Trips & Travellers
Ein Bett im Leuchtturm: Wohnen zwischen Wind und Wellen
Christian HaasAuf der Veranda zwischen dem Wohngebäude und dem wenige Meter entfernten, strahlend weissen Leuchtturm könnte man stundenlang sitzen, träumen und beobachten. Etwa wie sich der Zustand der Irischen See im Lauf des Tages verändert, von spiegelglatt bis aufgewühlt – oder auch umgekehrt. Wie kleine und ab und an richtig grosse Schiffe in den Belfast Lough fahren und andere den natürlichen, weiten Channel wieder verlassen.
Wohin es sie wohl zieht? Zur Isle of Man, die sich in der Ferne ausmachen lässt? Zum schottischen Festland, zu dem regelmässig stattliche Fähren aufbrechen? Nach Nordamerika wie einst die Titanic, die bei ihrer Jungfernfahrt im Frühling 1912 hier am Leuchtturm und unter dem Jubel tausender Arbeiter vorbeifuhr, die alle nicht ahnen konnten, dass «die Unsinkbare» wenige Tage später eben doch sinken würde?
Nordirland: Blackhead Lighthouse
An der Steilküste des nordirischen County Antrim sorgte unter anderem das Blackhead Lighthouse dafür, Schiffsuntergänge zu vermeiden. Seit 1901 leistet es wertvolle Dienste beziehungsweise taten das lange die Leuchtturmwärter, die bis zur Automatisierung in den 1970ern rund um die Uhr vor Ort aktiv waren. Jene Zeiten mögen vorbei sein, doch dafür können nun Kurzzeiturlauber in drei sehr grosszügigen Wohnungen, in denen früher die Familie(n) der Leuchtturmwärter lebten, auf Selbstversorgerbasis übernachten. Und das sorgt regelmässig für Glücksgefühle.
Allein die 270-Grad-Aussicht aufs Meer und die erhabene, abgeschiedene Lage am Nordufer der Bucht! Das rund 40 Meter über dem Wasser thronende Ensemble aus zwei Gebäuden und dem Leuchtturm ist nämlich nur über ein verwinkeltes Strässchen erreichbar, das in Navigationssystemen gar nicht recht auftaucht. Passt insofern, da sich hier alles wie eine Reise in die Vergangenheit anfühlt, beamen einen die Häuser mit den dicken Mauern, hohen Decken und dunklen Böden doch in eine Zeit vor über 100 Jahren zurück.
Mit Wasserhähnen zum Drehen (Warm- und Kaltwasser ist getrennt), alten Büchern zum Schmökern und viel Patina: Der Salon, in dem man aus tiefen Sofas ins Kaminfeuer blickt. Die Treppen und Gänge, die zu überraschend vielen Schlafzimmern mit ehrwürdigen Riesenbetten führen. Das Badezimmer mit freistehender Oldschool-Wanne und Klo mit Blick auf den 16-Meter-Turm nebenan – und aus einmaliger Position auf den Sonnenaufgang über dem Meer.
Wenn es pfeift, und das tut es oft, rüttelt der Wind an den grossen Fenstern mit den Hochschiebescheiben, in deren Ritzen man bei Bedarf ein kleines Holzstück stecken muss, um das Klackern zu unterdrücken. Alles hier atmet Geschichte, wobei Alt nicht bedeutet, auf Komfort verzichten zu müssen. Im Gegenteil. Pamela Stewart, seit über 15 Jahren als Housemanagerin die gute Seele des Hauses, bereitet Gäste einen warmen Empfang und weist sie bei Ankunft in alles ein. Wie Ofen, Herd, Waschmaschine und eben die „Zentralheizung“ funktionieren. Und wo sich Extradecken für die Nacht und Sitzpolster fürs Sea Watching auf der Veranda finden lassen.
Preis: Fünf Personen zahlen für zwei Nächte rund 460 Euro.
