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Seit seinem Austritt bei Hotelplan Suisse war Kurt Eberhard viel auf Reisen und verbrachte unter anderem einen Monat in Rom für einen Italienisch-Intensivkurs. Bild: Kurt Eberhard

Kurt Eberhard: «Ich bin nicht aktiv auf Jobsuche»

Von Linda von Euw

Vor knapp einem Jahr hat Kurt Eberhard Hotelplan Suisse verlassen. Was hat der ehemalige CEO in der Zwischenzeit gemacht? Travelnews.ch hat mit ihm gesprochen.

Am 23. Mai 2019 findet die Generalversammlung der Travel Trade Service TTS Ltd statt. Dort dürfte Kurt Eberhard in den Verwaltungsrat gewählt werden. Nach einem Jahr als ordentliches Mitglied soll der ehemalige CEO von Hotelplan Suisse dann von Beat Walser das TTS-Präsidium übernehmen – dies alles ist bereits seit Anfang des Jahres bekannt.

Wir erinnern uns: Im Juni 2018 folgte der abrupte Abgang von Kurt Eberhard bei Hotelplan Suisse. Seither sind einige Monate vergangen. Doch was hat der Tourismusprofi in der Zwischenzeit gemacht? Travelnews.ch hat bei ihm nachgefragt.

Herr Eberhard, was haben Sie in Ihrem «Zwischenjahr» gemacht und was steht noch an?

Kurt Eberhard: Ich war mit wenigen Ausnahmen fast immer unterwegs. Entweder auf Reisen oder in den Bergen. Als Nächstes geht es nach Belgien und dann nach England.

Wie gross wird Ihr Pensum für die TTS Gruppe in etwa sein?

Zuerst muss ich ja noch gewählt werden, aber im ersten Jahr als «normales» VR-Mitglied gehe ich davon aus, dass es etwa 10 Prozent sein werden. Wenn ich im 2020 wie geplant das Präsidium übernehme, sollten es etwa 20 Prozent sein.

Werden Sie für weitere Projekte zur Verfügung stehen?

Langweilig ist es mir nicht. Aber wenn es etwas ist, was mich anspricht und wo ich finde, das passt zu mir, dann schaue ich mir das an. Ich habe gerade ein zeitlich beschränktes Mandat angenommen, welches mich bis etwa Ende Jahr beschäftigen wird.

Wie intensiv verfolgen Sie das Reisegeschehen im Moment?

Ich lese die Fachpresse und nutze mein Netzwerk für den Austausch.

«Den Ansatz, die Kunden umerziehen zu wollen, also zum Beispiel ihnen zu sagen, sie sollen jetzt nur noch einmal und dafür vier Wochen in die Ferien fliegen, finde ich zwecklos»

Welche Herausforderungen sehen Sie mit etwas Distanz aktuell für die Reisebranche?

Die bereits Bekannten wie beispielsweise Digitalisierung, Wertewandel und Übertourismus. Zu Letzterem: Holland will angeblich keine verkaufsfördernde Tourismuswerbung mehr für das eigene Land machen, sondern sich darauf fokussieren, die Verteilung der bestehenden Tourismusmassen besser zu organisieren. Diese strategische Neuausrichtung, notabene von einer Tourismusorganisation(!), scheint mir bemerkenswert. Vielleicht sollte man sich daran ein Beispiel nehmen.

Wenn wir es schaffen, unsere Kunden von einem Ausweichen auf weniger bekannte Destinationen und/oder die Nebensaison zu überzeugen, dann können alle Stakeholder profitieren. Nicht alle können natürlich in der Nebensaison reisen, aber alle könnten anstatt Amsterdam auch mal Rotterdam besuchen. Es gibt fast überall lohnende Alternativen zu den touristischen Hotspots. Unsere Branche kann sich so mit den richtigen Empfehlungen gegenüber den Kunden als Mehrwertlieferant für erholsamere Ferien und überraschende Entdeckungen profilieren. Den Ansatz, die Kunden umerziehen zu wollen, also zum Beispiel ihnen zu sagen, sie sollen jetzt nur noch einmal und dafür vier Wochen in die Ferien fliegen, finde ich zwecklos und zudem unserer Branche nicht zuträglich. Wir leben nun mal von Reisen der Kunden.

«Wenn überhaupt nochmals in geschäftsführender Position, dann entweder als Unternehmer, oder in einem Startup oder kleinen Unternehmen.»

Kommt für Sie nur noch ein CEO-Amt in Frage, oder könnten Sie sich vorstellen, auch wieder operativ irgendwo einzusteigen?

Ist man nicht immer der CEO seines eigenen Lebens? Wer meinen Lebenslauf kennt, sieht den roten Faden in der ständigen Veränderung. Darauf bin ich ein wenig stolz und staune selber, was ich alles schon gemacht habe. Was war, ist vorbei. Ich bin weder aktiv auf Jobsuche noch habe ich mich je über den Titel definiert. Wenn überhaupt nochmals in geschäftsführender Position, dann entweder als Unternehmer, oder in einem Startup oder kleinen Unternehmen, womit auch die zweite Frage beantwortet ist. Das Operative liegt mir auf Grund meiner beruflichen Vergangenheit recht nahe und ich schliesse es deshalb überhaupt nicht aus.

Sie scheinen viel auf Reisen unterwegs zu sein – welches war Ihr persönliches Reise-Highlight und welche Reisen haben Sie privat noch geplant?

Ich hatte ja auch plötzlich sehr viel Zeit… Zweimal war ich in Frankreich, unter anderem auf einem einmonatigen Roadtrip. Viel war ich auch in europäischen Städten unterwegs und auch eine Reise durch das Baltikum war dabei. Im letzten November war ich einen Monat in Rom für einen Italienisch-Intensivkurs. Das hat mir unglaublich gut gefallen und ich beabsichtige, das bald zu wiederholen. Mein absolutes Reisehighlight der letzten Monate war allerdings eine zweiwöchige Ski-Safari in Japan. Ich bin schon lange nicht mehr so begeistert von einem – mir bis dahin unbekannten – Land zurückgekommen.