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Fespo-Messeleiter Stephan Amstad (l.) ist heute als Samichlaus unterwegs, Cruise-Center-Chef George Studer packt bei den Weihnachtsbäumen zu. Bilder: HO

Chläuse und Christbäume aus der Reisebranche

Von Jean-Claude Raemy

In der Adventszeit wird es für die meisten Reisebranchen-Mitarbeitenden endlich etwas ruhiger. Für manche beginnt aber erst die richtig stressige Zeit – wegen weihnächtlichen Hobbys.

Die so genannte «besinnliche Adventszeit» ist nicht für alle gleich besinnlich. Schliesslich stehen hinter den verschiedenen Weihnachtstraditionen auch Menschen, welche nun in diesen Tagen stark beansprucht werden. Darunter sind auch bekannte Gesichter aus der Reisebranche. Wir haben uns mit zwei Reiseprofis unterhalten, welche in diesen Tagen kaum mehr ihrem normalen Job nachgehen können, sondern voll aufs «Weihnachtsgeschäft» ausgerichtet sind: George Studer, Geschäftsführer des CruiseCenter in Zürich, verkauft eigene Weihnachtsbäume, derweil Stephan Amstad (Messeleiter Fespo, Bernexpo AG) als Samichlaus unterwegs ist. Die Geschichten dahinter sind faszinierend.


Seit 25 Jahren zu Besuch bei Familien und Firmen

Stephan Amstad (im Kostüm)

«Ich bin seit nunmehr 25 Jahren bei der St. Nikolaus-Gesellschaft Opfikon-Glattbrugg aktiv», erzählt Stephan Amstad gegenüber Travelnews am Telefon, «und mache dies immer noch mit viel Freude, obwohl es schon eine zeitliche Belastung ist.» Zum einen wohnt Amstad, der in Glattbrugg aufgewachsen ist, nicht mehr in der Gegend, sondern im aargauischen Seetal, zum anderen steht im Januar die Fespo vor der Tür, wofür die Bernexpo nun langsam im Endspurt ist. «Es läuft gut mit der Fespo, einige Messehallen sind schon ausgebucht», beschwichtigt Amstad - der nebenbei auch noch etwas Zeit fürs Hockeyspielen mit dem EHC Glattbrugg finden muss.

Für ihn ist vor allem der heutige Nikolaustag (6. Dezember) ein Grosseinsatz-Tag. Für die Chlausgesellschaft, bei der laut Amstad rund 40 Personen im Alter von 20 bis 75 Jahren mitwirken, beginnt die Saison anfangs November und dauert bis Mitte Dezember. Rund 200 Feiern pro Jahr werden abgehalten, von Privat-Besuchen bei Familien über Auftritte in Schulen und Kindergärten oder an Firmen- und Vereinsfesten bis hin zu Feiern in Alters- oder Pflegeheimen und dem gelegentlichen Auftritt in einem Shoppingzentrum und dergleichen. Amstad selber ist inzwischen «Samichlaus»; nach seinem Übertritt von der Jungwacht in die Chlausgesellschaft in jungen Jahren hatte er zunächst als «Schmutzli» begonnen. Geholt hatte ihn damals übrigens Yanez Zekar, welcher lange Jahre bei den Reisebaumeistern/Travelhouse in leitender Funktion war, die Branche aber längst verlassen hat. Gibt es auch Auftritte in der Reisebranche? «Hotelplan hat mal einen Chlaus von uns bestellt, die sind ja auch in Glattbrugg, aber ich konnte da nicht selber hingehen», erklärt Amstad. Im Übrigen seien die Auftritte auch gar nicht auf den Ort Opfikon/Glattbrugg beschränkt.

In diesem Jahr hat sich Amstad für seine Tätigkeit drei Tage genommen, mit jeweils 3-6 Feiern, für die man vom «Chlausenbüro» jeweils eingeteilt wird und normalerweise im gleichbleibenden Samichlaus-Schmutzli-Gespann unterwegs ist. «Die Aufgabe als Samichlaus ist wunderbar vielseitig», schwärmt Amstad - es gebe richtig schöne, traditionelle Feiern bei Familien, zwischendrin auch etwas weniger schöne, wo er zuerst darum bitten muss, dass der Fernseher abgestellt wird. Es gibt die Auftritte in Heimen, wo Menschen mit Beeinträchtigung besonders Freude haben und die ganze Sache auch sehr ernst nehmen, während man bei Vereinsauftritten eher «den Clown markieren» muss. Amstad serviert eine Anekdote nach der anderen, spricht über die Ursprünge des Samichlaus in der Türkei (der historische Nikolaus von Myra stammt aus dem 6. Jahrhundert, wurde in Kleinasien geboren und ist in Bari begraben), freut sich darüber, dass immer noch viele Kinder die Sprüchli können.