Weitere Infos: www.irishlandmark.com/blackhead-lightkeepers-house
Blackhead Lighthouse ist indessen kein Einzelfall. Hier kommen noch vier weitere prominente Beispiele für einen Leuchtturmurlaub auf Zeit:
Kroatien: Sv. Ivan na pucini
Was für ein Ort für einen Robinson-Crusoe-Urlaub! Dieser 1853 erbaute, achteckige Leuchtturm liegt dreieinhalb Kilometer vor dem nordkroatischen Städtchen Rovinj auf der südlichsten Insel eines kleinen Archipels. Und dieses Inselchen ist ein gerade einmal 50 x 70 Meter grosser Fels, der von seichtem, klarem Wasser umspült wird – da ist man wirklich weit weg von allem, im wahrsten Sinne. Es gibt zwei Vierbett-Appartements, die tage- oder wochenweise vermietet werden. Gut zu wissen: Die Verpflegung wird mit dem Boot herbeigeschafft, was man jedoch zeitig ankündigen muss – ebenso wie einen Transfer ans Festland.
Preis: ab ca. 80 Euro pro Nacht.
Weitere Infos: www.unterkunft-kroatien.eu
Holland: Leuchtturm Harlingen
Dies ist eine Adresse für alle, die ihren Leuchtturmaufenthalt lieber in etwas belebterer Umgebung verbringen. Schliesslich befindet sich das erhabene Bauwerk, das nach vielen Jahrzehnten treuer Dienste für die Seefahrt in den verdienten Ruhestand geschickt wurde, mehr oder weniger mitten in dem holländischen Küstenörtchen Harlingen. Ein Leuchtturm ist es aber geblieben, wenngleich ein besonderer. Schliesslich kaufte ein Privatmann das Bauwerk und renovierte es.
Seither stehen zwei Gästen drei komplett ausgestattete Stockwerke zur Verfügung. Die Badezimmer-Etage ist über einen engen Gang mit dem Turmzimmer verbunden. Über eine steile Treppe geht es von hier weiter hinauf zur 360-Grad-Aussichtsplattform. Und von dort erblickt man dann das eine oder andere Leuchtzeichen der nächsten, noch in Betrieb befindlichen Leuchttürme. Entlang der niederländischen Küste sind nämlich noch 18 der einst 20 Leuchttürme aktiv.
Preis: Zwei Personen zahlen pro Nacht 349–379 Euro.
Weitere Infos: www.vuurtoren-harlingen.nl
Ostsee: Leuchtturm Rügen
Mit seinem entzückenden rot-weissen Anstrich handelt es sich hier wahrlich um einen Bilderbuch-Leuchtturm. Vor einigen Jahren wurde die 110 Quadratmeter grosse Ferienwohnung, die sich über vier Etagen erstreckt, renoviert und steht nun Gruppen oder Familien mit bis zu fünf Personen zur Verfügung. Kurzzeitmieter geniessen einen herrlichen Blick aufs Meer und den Grossen Jasmunder Bodden. Das Apartment verfügt über eine Küche, aber die Cafés, Bars und Restaurants in der Gemeinde Breege sollte man nicht links liegen lassen.
Preis: je nach Saison zwischen 275 und 475 pro Nacht.
Weitere Infos: www.ferien-im-leuchtturm.de
Norwegen: Kråkenes Stormhuset
Die Gegend zwischen Bergen und Alesund gehört zu den stürmischsten in ganz Norwegen. Mittendrin: Der von drei Seiten vom Meer umgebene, auf einem 45 Meter hohen Plateau gelegene Leuchtturm von Kråkenes. Dort trotzt er tapfer den Stürmen und Wellen, wobei man an manchen Tagen besser drinnen bleibt und staunend die aufgepeitschte See betrachtet. Und das im Warmen! Der 1906 von der norwegischen Küstenverwaltung errichtete Leuchtturm verfügt über eine eigene Wetterstation, die Daten an das Meteorologische Institut sendet.
Preise: Zimmer ab ca. 90 Euro.
Weitere Infos: www.krakenesfyr.com