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«Wäre da nicht zwischendurch ein wundervoller Sonnenuntergang auf der Dachterrasse des Kempinski, wäre es wirklich sehr trostlos zurzeit», seufzt Kuba-Kenner Reto D. Rüfenacht nach seiner Rückkehr in die Schweiz. Alle Bilder: Reto D. Rüfenacht

Kuba ist im touristischen Winterschlaf

Von Reto D. Rüfenacht

Die erste Reise im Jahr 2021 mit Covid-19-Hygieneprotokollen führt Lateinamerikaspezialist Reto D. Rüfenacht nach Kuba. Seine Eindrücke hält er in einem Reisebericht fest.

Die erste Reise im Jahr 2021 mit Covid-19-Hygieneprotokollen führt mich nach Kuba. Viel wurde über die Situation vor Ort und die Abläufe in den Medien kommuniziert. Nun wollte ich mich selbst davon überzeugen.

Aufgrund fehlender Direktflüge mit Edelweiss, fliege ich mit Iberia via Madrid nach Havanna. Transit verlief in Spanien ohne Probleme, jedoch sind nur ganz wenige Verpflegungsstände und der Duty-Free-Store geöffnet. Iberia fliegt zweimal wöchentlich und das Flugzeug war sowohl in der Economy als auch in der Business-Klasse rappelvoll – mit Kubanern. Ich war wohl der einzige Tourist überhaupt.

Für die Einreise nach Kuba benötigt es einen PCR-Test sowie ein Gesundheitsformular, das im Flugzeug verteilt wird. Nach Ankunft in Havanna muss ein zusätzlicher PCR-Test gemacht werden. Dies noch vor der Immigration und Gepäckentnahme. Der Preis dafür ist im Flugticket enthalten. Danach geht es ab in die Quarantäne. Für Touristen, die eine Pauschalreise über einen Reiseveranstalter gebucht haben, beträgt diese nur drei Nächte – wahlweise in einem Hotel in Varadero oder in Havanna. Für alle anderen dauert die Quarantäne fünf Nächte und es besteht die Pflicht eines nochmaligen PCR-Tests, welcher selbst bezahlt werden und negativ sein muss, bevor sich Reisende frei bewegen dürfen. Dass mit diesem Vorgehen keine Touristen kommen, ist wohl mehr als klar.

Es gibt schlimmere Orte als das Hotel Royalton Hicacos in Varadero, um die obligatorische Quarantäne nach der Einreise zu verbringen.

Es lohnt sich sehr, diese Quarantäne – ich würde jedoch eher sagen Akklimatisierung – in einem der Strandhotels in Varadero zu verbringen. Innerhalb des Hotelareals und auch am Strand dürfen sich Touristen frei und ohne Maske bewegen. Es ist wunderschön und ausser ein paar Russen gibt es keine weiteren Gäste. Ich wohnte im Hotel Royalton Hicacos, ein schon etwas älteres All-Inclusive-Resort der Blue Diamond Gruppe, jedoch sehr gut unterhalten und mit wunderschönen Gartenanlagen. Auch der Strand ist gepflegt und es gibt eine sehr grosse Anzahl von Liegebetten, Sonnenschirmen und sogar balinesische Betten. Alle Restaurants sind in Betrieb, auch die verschiedenen à-la-carte Lokale. Besonders schön ist, dass man in einigen Restaurants auch draussen speisen kann. Weitere geöffnete Hotels in Varadero sind: Sol Palmeras, Melia International, Melia Peninsula, Iberostar Varadero und Iberostar Taino.

Am zweiten Tag meiner Akklimatisierung ging ich zum Hotelarzt, um nach meinem PCR-Test zu fragen. Der war noch nicht bereit und mir wurde gesagt, dass ich doch am späteren Nachmittag nochmals vorbeikommen solle. Punkt 17.00 Uhr hatte ich das Papier dann in den Händen und somit stand meiner Weiterreise mit dem Mietwagen am nächsten Tag nichts mehr im Wege.

