Trips & Travellers

Patrik Weidenmann (links) und Peter Plan hatten den Mut, etwas Neues zu wagen. Sie sind mit ihren Plänen für die Travel Basel aber gescheitert. Bild: TN

Kommentar Ein ehrgeiziges Projekt – zum ungünstigsten Zeitpunkt

Reto Suter

Die neue Ferienmesse Travel Basel ist beerdigt, bevor sie erstmals stattgefunden hat. Das Interesse von potenziellen Ausstellern war schlicht zu gering. Der Mut von zwei findigen Messemachern wird damit schlecht belohnt. Wobei die Vorzeichen von Anfang an nicht die besten waren.

Die Ferienmessen in Bern und Zürich erleben seit der Corona-Pause keine einfachen Zeiten. Zum einen erreichen die Besucherzahlen nicht mehr die Werte früherer Tage (wobei da manchmal auch arg geschummelt wurde).

Zum anderen wird es immer schwieriger, Aussteller – mit einer frühzeitigen Zusage und damit Planungssicherheit – für eine Teilnahme zu begeistern. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer erachtet die Ferienmessen jedoch nach wie vor als wichtig, wie jeweils Umfragen von Travelnews zeigen.

Daraus folgerten Peter Plan und Patrik Weidenmann, dass es durchaus noch eine dritte Ferienmesse in der Deutschschweiz vertragen würde. Die Messeprofis lancierten deshalb im vergangenen Spätherbst die Travel Basel. Sie sollte dieses Jahr erstmals stattfinden – fast ein Jahrzehnt nach der letzten Ferienmesse in Basel. Doch soweit kommt es nicht. Gestern Montag sagten die Organisatoren die geplante Messe ab (Travelnews berichtete).

Das ist schade. Denn die neuen Ansätze der Messemacher hätten viel Zuspruch verdient gehabt. Statt im Januar wie die Ferienmessen in Bern und Zürich hätte die Travel Basel im November stattfinden sollen. Noch bevor die ganz grosse Buchungsrolle anrollt und die Mitarbeitenden in den Reisebüros voll ausgelastet sind.

Zudem sollte ein parallel stattfindender Slow-Food-Markt dazu beitragen, auch jüngeres Publikum in die Messehalle zu locken. Und: Die Organisatoren schraubten auch an den Öffnungszeiten. Am ersten Messetag sollten die Türen bis um 20 Uhr offen bleiben – zwei Stunden länger als in Bern und Zürich.

Es hat alles nicht genützt: Das Interesse in der Branche blieb überschaubar. Die Unsicherheiten, mit der jede neue Veranstaltung behaftet ist, wogen für zahlreiche potenzielle Aussteller zu schwer. Viele von ihnen scheuten Kosten und Mühen für eine dritte Ferienmesse.

Schwierige Vorzeichen für einen grossen Wurf

Manch einer aus der Branche mag den Messemachern jetzt ein Scheitern mit Ansage vorwerfen. Das wäre indes unfair. Peter Plan und Patrik Weidenmann sind keine Naivlinge, sondern ausgewiesene Experten im Messebereich – mit einem grossen Netzwerk in der Reisewelt. Sie dürften es sich gut überlegt haben, ob sie mit einer zusätzlichen Reisemesse in den Ring steigen wollen.

Dennoch: Ganz überraschend kommt die Absage nicht. Schon einige Tage nach der Lancierung, rund um die GV des Schweizer Reise-Verbands in Parma, rümpften mehrere Branchenmitglieder die Nase und signalisierten, dass die Travel Basel für sie eher nicht in Frage kommt. Oder sie sagten ihre Teilnahme sogar schon ganz ab.

Ein wichtiger Punkt: Viele Reiseveranstalter laufen personell bereits mit zwei Ferienmessen auf dem Zahnfleisch. Mit dem bestehenden Team auch noch eine dritte Messe zu stemmen, wäre für sie zu einer Herkulesaufgabe geworden.

Hinzu kommt, dass verschiedene Anbieter im November ihre Kataloge fürs kommende Jahr noch gar nicht parat haben. Umgekehrt kennen im Spätherberbst auch viele Kundinnen und Kunden ihr Reisebudget fürs Folgejahr noch nicht im Detail. Löhne, Miete und Kaufkraft im Allgemeinen: Es gibt noch zahlreiche Unwägbarkeiten.

Eine entscheidende Rolle spielen auch die Marketingbudgets in der Branche: Erstens sind sie geschrumpft, und zweitens gibt es einen Trend hin zu kurzfristigeren Entscheiden, wie und wo das Geld eingesetzt wird. Ein längerfristiges Projekt ohne jegliche Erfahrungswerte hat da automatisch einen schweren Stand.

Das Positive: Die Organisatoren haben rechtzeitig die Notbremse gezogen. Es bleiben keine verärgerten Aussteller zurück, die bereits viel Geld in den Messeauftritt investiert haben.

Und vielleicht können sich ja auch die bestehenden Ferienmessen vom Konzept der Travel Basel inspirieren lassen. Wohl eher nicht, was das Datum betrifft. Längere Öffnungszeiten – zumindest an einem Tag – und neue, innovative Food-Konzepte könnten in Bern und Zürich aber durchaus zum Thema werden.