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Das Bild zeigt die spektakuläre Notwasserung von US-Airways-Flug 1549 auf dem Hudson River – alle 155 Menschen an Bord überlebten. Bild: Screenshot Youtube / Inside Edition

Sieben der grössten Heldentaten im Cockpit

Wenn Sekunden über Leben und Tod entscheiden, kommt es auf die Menschen im Cockpit an. Diese sieben Geschichten zeigen, wie Pilotinnen und Piloten unter extremstem Druck das Unmögliche möglich machten.

Ob Sturm, Technikpanne oder ein Vogelschwarm im Triebwerk: Das Cockpit ist kein Ort für schwache Nerven. Während viele Passagiere nur schon bei Turbulenzen panisch reagieren, behalten erfahrene Crews die Kontrolle – meist sogar dann, wenn es richtig eng wird. Hier sind sieben Fälle, bei denen nur ein kühler Kopf Schlimmeres verhinderte.

British-Airways-Flug 009 – «Flight through Ash»

Am 24. Juni 1982 geriet eine Boeing 747 von British Airways auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Perth in eine unsichtbare Aschewolke, ausgestossen vom indonesischen Vulkan Galunggung. Innerhalb von Minuten fielen alle vier Triebwerke aus – ein Albtraum in 11'000 Metern Höhe. Kapitän Eric Moody und seine Crew behielten die Nerven, informierten die Passagiere mit stoischer Ruhe und leiteten ein Gleitflugmanöver ein. Als das Flugzeug bereits gefährlich tief sank, gelang es, drei Triebwerke neu zu starten – genug, um eine sichere Landung in Jakarta durchzuführen.

Air Canada 143 – der «Gimli Glider»

Am 23. Juli 1983 ging einem Air-Canada-Flug von Montreal nach Edmonton in 12'000 Metern Höhe plötzlich der Treibstoff aus – wegen eines Umrechnungsfehlers zwischen Pfund und Kilogramm beim Betanken. Die Boeing 767 verwandelte sich daraufhin in ein riesiges Segelflugzeug. Der Pilot, Captain Robert Pearson, und sein Co-Pilot lenkten die Maschine in einem Gleitflug zur stillgelegten Airbase Gimli in Manitoba, die an dem Tag zufällig für Autorennen genutzt wurde. Trotz Bremsversagen und Zuschauern auf der Landebahn setzte das Flugzeug sicher auf – niemand wurde verletzt. Der «Gimli Glider» gilt bis heute als ein Meisterstück fliegerischer Präzision.

Taca-Flug 110 – Notlandung auf dem Gras

Am 24. Mai 1988 verlor eine Boeing 737 der salvadorianischen Fluggesellschaft Taca während eines Gewitters über New Orleans beide Triebwerke – durch massiven Wasser- und Hagelschlag. Ohne jede Schubkraft musste Captain Carlos Dardano in kürzester Zeit eine Lösung finden. Er entschied sich für eine Notlandung auf einem grasbewachsenen Damm entlang des Intracoastal Waterway – eine Landebahn gab es dort nicht. Mit unglaublicher Präzision setzte Dardano die Maschine sicher zwischen Strommasten und Wasserkanälen auf. Alle 45 Personen an Bord überlebten unverletzt, das Flugzeug blieb erstaunlich intakt. Es wurde später repariert und wieder in Dienst gestellt.

Falscher Knopf, richtige Reaktion – Qantas QF72

Am 7. Oktober 2008 erlebte ein Qantas-Flug von Singapur nach Perth einen dramatischen Zwischenfall über dem Westen Australiens. Der Airbus A330 begann plötzlich, ohne Vorwarnung, zwei Mal heftig zu sinken – jeweils mit hoher G-Kraft, wodurch über 100 Passagiere und Crewmitglieder verletzt wurden. Ursache war eine Störung im Inertial Reference System (IRS), das dem Flugzeug falsche Daten über Lage und Beschleunigung lieferte und den Autopiloten in die Irre führte. Der Kapitän, Kevin Sullivan, übernahm sofort die Kontrolle und konnte den Airbus trotz ständiger Systemwarnungen manuell stabilisieren und sicher in Learmonth landen. Der Vorfall führte später zu tiefgreifenden Systemüberprüfungen bei Airbus – und machte Sullivan zum gefeierten Profi.

«Sully» auf dem Hudson – der Klassiker

Captain Chesley «Sully» Sullenberger wurde weltweit bekannt, als er am 15. Januar 2009 ein US-Airways-Flugzeug auf dem Hudson River notwassern musste. Kurz nach dem Start in New York kollidierte der Airbus A320 mit einem Vogelschwarm, was beide Triebwerke ausser Betrieb setzte. Sully entschied sich in Sekundenbruchteilen gegen eine Rückkehr zum Flughafen und leitete eine kontrollierte Wasserlandung ein. Alle 155 Menschen an Bord überlebten – ein beispielloses Manöver, das ihn über Nacht zur Legende machte. Die Geschichte wurde 2016 von Clint Eastwood verfilmt, mit Tom Hanks in der Hauptrolle.

Technisches Chaos in Warschau – Fahrwerk versagt komplett

Am 1. November 2011 verlor ein Lot-Polish-Airlines-Flug von Newark nach Warschau beim Anflug auf den Chopin-Flughafen komplett die Fähigkeit, das Fahrwerk auszufahren. Trotz zahlreicher Versuche der Crew, das Problem mit Bordmitteln zu beheben, blieb das Fahrwerk eingefahren – eine Notlandung auf dem Rumpf der Boeing 767 war unausweichlich. Kapitän Tadeusz Wrona setzte das Flugzeug mit höchster Präzision auf dem Bauch auf – Funken flogen, aber niemand an Bord wurde verletzt. Die dramatischen Bilder der Landung gingen um die Welt und sorgten für grosses mediales Echo. Für ihr besonnenes Handeln wurde die Crew später national wie international ausgezeichnet und als Paradebeispiel für professionelle Flugführung gefeiert.

Southwest Airlines Flug 1380 – Triebwerk-Trümmer in der Kabine

Am 17. April 2018 kam es an Bord einer Boeing 737 zu einem dramatischen Zwischenfall: Ein Triebwerk explodierte in rund 9000 Metern Höhe, wobei Trümmerteile ein Fenster zerstörten. Durch den plötzlichen Druckabfall wurde eine Passagierin teilweise aus dem Flugzeug gesogen und tödlich verletzt. Die Pilotin Tammie Jo Shults, eine ehemalige Navy-Kampfpilotin, übernahm in dieser Extremsituation die Kontrolle – mit bemerkenswerter Ruhe und Präzision. Trotz starker Vibrationen, lauter Windgeräusche und emotionaler Ausnahmesituation an Bord steuerte sie die schwer beschädigte Maschine sicher nach Philadelphia. Von den 149 Menschen an Bord überlebten 148.

(RSU)