Eine Reise mit dem Mietwagen ist in Kuba nach wie vor etwas sehr Mühsames: Nicht wegen der Route oder dem Auto, sondern wegen dem absolut komplizierten System von Wagenanmiete, Papierkram, Wartezeiten, fehlendem Kundenservice und der Unfreundlichkeit der Angestellten. Zudem lassen sich die staatlichen Vermieter immer wieder etwas Neues einfallen, um das Anmieten noch komplizierter erscheinen zu lassen. Es nennt sich Glück, wenn einem da die lokale Agentur eine Mietwagenassistenz anbietet und die gröbsten Probleme schon im Vorfeld löst.

Eine grosse und positive Überraschung war für Reto D. Rüfenacht das Boutiquehotel Mystique Casa Perla in Varadero.

Im Zentrum von Varadero sind erstaunlicherweise einige der Restaurants und Bars sowie auch Souvenirstände geöffnet. Allerdings mit eingeschränktem Angebot und es darf nur im Freien konsumiert werden. Ich besichtige ein neues kleines Boutique Hotel, das in den nächsten Tagen die Türen öffnen wird. Es befindet sich gleich beim Areal des Hotels Starfish Quatro Palmas und nennt sich Mystique Casa Perla. Dies ist ein ehemaliges Privathaus, das wunderbar restauriert wurde und über nur zehn Zimmer verfügt. Jedes Zimmer unterscheidet sich von den anderen in Grösse und Lage. Das spezielle ist, dass das Hotel als Bed & Breakfast geführt wird und somit das einzige Hotel in Varadero sein wird, dass nicht unter dem System von «Alles Inklusive» fungiert. In der unmittelbaren Umgebung gibt es genügend Restaurants, in denen sich Reisende verpflegen lassen können. Das Hotel selbst verfügt auch über ein à-la-carte Restaurant sowie eine wunderschöne Terrasse im Obergeschoss mit Blick auf Stand und Meer. Jedes Zimmer hat sein eigenes balinesisches Bett am Strand, zudem gibt es einen kleinen Pool, ein Fitnesscenter und eine voll eingerichtete Sauna. Für mich war dies die Überraschung der gesamten Reise.

Das Capitolio ist endlich fertig renoviert - und strahlt in der Dunkelheit.

Havanna, diese wundervolle und einzigartige Stadt, ist wie in Schockstarre. Wären da nicht zwischendurch ein wundervoller Sonnenuntergang auf der Dachterrasse des Kempinski oder die Beleuchtung des endlich fertig renovierten Capitolios, wäre es wirklich sehr trostlos zurzeit. Man kann sich dies nicht vorstellen: Die Stadt, die sonst vibriert von Aktivitäten, Lärm und Musik, Menschen und Oldtimers in den Strassen, ist plötzlich ganz ruhig. Wo sind all die Leute? Kein Nachtleben, keine Konzerte, keine Shows – alles zu. Die Covid-19-Pandemie und die sehr strengen Restriktionen des Staates haben die Stadt im Griff. Zwar sind die Fälle im Vergleich zu unseren Ländern oder zu Südamerika sehr tief, jedoch sind diese für die Regierung immer noch viel zu viele. Jedermann hofft nun auf eine baldige Impfung und tatsächlich sollte bis Ende August der Grossteil der Bevölkerung in Havanna durchgeimpft sein.

Geöffnete Hotels in Havanna gibt es nur wenige: Neben dem Kempinski ist dies das Iberostar Parque Central, das NH Capri, das Melia Habana und das National. Alle anderen Hotels sind geschlossen, ebenso die Tausenden von Casas Particulares und die privaten Restaurants, die Paladares. Auf private Anmeldung öffnen immerhin einige für private Essen die Türen. Diese können über die lokale Agentur reserviert werden. Die Bezahlung erfolgt in diesen Lokalen nach wir vor mit Bargeld. An allen anderen Orten jedoch ist das Bargeld verschwunden und es ist obligatorisch, mit der Kreditkarte zu bezahlen. Kuba ist auf jeden Dollar angewiesen und setzt dies strikt durch. Eben wurden auch noch die Wechselbüros von Cadeca am Flughafen Havanna geschlossen. Somit können die Ausreisenden die Pesos Cubanos nicht mehr in Devisen zurückwechseln.

