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Seit 15 Jahren rührt Petra Stolba die Werbetrommel für Österreich: Im Herbst 2021 tritt sie von der Spitze der Österreich Werbung zurück. Bild: ÖW.

«Traditionelle Geschäftsmodelle im Tourismus werden sanft, aber stetig erodieren»

Von Klaus Oegerli

Nach 15 Jahren tritt Petra Stolba, die Chefin der Österreich Werbung, zurück. Im Interview mit Travelnews sagt sie, welche Veränderungen auf den Tourismus zukommen.

Frau Stolba, nach 15 Jahren an der Spitze der Österreich Werbung bewerben Sie sich nicht mehr um eine Vertragsverlängerung. Ist es ein Vor- oder Nachteil, sich alle fünf Jahre um den eigenen Job bewerben zu müssen?

Dr. Petra Stolba: Ich denke, dass eine periodische Ausschreibung von Funktionen grundsätzlich sowohl für die Eigentümervertreter als auch die Funktionsinhaber eine gute Gelegenheit ist, die jeweilige Situation zu reflektieren.

Welches waren Ihre Höhepunkte in Ihrer Tätigkeitszeit?

Grundsätzlich ist es spannend, mit einer Organisation gemeinsam zu wachsen und zu reifen. Letztlich prägt jede Mitarbeiterin, jeder Mitarbeiter das Unternehmen – und wird vom Unternehmen geprägt. Daher ist es nicht eine Frage von singulären Höhepunkten, die mir in der Rückschau in den Sinn kommen. Sondern vielmehr die Frage, ob wir immer redlich versucht haben, das Beste zu geben, es uns nicht einfach gemacht haben.

Und die Tiefpunkte?

Auch hier gibt es keine einzelnen Erlebnisse, wohl eher eine innewohnende Ungeduld. Aber jedes Ding hat bekanntlich seine Zeit – und Wege entstehen im Gehen…

«Nach der technologischen Aneignung kommt nun die soziale Innovation im Tourismus an.»

Worum beneiden Sie Schweiz Tourismus?

Die aus meiner Sicht sehr professionell geführte Organisation hat Menschen, die mit voller Leidenschaft für ihr Land und ihre Aufgaben eintreten. Wir schauen immer auf Schweiz Tourismus, weil man nur von den Besten lernen kann!

Und worum nicht?

Man kann nur an der Herausforderung wachsen. Jede Organisation formt sich an den Rahmenbedingungen. So gesehen gibt es keine Schwierigkeiten, nur Lernpotenziale.

Haben Sie noch strategische Projekte auf den Weg gebracht, aber nicht beenden können?

Selbstverständlich bin ich keineswegs fertig geworden mit meiner Arbeit. Tourismus ist ein soziales Phänomen, ändert sich tagtäglich mit und wie die Menschen. Daher ändert sich Destinationsmanagement ebenso. Tatsächlich werden traditionelle Geschäftsmodelle im Tourismus sanft, aber stetig erodieren. Neue Ansätze des Miteinander im Lebensraum werden nötig – nach der technologischen Aneignung kommt nun die soziale Innovation im Tourismus an.

Wie sehen Sie Österreichs weg zurück nach der Pandemie?

Unabhängig von der nach wie vor bestehenden Reiselust der Menschen wird der Alpentourismus einige Fragen beantworten müssen. Corona war hier nur Beschleuniger, nicht Auslöser. Und der Städtetourismus mit Business und Kongressen wird wohl noch einen längeren Weg zurück haben. Dennoch ist eines klar: Reisen ist zu einem Bedürfnis für ein resonantes Leben geworden. Denn alles wirkliche Leben ist Begegnung.