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Die neuen Lebensinhalte von Daniel Stauffer, auf einem Bild vereint: Fotografie, Golf und Mallorca. Bild: Daniel Stauffer

Was macht eigentlich Daniel Stauffer?

Von Jean-Claude Raemy

Der langjährige Geschäftsführer von Universal Reisen ist seit März 2016 im «Unruhestand» und frönt jetzt seinen Passionen Foto und Golf. Im Gespräch mit travelnews.ch äussert er sich auch zu Mallorca und der heutigen Reisebranche.

24 Jahre lang war Daniel Stauffer Geschäftsführer des Reiseveranstalters Universal Reisen in Vaduz (FL). Im März 2016, also vor bald zwei Jahren, verabschiedete er sich mit bereits 64 Jahren – weil das in Liechtenstein so möglich ist – in den wohlverdienten Ruhestand. Sein Abgang war gut vorbereitet, seine Nachfolgerin Silvia Schembri wurde sorgfältig eingearbeitet. Doch ging das mit dem Loslassen nach so langer Zeit?

Dazu Stauffer: «Es war für mich absolut kein Problem, meinen Tagesablauf umzustellen. Während vielen Jahren waren Tage mit mindestens 10 Arbeitsstunden und mehr die Normalität. Heute stehe ich am Morgen später auf, geniesse das Frühstück mit meiner Gemahlin, schaue mal was in der Zeitung steht, checke Social Media und meine Mails. Wir haben einen Hund, der bei jedem Wetter raus will. Und ich will jeden Tag etwas Neues lernen. Es gibt viele Tutorials in Bereichen, die mich faszinieren.»

Die meiste Zeit widmet Stauffer allerdings für ein Hobby auf, welchem er schon seit seinem 18. Altersjahr frönt: Der Fotografie. Damals erstand er seine erste Spiegelreflex-Kamera, eine Canon AE1, und wechselte schon bald zum besseren und noch zahlbaren Modell Canon A1. Er testete mit Schwarzweiss- und Farbfotos und schoss sehr viele Dia-Bilder. «Das Archiv, vor allem die Dias, wollte ich schon immer mal bearbeiten, die Digitalisierung ist aber immer noch ein Projekt», seufzt Stauffer.

Passion Fotografie

Schon bei Universal nutzt Stauffer seine Passion für Fotografie – zahlreiche seiner Bilder finden den Weg in die Kataloge und Unterlagen des Veranstalters. Seit dem Jahr 2000 liegen die Fotos in digitaler Form vor. Man kennt es: Mit der Digitalisierung kann man viel mehr Fotos schiessen, da man diese ja nicht mehr teuer zu entwickeln braucht. So lagern auf Stauffers PC rund 150‘000 private oder für Universal gemachte Bilder. Und dabei wird es nicht bleiben: «In den letzten Jahren habe ich mir privat eine professionelle Ausrüstung angeschafft – meine Canon 5D Mark III ist inzwischen mein wichtigstes Arbeitsinstrument, mitsamt dem nötigen Zubehör», erklärt Stauffer. Zudem habe er viel Zeit und Geduld in die Bildbearbeitung mit Lightroom und Photoshop investiert, was inzwischen gar zu seiner Stärke geworden sei. Und seit Anfang 2017 setzt er auch eine Drohne zum Fotografieren und Filmen ein.

Kein Wunder, gehören zu seinen neuen Aufgaben Reportagen und Fotoaufträge. Was nicht Neuland sei, denn er habe schon früher auf Studienreisen grosse Reportagen gemacht und viele Bilder auf Portalen wie Flickr zur Verfügung gestellt. Neuere Aufträge waren etwa Fotos zum 10-jährigen Jubiläum von Helvetic Airways oder Reportagen von Golfturnieren sowie Promotionsarbeit für Stauffers Heimatclub, dem Golf Gams-Werdenberg – hier ein weiteres Beispiel von seiner Arbeit.

Womit wir bei der zweiten grossen Leidenschaft von Stauffer sind: Dem Golfen. Stauffer organisiert in seinem privaten Umfeld oft Golfreisen, für Gruppen oder auch Individuelle. «Golfer buchen bei Golfern», weiss Stauffer – wobei er sein Wissen und seine Erfahrung gerne weitergibt, gerade an seinen alten Arbeitgeber Universal, wo er in den letzten 15 Jahren ein Golfprogramm aufbaute.

