Trips & Travellers

Stefanie Vollmuth, Director Germany, Austria & Switzerland bei Ponant, freut sich, dass der Schweizer Markt wächst. Bilder: Ponant

«Wir sind in der Deutschschweiz in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen»

Markus Fässler

Bei der französischen Luxusreederei Ponant steigt der Anteil Schweizer Gäste weiter an. Stefanie Vollmuth, Director Germany, Austria, Switzerland, über die angepasste Produktestruktur, neue Destinationen und die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Trade.

Stefanie Vollmuth, Ponant hatte als französische Reederei wegen der Bordsprache und dem vorwiegend französischen Publikum in der Vergangenheit Mühe, Fuss im deutschsprachigen Markt zu fassen. Ist dem immer noch so?

Stefanie Vollmuth: Nein, definitiv nicht mehr. Fälschlicherweise wurde lange angenommen, dass Französisch die einzige Bordsprache ist. Doch Englisch war schon früh ebenfalls präsent. Neuer ist hingegen, dass die Gästestruktur internationaler geworden ist. Heute sind nur noch rund 40 Prozent unserer Passagiere französischsprachig, die restlichen 60 Prozent kommen aus aller Welt – vor allem Amerika, Australien und zunehmend auch aus dem deutschsprachigen Raum.

Befindet sich die Schweiz überhaupt in den Top-5-Märkten?

Das nicht. Die Schweiz ist zwar ein kleiner Markt, aber dafür sehr umsatzstark. Das Pro-Kopf-Ausgabeniveau liegt deutlich über dem Durchschnitt. Wir sind in der Deutschschweiz in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. 2024 hatten wir 30 Prozent mehr Gäste als 2023, für 2025 sieht es ähnlich aus.

Welche Regionen sind bei den Schweizerinnen und Schweizern besonders beliebt?

Da unterscheiden sie sich kaum von anderen deutschsprachigen Gästen. Sehr gefragt sind die tropischen Expeditionen im Indischen Ozean, in Indonesien oder in der Südsee. Aber auch extreme Polarexpeditionen wie etwa die Transarktis-Reise, bei der wir über den magnetischen und geografischen Nordpol gefahren sind, oder die Antarktis-Umrundung mit der Le Commandant Charcot. Ich denke, genau solche Entdecker-Touren schätzen die Schweizerinnen und Schweizer sehr.

«Wir setzen klar auf B2B»

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Vertrieb?

Wir setzen klar auf B2B. In der Schweiz läuft der Vertrieb fast ausschliesslich über Reisebüros und Veranstalter. Wir sehen die Stärke darin, dass Kundinnen und Kunden über ihre Agenten bestens betreut sind. Deshalb pflegen wir enge Partnerschaften und wollen diese weiter ausbauen.

Gibt es diesbezüglich besondere Herausforderungen im Schweizer Markt?

Einerseits ist der Nachwuchs im Reisebürobereich ein Thema. Viele erfahrene Beraterinnen und Berater werden pensioniert. Dadurch geht einiges an Fachwissen verloren. Kreuzfahrten sind komplex zu verkaufen, was manchmal bei Jüngeren Hemmungen erzeugt. Andererseits sind die Kommissionen stabil und im Luxussegment doch sehr attraktiv. Meiner Meinung nach sollte man sich als Reiseprofi immer auf den Verkauf von Kreuzfahrten stürzen. Zumal wir eine hohe Repeater-Rate haben.

Wie hoch ist denn die Basiskomission?

Diese liegt derzeit bei 12 Prozent.

Stefanie Vollmuth, hier an Bord der Le Lapérouse, sprach mit Travelnews über Trends, Chancen und Herausforderungen. Bild: TN

Ponant hat sein Portfolio neu in die Kategorien «Timeless», «Discovery» und «Expedition» strukturiert. Was hat es damit genau auf sich?

In der Kategorie «Timeless» sind neu die klassischen Kreuzfahrten angesiedelt. Unter «Discovery» sind es Mischformen mit Landausflügen und Expeditions-Aktivitäten wie Ausflüge mit Zodiacs, besonders bei Polar- sowie Tropenexpeditionen. Bei der Sparte «Expeditionen» sind alle Ausflüge/Zodiac-Anlandungen inkludiert. Bei «Timeless» werden Ausflüge dazugebucht und bei «Discovery» müssen einige separat dazugebucht werden, wobei auch hier jeden Tag eine Aktivität inkludiert ist. Dank der neuen Aufteilung können Gäste einfacher das passende Produkt finden.

Mit der «Spirit of Ponant» oder der Akquisition von Aqua gibt es auch neue Produkte bei Ponant? Welche Rolle spielen diese?

Die «Spirit of Ponant» ist ein Katamaran-Produkt, das sich an kleine Gruppen richtet – mit Preisen im Bereich von rund 70’000 Euro pro Woche. Aqua ergänzt unser Portfolio perfekt mit Destinationen wie dem Amazonas, dem Mekong und den Galápagos-Inseln. So schliessen wir Lücken, die unsere Kundinnen und Kunden oft nachgefragt haben.

«Uns ist es wichtiger, stabile Preise zu halten, anstatt die Auslastung durch Rabatte hochzutreiben»

Und wie sieht es allgemein mit neuen Destinationen aus?

Auch da gibt es Neuigkeiten. Unter anderem ergänzen Baja California, erweiterte Routen in Mittelamerika, Costa Rica und der Panamakanal unser Portfolio. Auch in der Südsee haben wir neue, speziellere Reisen ausgearbeitet.

Wie hoch ist die Auslastung der Schiffe?

Durchschnittlich liegen wir bei etwa 80 Prozent. Uns ist es aber wichtiger, stabile Preise zu halten, anstatt die Auslastung durch Rabatte hochzutreiben. Qualität und Exklusivität stehen klar im Vordergrund.

Und wie hoch ist die durchschnittliche Tagesrate?

Tagesraten starten ab 600 Euro pro Person. Diese können stark variieren, je nach Schiff, Destination und Reisezeitraum. Mit steigender Auslastung, steigt auch der Preis. Grundsätzlich gilt aber: Je früher man bucht, desto besser der Preis.

Kreuzfahrten sind für Alleinreisende wegen der oftmals happigen Aufpreise für die Einzelbelegung einer Doppelkabine vielfach zu teuer. Bietet Ponant hier Optionen an?

Aktuell haben wir über 200 Abfahrten ohne Einzelkabinenzuschlag. Das ist besonders attraktiv, da etwa der Anteil Alleinreisender aus Deutschland und der Schweiz rund 15 Prozent der Gäste ausmacht. An Bord gibt es zudem Gelegenheiten, andere Passagiere etwa bei speziellen Cocktails oder dank der überschaubaren Schiffsgrösse kennenzulernen.