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Willi Gyger (*5. November 1945 bis † 1. Oktober 2020). Bild: TN

Willi Gyger (†74) ist gestorben

Der Gründer der Ferienmesse Fespo und Erfinder der Bergbahn-Werbung ist anfangs Monat verstorben.

Die Schweizer Reisebranche hat einen aussergewöhnlichen Menschen verloren. Willi Gyger ist am 1. Oktober 2020 verstorben. Am 5. November wäre er 75 Jahre alt geworden.

In Zofingen AG aufgewachsen, hat sich Gyger gleich in vier Berufen ausbilden lassen: zum Schriftsetzer, Kaufmann, Werbeassistenten und Kommunikationsleiter. Dazu eignete sich Gyger autodidaktisch schon früh vertiefte EDV-Kenntnisse an. 1975 mit 3000 Franken gründete er seine eigene Firma Wigra. «Werbeflächen in Seilbahn-Kabinen garantieren höchste Kontaktchancen und wiederholte Kontaktzeiten», lautete damals seine Devise, mit der er bald bei Schweizer Bergbahnen punkten konnte, wie er im Gespräch mit Travelnews vor zwei Jahren erzählte.

Sein damals neuartiges Abrechnungsmodell: die Werbekunden bezahlten abhängig von den Gästefrequenzen einen variablen Betrag für die Werbung in den Kabinen. Was den Bergbahnen ebenfalls gefiel: da war einer, der nicht nur beraten konnte, sondern gleich auch die Standardwerbemittel zu guten Preisen kreieren und beschaffen konnte – dank seiner beruflichen Vielseitigkeit.

In den Folgejahren konnte die Wigra auch Werbeflächen auf Golfplätzen und Tennisanlagen europaweit besetzen. Später kamen Werbeflächen in Zügen der SBB, RhB und Turbo hinzu. Und Gyger war es dann auch, der die Idee von Webcams auf Bergstationen mit neuer Technik bezahlbar machte und diese Topin-Wetterbilder ins TV und Internet brachte.

Expo-Event Lifetime-Award

1991 versuchte sich der umtriebige und kreative Aargauer dann mit seinem wohl grössten Projekt. Er rief die Publikums- und Fachmesse Fespo in Zürich ins Leben. Die Fespo, die damals noch von Donnerstag bis Montag dauerte, kam beim Publikum und den Ausstellern schnell gut an.

In den folgenden 12 Jahren gründete oder erwarb er 20 weitere Messen. Darunter die Berner Ferienmesse, auch jene in Basel und Genf, sowie regionale Messen wie AMA Aargau, Wintimäss oder die Fachmesse Zagg in Luzern. 2014 erhielt Willi Gyger für sein kreatives Wirken den Expo-Event Lifetime-Award als erster Messemacher.

Ende 2009 erlitt Gyger nach einem unverschuldeten Auto-Unfall ein Schleudertrauma, das ihn ein ganzes Jahr ausser Gefecht setzte. In jenem Jahr hatte er nur minimal arbeiten können und orientierte sich neu. Ein Schritt dabei: er verkaufte die vier Ferien- und zwei Immobilien-Messen an die Bernexpo Group. Gyger war zu jener Zeit schon beteiligt an einer Firma für alternative Energie. Ein früherer Präsident hatte ein Pflegeheim in Thun in die Firma miteingebracht. Als Gyger Ende 2010 zum Mehrheitsaktionär avancierte, konzentrierte er sich auf diese Solviva Gruppe, die sich auf Gesundheit, Pflege, Betreuung und Wohnen ausrichtet. Gleichzeitig kehrte sein Sohn Christian von einem längeren Australien-Aufenthalt zurück und dieser übernahm die operative Führung der Wigra, die heute auch nach den teilweisen Verkäufen noch zahlreiche Messen und Events im Portfolio hat.

Mit der Solviva Gruppe war Willi Gyger stark am Wachsen, etwa mit dem Pflegeheim Berntor in Thun, dem Pflegeheim Rialto in Leissigen, Schärme Seftigen, Sunneguet Seftigen, Sunneboge Kirchberg-Alchenflüh und die Sunnepark Grenchen AG. 2018 hatte die Solviva Gruppe zudem das Parkhotel Oberhofen am Thunersee gekauft und es in ein Pflege-Ferien-Hotel umgebaut.

Bis zuletzt war Willi Gyger sehr aktiv. Bedauerlicherweise verstarb er nun in Folge eines Fahrradunfalls anfangs Monat. Die Reisebranche wird ihn vermissen.

(GWA)