Trips & Travellers
Unterschiedliche Preise für Touristen und Einheimische in Japan
Japan steuert auf einen neuen Umgang mit dem Massentourismus zu und setzt dabei zunehmend auf unterschiedliche Eintrittspreise für in- und ausländische Gäste. Hintergrund sind stark steigende Besucherzahlen, wachsende Belastungen für Infrastruktur und Anwohner sowie ambitionierte Wachstumsziele der Regierung.
Ein markantes Beispiel ist die Weltkulturerbestätte Burg Himeji: Ab März 2026 zahlen ausländische Besucherinnen und Besucher laut dem Onlineportal «Sumikai» 2500 Yen (knapp 13 Franken) Eintritt, während Einheimische weiterhin 1000 Yen (fünf Franken) entrichten. Auch staatliche Museen könnten künftig preislich zwischen japanischen und ausländischen Gästen unterscheiden. Die Kulturbehörde prüft entsprechende Modelle.
Einheimische ächzen unter Auswüchsen des Tourismus
Die japanische Regierung sieht in dieser sogenannten Dual-Pricing-Strategie ein Instrument zur wirtschaftlichen Stärkung des Tourismus. Ziel ist nicht nur, die Zahl internationaler Gäste bis 2030 deutlich zu erhöhen, sondern vor allem den Pro-Kopf-Umsatz spürbar zu steigern. Zusätzliche Einnahmen sollen helfen, höhere Kosten für mehrsprachige Information, digitale Leitsysteme und geschultes Personal zu decken.
Erste Erfahrungen gibt es bereits: Am Toshogu-Schrein zahlen ausländische Gäste seit 2023 mehr als Einheimische. Die Betreiber verweisen darauf, dass die Mehreinnahmen direkt in den Erhalt der Anlage und in Besucherführungen investiert werden. Laut Tourismusbehörde verursachen fremdsprachige Angebote jährlich bis zu 18 Prozent zusätzliche Betriebskosten.
Der Handlungsdruck ist hoch. 2025 verzeichnete Japan rund 39 Millionen ausländische Besucherinnen und Besucher – nicht nur in Metropolen wie Tokio oder Osaka, sondern zunehmend auch in ländlichen Regionen. In Städten wie Kyoto häufen sich Beschwerden über überfüllte Verkehrsmittel und Belastungen im Alltag.
Die Regierung verfolgt daher einen pragmatischen Ansatz: Tourismus soll effizienter, nachhaltiger und finanziell tragfähiger werden. Unterschiedliche Eintrittspreise gelten dabei als sensibles, aber wirksames Mittel, um Besucherströme zu lenken und die Qualität des Reiseerlebnisses langfristig zu sichern – auch wenn die Debatte über Fairness und Akzeptanz weitergehen dürfte.