Trips & People

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Viele Länder, Botschaften, kulturelle Institutionen, Gewerbetreibende und Reiseanbieter verwandelten am vergangenen Wochenende beim Fernweh Festival die Stadt Bern zu einem weltumspannenden Ort. Bilder: G.U.S./VB

Gelungenes Fernweh Festival – punktuelle Verbesserungen gefragt

Das überraschende Konzept eines stadtweiten Fernweh-Festivals kam in Bern gut an. Das Fazit von Festival-Macher Thomas Jungi nach der ersten Austragung.

Von 2013 bis 2019 organisierte die Globetrotter Group sieben Mal in Folge das farbige und inspirierende Fernweh Festival im Kursaal Bern – die eigenen 13 Firmen kamen dabei gut zur Geltung. Im Pandemie-Frühling 2020 stellte sich dann aber die Frage, ob die erheblichen Kosten für das Festival im Zuge der Mitarbeiterreduktion noch getragen werden sollen. Und so fand die Globetrotter Group mit Thomas Jungi von der Eventfirma G.U.S. einen Nachfolger, der gleich mit einem neuen und überraschenden Konzept aufwartete.

Am letzten Wochenende ging nach der letztjährigen, pandemiebedingten Annullation nun das neue Fernweh Festival über die Bühne, verteilt auf einen weiten Teil der Stadt Bern. Entlang der Tramlinie 9 präsentierten sich viele Botschaften, Länder, Restaurants, Reiseanbieter und kulturelle Organisationen, auch Travelnews war bei einer Podiumsdiskussion mit dabei. Zwar spielte das Wetter nicht sonderlich mit, förderte aber umso mehr die Lust auf ferne Reisen.

Wir haben Festival-Organisator Thomas Jungi nach seinen Eindrücken befragt und auf mögliche Verbesserungen angesprochen.

Herr Jungi, wie hat Ihnen das Festival gefallen?

Thomas Jungi: Bei über 100 einzelnen Veranstaltungen konnte ich natürlich nicht bei allen dabei sein, doch was ich gesehen habe, hat mir sehr gut gefallen.

Zum Beispiel?

Es gab ganz interessante Kombinationen, bei denen ich gespannt war, ob die überhaupt funktionieren. Die angolanische Botschaft und Coiffeur Aerni an der Aarberggasse haben etwa zusammengespannt – mit dem Thema Haar und afrikanischen Frisuren. Im Laden gab es typisch afrikanisches Essen, vor dem Coiffeursalon war ein eigentlicher Markt, dazu den ganzen Tag DJ-Rhythmen und eine tolle Partystimmung, angereichert mit Tanzshows, Workshops und Vorträgen. Weiter haben etwa die Philippinen im Restaurant «Zum Äusseren Stand» eine Modeschau durchgeführt, ebenso mit Marktständen und feinem Essen. Oder im Kornhaus fand eine italienische Weindegustation statt, im Keller schottisches Whiskey-Tasting samt Dudelsackspieler. Es gab viele coole Sachen mit guten Besucherzahlen, dann aber auch Events, die weniger gut besucht waren.

Wie schaut Ihr Fazit aus?

Aktuell erfolgen die Debriefings, wir holen die Meinungen ein und werten auch die Zahlen aus, insgesamt rechnen wir mit mehreren tausend Besuchern. Wir boten den Rahmen, die Veranstaltungen selber haben dann die einzelnen Organisationen oder Locations durchgeführt – vom Explora-Vortrag mit 600 Teilnehmenden bis Kleinsveranstaltungen wie Tanzkursen mit 20 Teilnehmenden.

Gibt es schon gewisse Learnings? Und ist ein nächste Ausgabe des Festivals geplant?

Ja, wir haben das Datum bereits fixiert, 28. bis 30. Oktober 2022. Obwohl es das Fernweh Festival in kleinerer Form im Kursaal ja schon gab, sprechen wir nun von einem neuen Anlass und der benötigt drei bis fünf Jahre, um ihn aufzubauen. Hinzu kamen mit der Pandemie nun noch schwierige Rahmenbedingungen. Ein Learning ist sicher dieses, das wir das Festival noch besser erklären müssen. Für die Leute ist es ungewöhnlich, ein Festival verteilt über die Stadt hinweg zu besuchen. Ein weiteres Learning ist, dass wir gewisse Sachen zusammennehmen müssen und einzelne Hubs schaffen sollten, wie wir das schon im Kursaal haben. Einige Leute waren doch ein bisschen überfordert bei der Fülle der Angebote.

Welches Feedback haben Sie vom Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried erhalten?

Er ist einer der grössten Fans des Festivals und war im Vorfeld ein wichtiger Botschafter – weil wir eben nicht irgendeine Veranstaltung draussen auf dem Feld mit 20'000 Besuchern und aus dem Boden gestampfter Infrastrstuktur sind, sondern es wird die bestehende Infrastruktur, das bestehende Gewerbe genutzt, ohne dass einzelnen Veranstalter etwas zahlen müssen.

Wie finanzieren Sie das Festival?

Finanziert wird der Anlass durch die für 29 Franken verkauften Festival-Bändel – bis 16 Jahren für 15 Franken. Wobei wir die Finanzierung im ersten Jahr noch nicht erfüllt haben, das buchen wir noch als Investition ab. Der Aufwand war gross, 100 Programminhalte zu koordinieren, so dass wir nicht plötzlich 30 Mexiko-Themen haben, aber nichts aus Asien. Wenn nun alle, die zufrieden waren, im nächsten Jahr wieder dabei, sind, werden wir deutlich weniger zu tun haben und neue Themen aufbauen können.

(GWA)