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Die U-Bahnstation Westfriedhof in München gilt mit ihrem markanten Lichtdesign als eines der eindrucksvollsten Beispiele moderner U-Bahn-Architektur. Bild: Adobe Stock

Die schönsten U-Bahnen der Welt

Brigitte von Imhof

U-Bahnen bringen Millionen Menschen täglich ans Ziel. Manche Metros sind jedoch weit mehr als reine Verkehrsmittel. Durch Kunstgalerien, archäologische Fundstätten und futurische Lichtinstallationen wird die Fahrt durch den Untergrund in vielen Städten zur Attraktion.

U-Bahnen gibt es in über 200 Städten der Welt. Die längsten U-Bahnnetze breiten sich in Chinas Mega-Metropolen aus – Shanghai mit rund 800 Kilometern, Peking mit rund 660. Auf Platz drei liegt Londons «Tube», die älteste U-Bahn der Welt, 1863 eröffnet. Daneben gibt es einige staunenswerte U-Bahnen und U-Bahnhöfe, die weit mehr bieten als nur effiziente Wege durch den Untergrund.

Rom: Archäologische Haushaltswaren

Nach 13 Jahren Bauzeit sind in Rom zwei U-Bahn-Stationen eröffnet worden, die als Museumsstationen konzipiert wurden. Die Haltestellen Colosseo/Fori Imperiali und Porta Metronia, die zur verlängerten Linie C gehören, präsentieren den Fahrgästen nun archäologische Funde, die bei den Bauarbeiten entdeckt wurden. Dazu gehören antike römische Krüge und Schalen, Keramik und andere Gegenstände des Alltags aus verschiedenen Epochen Roms.

Stockholm: Blau ist Trumpf

Die «Tunnelbanan» in Stockholm gilt als die längste Kunstgalerie der Welt. Rund 90 der insgesamt gut 100 U-Bahnhöfe des Liniennetzes wurden von Hunderten Künstlerinnen und Künstlern unterschiedlichster Stilrichtungen gestaltet. Zu sehen sind Skulpturen, Lichtinstallationen, Gemälde, Mosaiken, Gravuren, Reliefs sowie künstliche Grotten, grüne Gärten, Seerosenteiche und höhlenartige Räume.

Viele der tief in den Fels gesprengten Stationen wurden bewusst im rohen Naturzustand belassen und anschließend farbenfroh bemalt, was ihnen einen einzigartigen Charakter verleiht. Die Kunst ist so allgegenwärtig, dass man kaum noch den Drang verspürt, an die Oberfläche zurückzukehren. Besonders empfehlenswert ist ein Besuch der Blauen Linie, die mit ihren markanten Felswänden und kräftigen Farben zu den eindrucksvollsten Strecken zählt.

Wien: Perlen des Jugendstils

Dass es im Untergrund von Wien recht ungewöhnlich zugeht, weiss man spätestens seit dem Filmklassiker «Der dritte Mann». Allerdings sind es eher die Eingänge als die Stationen selbst, die der U-Bahn in der Donaumetropole das Prädikat «Sehenswürdigkeit» verleihen. Sie sind Überbleibsel der in den Jahren 1893 bis 1901 vom grossen Jugendstil-Architekt Otto Wagner gebauten Stadtbahn, die in das heutige U- und S-Bahnnetz integriert ist. Zu den auffälligsten Stationen zählen Kettenbrückengasse, Karlsplatz, Schönbrunn, Gumpendorfer Strasse, Währinger Strasse und Ottakring.

Neapel: Benvenuti bei Dante

Augen auf! So lautet das Motto für die Fahrgäste der Metropolitana di Napoli. Mehrere Stationen wurden bewusst als «Metro-Museen» konzipiert. In den Tunneln unter der Stadt sind zeitgenössische Werke von rund zwei Dutzend italienischen Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Besonders kunstvoll gestaltet sind die Bahnhöfe Dante, Museo, Materdei, Salvator Rosa, Quattro Giornate und Rione Alto an der Linie 1. Zusammen bilden sie eine kilometerlange, frei zugängliche Galerie zeitgenössischer Kunst.

Lissabon: Bäume aus Stahl und Glas

Auch U-Bahnfahrer in Lissabon begeben sich auf eine Reise durch die moderne Kunst. Die Kunstelite des Landes, aber auch internationale Stars wie Friedensreich Hundertwasser, haben mit Skulpturen, Wandgemälden und – typisch für Portugal – Kunstwerken aus Kacheln den Untergrund der Metro Lisboa in eine Sehenswürdigkeit verwandelt. «Bäume» aus Stahl und Glas zieren zum Beispiel die Bahnhofsstation Oriente im Stadtviertel Parque das Nações. Den imposanten Bau entwarf Star-Architekt Santiago Calatrava.

München: Lichtdesigner in Bestform

Die U-Bahn von München reiht sich mit ihren Design-Stationen in die Riege der sehenswerten U-Bahnen ein, beispielsweise der Bahnhof Georg-Brauchle-Ring: Die farbenfrohe Wandgestaltung aus hunderten farbiger Paneele und Bildern macht das Warten auf den Zug zum Erlebnis. Mit Spektrallicht wird dagegen am Halt Candidplatz raffiniert gespielt (beide Stopps U1).

Und im U-Bahnhof Hasenbergl (U2) wird ein weisses linsenförmiges Deckensegel von Lichtelementen in Szene gesetzt. Reduziertes Design, klare Farben und knallige Lichteffekte machen die U-Bahnstation Westfriedhof zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk. Futuristisch geht es in der Station Münchner Freiheit zu: Lichtdesigner Ingo Maurer jonglierte virtuos mit Spiegeln und der Farbe Blau.

Kaohsiung/Taiwan: Farbenrausch im Untergrund

Die südtaiwanesische Hafenstadt gehört zu den grössten und modernsten Städten der Insel. Seit 2008 gibt es ein U-Bahn-System mit zwei Linien. Fünf der 37 Stationen wurden von internationalen Künstlern gestaltet und sind Attraktionen für sich. Der spektakulärste U-Bahnhof ist die farbenfrohe Formosa Boulevard Station. Sie ist eine Umsteigestation, an der sich die orange und die rote Linie kreuzen.

Shanghai: Fahrt mit Special Effects

Das Metrosystem von Shanghai ist mit seinen rund 800 Kilometern Streckennetz nicht nur das grösste weltweit. Die Metro Shanghai gehört auch zu den technisch fortgeschrittensten. Mit ihren Special Effects macht sie jede U-Bahn-Fahrt zu einem Erlebnis. Wenn die Waggons durch Lichtröhren und –spiralen von Stopp zu Stopp sausen, fühlt sich mancher wie in einem Fahrgeschäft im Vergnügungspark.