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Nahm am STC-Podiumsgespräch kein Blatt vor den Mund: der ägyptische Investor Samih Sawiris. Bilder: TN

«Die FTI-Beteiligung war eine meiner besten Entscheidungen»

Von Gregor Waser

Tourismusinvestor Samih Sawiris gab bei einem Podiumsgespräch in Zürich überraschende Einblicke in seine Engagements in El Gouna, Andermatt und bei der FTI Group – und sagte, wieso er so relaxed sei.

Vier, fünf Mal im Jahr lädt der Swiss Travelwriters Club (STC) zum Talk. Der gestrige Anlass hatte es in sich: denn der ägyptische Tourismusinvestor Samih Sawiris nahm sich die Zeit, ausführlich über seine Engagements zu reden und Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Gegen 80 Journalisten und STC-Mitglieder verfolgten die spannenden Aussagen von Sawiris, dies im neuen, architektonisch beeindruckenden Hauptsitz von Schweiz Tourismus in Zürich.

Auf die Frage von travelnews.ch nach seinem Engagement bei der FTI Group, sagte Sawiris: «Trotz der damaligen Kritik an meinem Engagement war die Beteiligung an FTI eine meiner besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Wir haben mit diesem Engagement zwei- bis dreimal mehr verdient, als was uns die Beteiligung gekostet hat.» Zur Erinnerung: im Zuge des Arabischen Frühlings geriet FTI in finanzielle Probleme, Sawiris seinerseits beklagte leere Betten in El Gouna am Roten Meer. 2014 beteiligte er sich im Rahmen von 25 bis 35 Prozent an FTI, Dietmar Gunz behielt die Mehrheit.

«Es ist ja auch logisch, wenn Sie jemand rettet, dann sind Sie ihm dankbar und die Dankbarkeit zeigte sich, indem FTI mit voller Kraft El Gouna mit Klienten füllte in einer Zeit, wo es nach dem Arabischen Frühling überall Ärger gab. Ohne FTI hätten wir auch Oman nicht so schnell gefüllt. Der Erfolg zog darauf andere Touroperators an und die wollten auch ein Stück davon. Das Engagement ist eine gute Sache.»

Auf die Unterschiede zum Pleite gegangenen Veranstalter Thomas Cook angesprochen, redete er weiter: «Wissen Sie, FTI wird sehr straff geführt, die Firma gehört zwei Menschen. Private Firmen sind immer besser geführt als eine Gesellschaft wie Thomas Cook mit einem riesigen Board und jeder im Board verdient seine viele Millionen, jeder hat sein Büro und seine Sekretärin und und und. Gewerkschaften hier, Gewerkschaften dort – und weitere 30, 40 Firmen hier und dort mit Firmensitzen.» Die Geschichte mit Thomas Cook sei voraussehbar gewesen, seit dem sie sich in England mit 600 Million beteiligt hatten (Anm. d. Red.: Thomas Cook beteiligte sich an Mytravel).

«Thomas Cook hat nie einen Pfennig an dieser Gesellschaft verdient und im Endeffekt mussten sie dicht machen, weil sie hohe Verluste machten. Auch der Name brachte nichts. Das war der grosse Fehler, den sie gemacht haben. Und seitdem bluten sie. Diese 600 Millionen müssen mit Zinsen bezahlt werden. Und wer musste das zahlen? Die anderen armen Firmen, die sich selber nur mit Mühe und Not ernähren konnten.»

Wie eine 100er-Note am Boden

Gelassen und relaxed anwortete Sawiris in seinem guten Deutsch weiter. Von Interviewer und STV-Vorstandsmitglied Dominik Buholzer auf die Anfänge seines Andermatt-Engagements angesprochen – «Dachten Sie nicht, es windet dort oben stets?» –, reagierte Sawiris promt: «Stopp. Das sagt bloss ihr Schweizer, die dort oben euren Militärdienst absolviert haben und in euren Schilderungen alles dramatisiert».

Andermatt sei eine wunderbare Destination mit kurzen Distanzen zu Flughäfen. «Als ich erstmals in Andermatt war, kam es mir vor, wie eine 100er-Note, die am Boden lag und die niemand bisher aufhob. Ich fragte mich, wieso nicht schon längst andere hier eingestiegen waren».

Journalist Dominik Buholzer befragte Samih Sawiris in den Räumlichkeiten von Schweiz Tourismus.

Erstaunlich waren auch Samih Sawiris Aussagen zum laufenden Ägypten-Geschäft: «2019 liegen wir wieder auf dem Niveau unseres besten Geschäftsjahres 2010, auch die Preise haben sich wieder nach oben orientiert.»

Zudem erwähnte er, dass er sich mehr für die Projektphase interessiere, das Operative oder das Marketing sei dann weniger seine Sache. Ob er denn neue Projekte geplant habe? Sein CEO wünsche Zurückhaltung, um den Aktienkurs nicht ins Taumeln zu bringen.

Für die Schweiz setzte es ein Lob und eine Kritik ab. «Bis wir in Andermatt bauen konnten, mussten wir viele Behörden und Papiere meistern. Am Anfang hiess, es dauere viereinhalb Jahre – und es dauerte auf den Tag viereinhalb Jahre.» Im Gegensatz zu Ländern wie Grossbritannien, wo eine Behörde nicht weiss, was die andere macht, klappt in der Schweiz alles reibungslos – aber sehr langsam.»

Sogar sein Engagement beim FC Luzern kam zur Sprache, dem innerschweizer Fussballclub, bei dem es immer wieder rumort. Er habe sich von den Vorstandssitzungen zurückgezogen, es werde stets nur gestritten. Er hoffe nun, dass sich die Gemüter über die Feiertage beruhigten. Denn Streit gefällt Samih Sawiris offensichtlich nicht. Auf die Frage, wieso er stets so ruhig und relaxed sei, sagte er, er versuche sich nicht mit nervösen Menschen zu umgeben.