Trips & Travellers

Die typischen chinesischen Lampions, die schmalen Altstadtgassen und der Halbmond-See machen einen Aufenthalt in der Stadt «Hongcun» zu einem besonderen Erlebnis. Alle Bilder: Travelhouse

Eine Woche unterwegs im Jangtse-Delta

Gina Salchli & Leyla Wildermuth

Vom 3. bis 11. Juni 2025 war eine Studienreisegruppe von Travelhouse im Osten Chinas unterwegs. Die bereiste Region im Jangtse-Delta umfasst einige der faszinierendsten Städte des Landes: Shanghai, Huangshan, Hangzhou und Suzhou.

Eine eindrucksvolle, abwechslungsreise und teils auch überraschende Woche voller einzigartiger Erlebnisse wartete auf die zehn Reiseprofis. Shanghai hatte dabei die verantwortungsvolle Rolle, vielen der Teilnehmenden einen ersten Eindruck über China zu vermitteln.

Die Stadt hat ihre Aufgabe ernst genommen und die Gruppe mit ihrer ruhigen und strukturierten Atmosphäre verblüfft. Rund die Hälfte der Fahrzeuge auf den Strassen ist elektrisch betrieben. Separate Fahrspuren für Töffs und Roller sorgen dafür, dass das sonst so typische Hupkonzert weitgehend ausbleibt – der Verkehr wirkt deutlich entspannter.

Auch entlang der kilometerlangen Uferpromenade am Nord-Bund trägt eine klar markierte Trennung zwischen «Jogging» und «Stroll» dazu bei, dass man sich nicht in die Quere kommt. Mit Wetterglück empfahl sich ein Ausflug auf das zweithöchstes Gebäude der Welt, den 632 Meter hohen Shanghai Tower.

Der grüne Yu-Garten bot im Anschluss einen wohltuenden Kontrast und lässt sich gut mit der Altstadt verbinden. Abends um 23 Uhr erlischt die Beleuchtung der Skyline und Shanghai scheint wie auf Knopfdruck leergefegt.

Hongcun und Huangshan

Per Schnellzug erreichte die Gruppe nach zweieinhalb Stunden Huangshan. Schon vom Zug aus konnten sie den Wandel des Landschaftsbildes beobachten – auch wenn die Szenerie bei bis zu 300 Kilometer pro Stunde nur so vorbeiflitzte. Es wurde zunehmend grüner, hügliger und ländlicher. Die Weiterfahrt per Bus in das malerische Bauern- und Händlerdorf «Hongcun» erfolgte über eine kurvenreiche Strasse, gesäumt von Reisfeldern, Teeplantagen und Bambuswäldern.

Verbirgt sich im Nebel: der heilige Berg Huangshan.

Hongcun hat die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sofort verzaubert: Das sanfte Licht der Abendstunden, die typischen chinesischen Lampions und die schmalen Altstadtgassen, wo flüchtige Einblicke in kleine Läden und Wohnhäuser erhascht werden konnten.

Eigentliches Highlight der Region ist aber ganz klar der Huangshan, einer der fünf heiligen Bergen Chinas. Aufgrund des Nebels hat sich die Schönheit der Berge leider nicht vollumfänglich entfaltet, aber trotzdem hat die Gruppe eine Idee bekommen, wie mystisch das Gebirge sein muss.

Hangzhou

Hangzhou war der erste Ort mit spürbarem Leben auf den Strassen, was wohl nicht zuletzt dem Sonntag geschuldet war. Viele Einheimische aus Shanghai und dem Umland nutzten den freien Tag für einen Ausflug in die Stadt. Hangzhou gilt als Silicon Valley Chinas. Sie ist das dynamischste Tech-Zentrum des Landes und unter anderem Hauptsitz des E-Commerce-Riesen Alibaba.

Waren eine Woche in China unterwegs, von links: Coskun Eryilmaz (Turkish Airlines Schweiz), Samuel Schlauri (Hotelplan Bülach), Gina Salchli (Travelhouse Asien), Marina Kubala (Hotelplan Luzern), Patrick Schweighauser (Reiselounge), Martina Züger (Hotelplan Uster), David Beschle (Reisebüro Eggenberg), Lara Rohrbach (FRI Travel AG), Leyla Wildermuth (Travelhouse Asien) und Mirco Engel (DanTours).