Und was würde er als Samichlaus für ein Urteil über die Reisebranche fällen? Säckli oder Fitze? Amstad holt aus: «Der Samichlaus ist nicht für die Erziehung da, das missverstehen gewisse Eltern manchmal. Wir wollen doch primär etwas Revue übers Jahr passieren lassen, vor allem viel loben, weihnächtliche Besinnung verbreiten, und nicht Angst einjagen.» Die Reisebranche sei cool, mit enormer Kollegialität und enger Vernetzung, und er habe weiterhin Spass darin. Eine kleine Fitze in eigener Messe-Sache gibt's dann doch noch: «Es wäre schön, wenn gewisse Destinationen weniger durch regionale Konkurrenz als vielmehr durch Kooperation im Interesse aller auftreten würden.»


Nach dem Baumschnitt zu Glühwein und Raclette

«Ich bin total im Baumstress», eröffnet George Studer die Konversation. Was er damit meint: Seit fünf Jahren betreibt der langjährige Geschäftsführer des CruiseCenter in Zürich und Neuchâtel nebenberuflich noch eine Christbaumkultur. Und jetzt ist natürlich Hochsaison, wo jeder noch sein «Tannebäumli» für die Weihnachtsfeier zuhause haben will.

Wie kommt Studer überhaupt von den Schiffen zu den Tannen? «Auf der Suche nach einem trauten Heim und auch einem Kontrast gegenüber dem stressigen Stadtleben von Zürich haben wir mehr oder weniger zufällig diesen idyllischen Ort im solothurnischen Kappel gefunden», holt Studer aus. Mit seiner Frau hat er sich in einem Bauernhaus niedergelassen, welches sich in einer Waldlichtung auf dem Hügel Born in der Nähe des Autobahnkreuzes Härkingen befindet. «Also in idealer Ausgangslage, um unsere Filiale in Neuchâtel und unsere Ableger in Altdorf und Basel sowie natürlich die Zentrale in Zürich zu besuchen», so Studer, der selber aus der Region stammt. Allerdings lag die Liegenschaft inmitten einer bestehenden Weihnachtsbaumkultur, welche über eine Fläche von über 2 Hektar verfügt. «Meine Frau hat sich total ins Anwesen verliebt und so kam es, dass wir stolze Besitzer von über 5000 Weihnachtsbäumen wurden», schmunzelt Studer.

Die Bäume werden nun von seiner Frau gepflegt und hochgezogen, bis diese zum Verkauf bereit sind. Im Dezember steht dann der Weihnachtsverkauf an: «Da muss die ganze Familie mithelfen, es herrscht Hochsaison», sagt Studer. In der Region liefert Studer auch selber Weihnachtsbäume aus, manchmal nimmt er auf dem Weg nach Zürich auch einen mit. Ganz der gewiefte Verkäufer, hat er inzwischen auch einen «Nachtweihnachtsbaum-Verkauf» lanciert (nächstes Mal am 13. Dezember), damit Berufstätige entspannt nach der Arbeit einen der Bäume selber auswählen können, welcher dann in deren Anwesenheit frisch geschnitten wird. Anschliessend bekommen die Kunden noch Glühwein und können im «Stübli» der Studers (eine umfunktionierte Scheune) mit musikalischer Unterhaltung ein Raclette geniessen.

Weihnachtsbäume kann man auch vom Hof von CruiseCenter-Chef George Studer bestellen. Bild: zVg

Hier nimmt man sich Zeit. Klar ist, dass es für den Job, so stressig er im Dezember ist, auch viel Geduld braucht. Sieben bis zehn Jahre dauert es, bis die Setzlinge zu einem zwei Meter hohen Baum herangewachsen sind. Und trotz aller Mühe und Pflege wird nur jedes dritte gepflanzte Bäumchen auch zu einem schönen Weihnachtsbaum. Ein einträgliches Geschäft ist es nicht - «aber ein schönes, wo man den Leuten näherkommt und mit diesen den Baum auswählt, was manchmal einer Reaktion wie ‹Liebe auf den ersten Blick› gleichkommt», so der Cruise-Profi. Interessant in diesem Zusammenhang (auf welchen nicht Studer selber hinweist): Als Exponent der zuletzt von Umweltschützern viel bescholtenen Kreuzfahrtbranche leistet er hier einen aktiven, wunderbaren Beitrag zur nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Inzwischen hat Studer sogar Beruf und Nebenberuf miteinander verbunden. «Das CruiseCenter pflanzt für jede verkaufte Kreuzfahrtenbuchung im Frühling einen neuen Setzling an», so Studer, «für mich natürlich ein toller Ausgleich und es macht riesig Spass.» Und was würde er selber der Reisebranche am liebsten unter dem Weihnachtsbaum stellen? «Ich liefere nur den Baum, was die Branche daraus macht, ist ihr überlassen», weicht er aus.

Weitere Infos zum Christbaumgeschäft von George Studer gibt es unter diesem Link.