Und dann ist ja da noch Mallorca, Kerndestination von Universal Reisen und auch weiterhin ein Fixpunkt in Stauffers Leben. «Pro Jahr möchte ich mindestens zwei Mal nach Mallorca reisen, um Freunde zu besuchen, Gruppen zu begleiten und Golf zu spielen», erklärt er, «aus familiären Gründen kann ich leider nicht öfter Reisen unternehmen.» Zudem seien aus demselben Grund auch keine längeren Reisen möglich. Aber Mallorca (jeweils mit der Drohne) oder das angrenzende Ausland müsse es schon ab und zu sein, schmunzelt Stauffer. Dafür buche er stets bei Veranstaltern oder Reisebüros, «da habe ich immer noch gute Kontakte».

Weiterhin enge Kontakte zur Reisebranche

Überhaupt bleibt Stauffer auch zwei Jahre nach seinem Rücktritt noch eng mit der Reisebranche verbunden. Er ist immer noch Mitglied im TOC Ostschweiz und pflegt den Kontakt mit diesen Kollegen, aber auch via Social Media oder travelnews.ch verfolgt er, was passiert. Darüber hinaus besuche er weiterhin die Ferienmessen zu Jahresbeginn, «St. Gallen und Genf sind Pflichttermine», so Stauffer.

Die Entwicklung in der Reisebranche, vor allem im IT-Bereich und der Distribution, sei sehr spannend. Natürlich beschäftige ihn auch das Thema Overtourism, so Stauffer, wobei er relativiert: «In Mallorca spricht man schon lange über dieses Thema. Schon vor vielen Jahren wurden Massnahmen gegen den ‚billigen Massentourismus‘ ergriffen. Vor allem der exzessive ‚Party-Tourismus‘ wurde recht wirkungsvoll bekämpft. Qualität kommt vor Quantität!» Allerdings räumt er ein, dass Mallorca eine Touristen-Destination sei, von der nicht alle Beteiligten gleich profitieren.

Hurrikans und Vulkane als Meilensteine

Natürlich hat Stauffer auch noch einige kernige Anekdoten auf Lager – von Ereignissen, die ihm aus seiner langen Reisebranchenzeit geblieben sind. Stauffer erzählt: «1995 wurden wir, gemeinsam mit anderen TOs wie Caribtours, von einem Hurrikan überrascht. 80 unserer Gäste waren mit der BWIA von Zürich nach Antigua unterwegs und wir wurden zwei Stunden nach dem Start von der Gefahr unterrichtet. Wir hatten keine Möglichkeit, den Flug zurückzuholen oder auf eine andere Destination umzuleiten. Der Hurrikan der Klasse 4 hat dann die Insel überquert. Die Gäste wurden nur rund 10 Stunden vorher von der Airline abgesetzt und direkt ins Hotel ‚verfrachtet‘. Zum Glück gab es keine Verletzten. Die Hotelanlagen von Jolly Beach und Jolly Harbour wurden allerdings stark betroffen. In diesem Zusammenhang habe ich den einzigen Gerichtsfall bei Universal erlebt - weil gewisse Gäste glaubten, wir hätten die Gefahr vor dem Abflug schon gekannt, was nicht richtig war.»

Weniger weit zurück liegend ist auch die Erinnerung an den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010: «Dieser hat das Team von Universal an seine Grenzen gebracht. Hier wurde zum ersten Mal unser Krisenmanagement gefordert und es hat sich bewährt. Das Thema ‚Management in einer Krisensituation‘ hat mich bis zum Schluss begleitet und Universal hat in meinem letzten Jahr noch einmal entscheidende Verbesserungen eingeführt.»

Stauffer wünscht den Branchenkollegen und –kolleginnen weniger turbulente Episoden, dazu viel Erfolg und «das nötige Durchsetzungsvermögen». Selber geniesst er den neuen Lebensabschnitt weiterhin und weiss: «Ich habe keine Zeit, mich zu langweilen.»