Trips & Travellers

Die Allianz-Partners-Studie zeigt: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer setzen beim Reisen auf persönliche Beratung und individuelle Angebote. Bild: Adobe Stock

Warum ein alter Trumpf in den Reisebüros wieder sticht

Reto Suter

Die neue Allianz-Partners-Studie bringt Rückenwind für die Schweizer Reisebüros: Persönliche Beratung wird geschätzt wie lange nicht mehr, gerade bei komplexeren Reisen. Und mit den reiselustigen Babyboomern öffnet sich ein Markt, den viele Büros noch unterschätzen.

Sie gilt als die wichtigste Studie der Schweizer Reisebranche: die jährliche Umfrage von Allianz Partners, deren Ergebnisse jeweils im Herbst an der Medienkonferenz des Schweizer Reise-Verbands (SRV) präsentiert werden. Jahr für Jahr geben die Schweizerinnen und Schweizer darin Auskunft über ihre Feriengewohnheiten: Wie oft sie reisen, wie viel Budget zur Verfügung steht und warum sie sich für ein Reisebüro entscheiden.

In den vergangenen Jahren fielen die Antworten für die Reisebüros häufig ernüchternd aus. Es zeigte sich, dass es der Branche zu wenig gelingt, ihre Trümpfe ins recht Licht zu rücken. Zwar bietet eine Buchung über Profis klare Vorteile: Gelder sind im Garantiefonds abgesichert, das Pauschalreisegesetz sorgt für zusätzlichen Schutz, und die aufwändige Planung lässt sich bequem delegieren. Doch all das interessiert die Kundschaft herzlich wenig – die Werte bei diesen Punkten waren früher schon tief und sind dieses Jahr sogar nochmals gesunken.

Beratungsintensive Reisen erfreuen sich grosser Beliebtheit

Dafür sorgt ein anderes Resultat nun für Zuversicht. Persönliche Beratung und spezialisiertes Wissen werden beim Ferienbuchen plötzlich deutlich wichtiger eingeschätzt: Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) nannte diese Gründe für eine Buchung im Reisebüro, im Vorjahr war es nur ein Drittel. Ein klarer Fingerzeig: Wer auf Expertise setzt, punktet.

Das ist auch bei den Reisewünschen zu sehen. Strandferien und Citytrips bleiben zwar die Favoriten, doch immer mehr Schweizerinnen und Schweizer träumen von Roadtrips, Abenteuerferien oder Fernreisen – genau jene Kategorien, bei denen Reiseprofis glänzen können.

Besonders hoch im Kurs steht der Wunsch nach Individualisierung. Auffällig: Frauen legen darauf mehr Wert als Männer – und sie sind es in Partnerschaften oft auch, die die eigentliche Buchungsentscheidung treffen. Wieder ein Pluspunkt für die Reisebüros.

Hinzu kommt: Das Reisebudget der Schweizerinnen und Schweizer wird immer höher und steigt im europäischen Vergleich überdurchschnittlich stark an. Seit 2022 hat es in Bezug auf die Sommerferien hierzulande um fast 60 Prozent zugenommen, In den Vergleichsländern stieg das Sommer-Reisebudget im selben Zeitraum nur um 11 Prozent.

Wichtiger Fokus auf demografischen Wandel

Ein weiterer Vorteil für die Branche: die Babyboomer. Viele sind bereits pensioniert oder stehen kurz davor, sind gesünder und reiselustiger als Generationen zuvor und verfügen über solide Kaufkraft. Zudem kennen sie den Wert guter Beratung aus früheren Zeiten. Kurz: eine Klientel, die Reisebüros lieben müssten.

Nur scheinen viele Büros das Potenzial noch gar nicht erkannt zu haben. In der parallel durchgeführten SRV-Mitgliederumfrage nannten gerade einmal 13 Prozent der Teilnehmenden den demografischen Wandel als prägenden Zukunftsfaktor – weit abgeschlagen hinter Trends wie KI oder Klimawandel.

Dabei liegt hier eine gewaltige Chance. Wer frühzeitig auf die Bedürfnisse älterer Reisender eingeht, kann sich entscheidende Wettbewerbsvorteile sichern: von barrierefreien Angeboten bis zu massgeschneiderten Reisen für Best Ager. Die Studie zeigt: Die Zukunft gehört jenen, die zuhören – und klug beraten.