Der Bootsausflug von Reto D. Rüfenacht mit seinem spanischen Freund, eröffnete dem Reiseprofis eine ganz neue Sicht auf Havanna.

Auf Einladung eines spanischen Freundes durfte ich an einem Bootsausflug teilnehmen. Er ist eine der wenigen Personen, die eine hochseetaugliche Jacht besitzt, die in der Marina Hemingway ankert. Mit einem Matrosen und den notwendigen Bewilligungen fahren wir entlang der berühmten Skyline von Havanna bis zum Morro Cabana. Eine umwerfende Aussicht, die ich so in 21 Jahren noch nie gesehen hatte. Mit etwas Glück ging uns sogar noch ein Bonito ins Netz. So macht Scouting Spass und der Ausflug wird in Kürze über die lokale Agentur buchbar sein.

Am folgenden Tag fahre ich nach Jibacoa, nicht jedoch ohne einen kurzen Stopp in Hershey zu machen. Hier stehen sie also, die alten Waggons der Trans Hershey Eisenbahn. Wie viele Ausflüge haben wir damit doch schon unternommen. Ich unterhalte mich mit Raul Cotilla, der uns jeweils mit den Ausflügen behilflich ist. Hier spüre ich einmal mehr, wie die Bevölkerung unter dem Ausbleiben des Tourismus leidet. Es mangelt einfach an Allem. Ohne die Devisen der Touristen geht gar nichts und es fehlen auch die Überweisungen der Verwandten aus dem Ausland, geschweige denn all das Material, das mit den Flugzeugen ins Land gebracht und dann auf dem Schwarzmarkt verkauft wird. Es ist mir unvorstellbar, wie die Kubaner das aushalten. Nach 64 Jahren Revolution sind sie jedoch so einiges gewohnt.

Der Hershey Zug ist stillgelegt.

Eine Überraschung ist dann der Besuch des Hotels Memories Jibacoa, eine mittelgrosse Alles-Inklusive-Anlage mit 250 Zimmern am wunderschönen gleichnamigen Strand. Hier sind sogar einige Touristen, allesamt Kubaner, die sich für ein Wochenende ein Hotel am Strand leisten können. Sie kommen alle aus der Provinz von Mayabeque, denn aus Havanna oder einer anderen Provinz ist die Anreise nicht gestattet. Da ich mit einem Mietwagen fahre, lässt mich die Polizei passieren. Am Strand befinden sich unzählige Liegestühle und Palmendächer. Auch alle Wassersportmöglichkeiten sind in Betrieb. Im Ranchon gibt es eher rustikale Gerichte für Mittag- und Abendessen und im Buffet-Restaurant bleibt die Qual der Wahl. An jeder Theke steht ein Mitarbeiter, der die Gäste bedient. Als sich am Abend eine Salsa Band für ein Konzert bereit macht, kommt bei den Kubanern sowas wie Stimmung auf. Denn, was ist diese Insel sonst ohne Salsa tanzende Kubaner?

Am Strand des Hotel Memories Jibacoa gibt es genug Liegeplätze und Schatten.

Fazit dieser Reise: Kuba ist definitiv noch im touristischen Winterschlaf. Die Ein- und Ausreise mit den zwei PCR-Tests (Test für die Ausreise müssen Touristen in Eigenverantwortung in einem lokalen Spital machen und kostet 32 US-Dollar mit Resultat innert 24 Stunden) und die Quarantäne ist für den Tourismus absolut nicht förderlich. Es ist auch kein Anreiz für Airlines gegeben, die Destination wieder ins Programm zu nehmen, solange die Regierung hier nicht klar auf eine Öffnung zielt. Solch eine Öffnung wird wohl auch für den Sommer/Herbst in kleinen Schritten folgen – erst die Badeorte, an denen sich die Touristen kontrollieren und von den Kubanern fernhalten lassen, und dann später, allenfalls auch wieder der Städte und Rundreisetourismus. Kuba ist jedoch nicht von der touristischen Landkarte verschwunden – es wartet nur darauf wieder erweckt zu werden. Wir rechnen mit der ersehnten Öffnung ab Oktober/November.