.
Fazit: Die Ferienmesse Bern mag kleiner geworden sein, doch sie bleibt ein relevanter Treffpunkt für eine klar definierte, reiseaffine Zielgruppe. Für viele Aussteller zählt weniger die Masse als die Qualität der Gespräche – und genau hier dürfte die Ferienmesse Bern auch dieses Jahr ihre Stärken ausspielen.