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Bei Seavoy spielt KI eine entscheidende Rolle, von links: Lina Maag, Vanessa Studer und Franziska O'Connor. Bild: Seavoy

Junges Frauen-Trio mischt den Schweizer Kreuzfahrtmarkt auf

Markus Fässler

Seavoy heisst einer der neusten Player unter den Schweizer Kreuzfahrten-Spezialisten. Das junge Gründerteam um Vanessa Studer und Franziska O’Connor setzt dabei auf Künstliche Intelligenz (KI) bei der Beratung. Wie das genau funktioniert, erklärt Franziska O’Connor im exklusiven Interview mit Travelnews.

Franziska O’Connor, zusammen mit Vanessa Studer haben Sie Seavoy, ein neues, auf Kreuzfahrten spezialisiertes Reisebüro gegründet. Wie kam es dazu?

Franziska O’Connor: Die Idee entstand ganz spontan während der Weihnachtszeit bei einem Treffen mit Vanessa Studer beim Tannenbäumli Born, dem Christbaum-Verkauf der Familie Studer in Kappel SO. Wir waren uns einig: Klassische Reisebüros sind für die junge Generation überholt, gleichzeitig fehlt ein Schweizer Online-Anbieter für Kreuzfahrten. So wurde Seavoy geboren – modern, frisch und mit Swissness.

Wie viele Personen arbeiten derzeit bei Seavoy und welches sind die Aufgabenbereiche?
Aktuell sind wir zu dritt. Inhaberin Vanessa Studer verantwortet die Buchhaltung und den Social-Media-Bereich, Lina Maag den ganzen Content, und ich kümmere mich um die Bereiche Reservierung, Einkauf und Marketing.

Beim Namen Studer werden die Kreuzfahrtenprofis der Branche hellhörig. Denn Inhaberin Vanessa Studer ist die Tochter von George Studer, der jahrzehntelang die Cruise Center AG führte. Inwiefern ist er involviert?

Er steht uns beratend zur Seite und überflutet uns oft mit vielen seiner kreativen und neuen Ideen. Er hilft auch im Hintergrund noch bei Prozessen, damit wir uns um die Umsetzung und das Tagesgeschäft kümmern können.

«Trotz KI bleiben wir nah am Menschen»

Zurück zum Kerngeschäft von Seavoy. Sie verbinden Technologie und Menschlichkeit, indem ein KI-Kreuzfahrtenberater Kundinnen und Kunden bei der Planung unterstützt. Wie funktioniert das genau?

Auf unserer Website gibt es eine grosse Auswahl an Angeboten. Das kann insbesondere  für Einsteiger schnell überwältigend wirken. Eine Familie möchte zum Beispiel einfach wissen, welche Schiffe kinderfreundlich sind. Ein junges, aktives Paar interessiert sich eher dafür, wo es sportliche Aktivitäten gibt. Genau dafür haben wir unseren KI-Berater entwickelt: Man kann ihm solche Fragen direkt stellen und erhält sofort passende Vorschläge. Im zweiten Schritt kommen dann wir als menschliche Berater für den Feinschliff ins Spiel. Im persönlichen Gespräch können wir dank unserer Erfahrung auch zwischen den Zeilen lesen und unseren Kunden die kleinen, aber entscheidenden Extra-Tipps geben.

Dann ist Seavoy also kein reines Online-Reisebüro ohne menschliche Beratung?

Genau. Unsere Online-Plattform ermöglicht es zwar, direkt Buchungen vorzunehmen – egal, ob am Freitagabend um 22 Uhr oder am Sonntagmorgen. Die Verarbeitung der Buchungen erfolgt jedoch durch uns und wird zusätzlich sorgfältig geprüft.

Wer hat den KI-Berater entwickelt?

Die Entwicklung ist noch nicht abgeschlossen und befindet sich in der Anfangsphase. KI wird laufend in Zusammenarbeit mit unserem IT-Partner und vielen klugen Köpfen entwickelt.

Wieso setzen Sie gerade auf KI?

Unser KI-Berater richtet sich vor allem an diejenigen, die bereits online Informationen sammeln oder sich inspirieren lassen möchten. Wir gehen davon aus, dass sich in den kommenden Jahren das Verhalten der Neukunden stark verändern wird: Viele werden sich eigenständig über Social Media und KI informieren, bevor sie das passende Produkt finden. Genau hier setzt unser KI-Berater an. Wer unsicher ist, kann jederzeit eine Online-Anfrage stellen, das Kontaktformular nutzen oder uns telefonisch erreichen. Dann vereinbaren wir ein persönliches Beratungsgespräch, um gemeinsam das passende Produkt zu finden. Trotz KI bleiben wir also nah am Menschen – und das ist uns besonders wichtig.

«Es gibt viele attraktive Schiffe, die noch gar nicht wirklich bekannt sind»

Welches sind die Herausforderungen bei diesem Geschäftsmodell?

Die Herausforderung liegt zum einen darin, jüngere Kundinnen und Kunden online zu binden, ohne dass sie zu anderen Plattformen wechseln. Und zum anderen müssen wir gleichzeitig ältere Kundinnen und Kunden von unserer Erfahrung und persönlichen Beratung überzeugen.

Und welches sind die Vorteile?

Die Kundinnen und Kunden können selbständig schon eine gute Vorauswahl treffen, und wir verfeinern dann das Ganze für die perfekte Zeit auf dem Meer. Es ist sozusagen das Vorkochen, das bei gewissen KI-Testern wegfällt, und wir geben dann noch die entsprechende Würze dazu. Unsere KI ist zudem nur auf Kreuzfahrten fokussiert und deshalb genauer als eine allgemeine KI.

Wie sieht es bezüglich Portfolio von Seavoy aus?

Wir bieten eine sehr breite Palette an Kreuzfahrten mit über 40’000 Abfahrten online an. Von der Antarktis-Expedition bis zur Weltreise, ob Mega-Generationenschiff, luxuriöse Boutique-Schiffe oder Flusskreuzfahrten: Alles ist vorhanden, auch, weil wir niemanden ausschliessen möchten. Wir sind überzeugt, dass es für jeden das perfekte Schiff gibt. Unser Fokus liegt stark auf begleiteten Gruppenreisen für die Babyboomer sowie den Produkten für die jüngere Generation, ob «Double Income No Kids» oder Familien – es gibt viele attraktive Schiffe, die hier noch gar nicht wirklich bekannt sind.

Seavoy ist im April 2025 gestartet. Wie sind die ersten Monate angelaufen?

Wir sind sehr gut gestartet und erhalten allgemein positives Feedbacks von unseren Partnern. Viel Arbeit, aber es macht Spass, die Segel für die Zukunft neu zu setzen.

Besitzt Seavoy ein Büro in Zürich oder arbeiten alle Mitarbeitenden remote?

Momentan sind wir alle remote tätig, sehen uns aber wöchentlich physisch oder auch in Online-Meetings. Durch die neue Technik ist nichts ein Hindernis, und wir können uns kurz anrufen, online chatten oder auch im Teams sehen. Hier hilft aber auch, dass wir uns schon gut kennen und wissen, wie die ein oder andere funktioniert. Für unsere Kundinnen und Kunden sind wir auch mal mit den Laptops spontan unterwegs und besuchen sie dort, wo es für sie am besten passt.