Gleichzeitig zeigt sich Hangzhou aber auch von seiner traditionsreichen Seite: Der berühmte Westsee (eine Szenerie des Sees ist auf dem 1-Yuan-Scheins abgebildet) und die ehrwürdige Pagode der Sechs Harmonien stehen sinnbildlich für die kulturelle Tiefe der Region. Zudem stammt der Longjing-Tee (Drachenbrunnentee) aus Hangzhou. In einer beeindruckenden Präsentation wurde der Gruppe die Qualität und Wirkung des Tees näher gebracht.

Tongli & Suzhou

Ein Besuch im Wasserdorf Tongli fühlt sich – wie schon in Hongcun – wie eine Reise in vergangene Zeiten an. Das kleine, verwinkelte Dorf mit seinen zahlreichen Kanälen trägt nicht umsonst den Beinamen «Venedig des Ostens». So haben natürlich auch die Reiseprofis eine kleine Bootsfahrt durch das Kanalsystem unternommen und die Gegend vom Wasser aus genossen.

Die klassischen Gärten von Suzhou gehören zu den bedeutendste des Landes.

Als der «Gondolieri» anbot, volkstümliche Lieder zu singen, freute sich die Gruppe. Als er dafür 20 Yuan pro Lied verlangte, kamen sich die Reiseprofis dann doch wieder vor wie in Venedig. Die Fussgängerzone Qilishantang in Suzhou lädt am Abend zum Bummeln und Verweilen ein. Sie bietet einen lebendigen Mix aus traditioneller Kleinstadt-Atmosphäre und touristischen Souvenirläden.

Was in Suzhou ebenfalls nicht ausgelassen werden darf, sind die berühmten klassischen Gärten, die zu den bedeutendsten des Landes gehören. Die Teilnehmenden besuchten zuerst den Garten des Bescheidenen Beamten, der nach dem Ermessen nicht so bescheiden gewesen sein dürfte und anschliessend den Garten des Meisters der Netze. Ein Highlight war auch das im Garten gelegene Teehaus. Nebst süssen Glacés in Katzenform gab es auch speziell präsentierte Tees sowie landestypischen Gesang.

Things To Do:

  • Besuch des Shanghai Tower (nur lohnenswert bei einigermassen guter Sicht). Aus dem 118. Stock scheinen andere Wolkenkratzer auf einmal ganz klein.
  • Unesco-Weltkulturerbe Städtchen Hongcun mit seiner gut erhaltenen Huizhou-Architektur besichtigen.
  • Huangshan als absolutes «must» in der Region. Wenn möglich mehrere Tage einplanen.
  • Bootsfahrten auf dem Westlake sowie in Tongli. Rundfahrten jeweils ca. ½ Stunde.
  • Old Street in Tunxi (Huangshan City) sowie die Qilishantang Strasse in Suzhou für preiswerte Souvenirs.

Good To Know:

  • Übersetzungs-Apps sind praktisch unumgänglich. Besonders hilfreich sind solche, bei denen man ins Mikrofon spricht und die Übersetzung direkt ausgegeben wird.
  • Bei Restaurant-Menüs ist Vorsicht geboten: Chinesische Gerichte haben oftmals sehr fantasievolle Namen und beschreiben nicht die tatsächlichen Zutaten.
  • Bargeld ist kaum noch gebräuchlich, häufig gibt es kein Wechselgeld. Während WeChatPay in vielen Hotels, Restaurants und Imbiss-Ständen akzeptiert wird, verlangen Läden vielmehr AliPay. Vor der Reise beides installiert und eingerichtet zu haben, ist sinnvoll (funktionieren mit E-Sim).
  • Der Fahrdienst Didi (chinesisches Uber) funktioniert sehr gut und ist günstiger als traditionelle Taxis.
  • Den Pass sollte man immer auf sich tragen. Während er bei Zugfahrten als Ticket dient, ist er auch bei gewissen Eintritten erforderlich.
  • Videoüberwachung ist allgegenwärtig.
  • Bei Zugfahrten ist die Reiseleitung in der Regel nicht persönlich dabei – dank klarer Beschilderung an den Bahnhöfen und ausführlicher Informationen im Voraus ist die Orientierung jedoch problemlos möglich. Eine Fahrt in der 1. Klasse bietet dabei spürbar mehr Komfort und ist in jedem Fall empfehlenswert.