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«Was wir nicht machen, ist Sitze frei lassen»

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v.l. Thomas Frick (CCO Swiss International Air Lines), Bruno Stefani (CEO Swissport Station Zürich), Stefan Tschudin (COO Flughafen Zürich AG) und Ueli Zoelly (Chef Flughafenpolizei) erläutern die Schutzmassnahmen für sicheres Reisen am Flughafen Zürich. Bild: TN

Rund zwei Monate ist es her, als der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» ausgerufen hat. Infolge dessen ist aufgrund weltweiter Reisewarnungen der kommerzielle Flugverkehr nahezu zum Erliegen gekommen. Langsam aber sicher kehrt wenigstens ein bisschen Normalität ein. Der Bundesrat hat an seiner Pressekonferenz vom Mittwoch weitere Lockerungen angekündigt. Die Grenzen zu Deutschland, Österreich und Frankreich werden voraussichtlich per 15. Juni gelockert - die Personenfreizügigkeit und Reisefreiheit im Rest des Schengen-Raums soll per 6. Juli folgen. Die Chancen stehen also gut, dass die Nachfrage - zumindest nach Europa-Reisen - schon bald wieder anziehen wird. Doch noch immer gelten die Empfehlungen des BAG: so ist es wichtig Abstand zu halten und die Hände zu waschen, um ein mögliches Übertragungsrisiko mit dem Coronavirus zu vermindern. Die Flughafen Zürich AG hat nun gemeinsam mit der Swiss International Airlines, Swissport und der Kantonspolizei Zürich ein Hygiene und Schutzkonzept erarbeitet, um die Mitarbeitenden und Passagiere sowohl am Boden als auch in der Luft bestmöglich zu schützen.

Grundsätzlich gelten für Passagiere die generellen Empfehlungen das BAG. Der Flughafen Zürich hat beschlossen, die Reinigungsintervalle in den Gebäuden zu erhöhen und es kommt zur Unterstützung des Personals ein Putzroboter zum Einsatz. Entlang des Passagierwegs sind 200 Desinfektionsspender aufgestellt und an allen Schaltern sind Plexiglas-Scheiben montiert und Bodenmarkierungen zur Erinnerung an das Abstand halten angebracht. Wenn immer möglich, wird nur jeder zweite Check-In-Schalter benutzt, um den Mindestabstand von zwei Metern sicherzustellen. Kann der Abstand nicht eingehalten werden, wird dringend empfohlen, eine Schutzmaske zu tragen - eine Pflicht besteht jedoch nicht. Dies widerspiegle nicht die Empfehlungen des BAG oder der EASA (European Union Aviation Safety Agency), erklärt Stefan Tschudin, CCO der Flughafen Zürich AG. Man setze hier auch bewusst auf die Eigenverantwortung der Reisenden - so wie dies schon der Bundesrat bei den beschlossenen Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus getan hat.

Die Sicherheitskontrolle läuft weitgehend unverändert ab, mit der Ausnahme, dass die Reisenden auf verschiedene Schlangen und Etagen verteilt werden. Die Mitarbeitenden der Kantonspolizei tragen Handschuhe und wenn nötig Masken. An der Grenzkontrolle werden aktuell alle Passagiere kontrolliert. Damit die Staubildung verhindert werden kann, sind möglichst viele Schalter offen. Zudem werden spezielle Queuing-Bereiche eingerichtet, um mehr Platz zu gewährleisten. Die Schweizerinnen und Schweizer werden gebeten, die Selbstbedienungs-Automaten für die Passkontrolle zu benutzen. Alle Flugzeuge werden in den kommenden Wochen im Dock A und B abgefertigt und so parkiert, dass die Wartebereiche optimal genutzt werden können. Der Einstieg folgt gestaffelt und die Kapazität in den Zubringerbussen wird reduziert. Grundsätzlich werden keine Temperaturmessungen bei der Abreise durchgeführt, weil diese Massnahme nicht von der EASA empfohlen wird. Es gibt aber Ausnahmen: Auf Flügen von Air Canada und Alitalia wird dies gewünscht und deshalb auch so am Flughafen Zürich umgesetzt. Bei der Gepäckausgabe wird wenn möglich nur jedes zweite Gepäckband benutzt und im Ankunftsbereich wird eine Zählung für die maximale Personenanzahl in diesem Bereich eingerichtet.

Swiss will jeden Sitzplatz besetzen

Dass diese Sicherheitsmassnahmen zu einer längeren Wartezeit am Flughafen führen, glaubt Stefan Tschudin, COO der Flughafen Zürich AG, nicht: «Wir empfehlen den Leuten früher zu kommen, gehen aber nicht davon aus, dass die Abfertigung länger gehen wird. Die Swiss geht am Anfang von 15 bis 20 Prozent der Produktion aus und rechnet mit einem Hochfahren auf 50 Prozent bis Ende Jahr. Damit können wir sicher gehen, dass das Passagieraufkommen nicht grösser sein wird, als vor Corona - auch wenn nur jeder zweite Schalter geöffnet ist.» Die Swiss hat bereits am 8. Mai angekündigt, ihren Flugplan ab Juni schrittweise wieder hochzufahren und hat ebenfalls die geplanten Flüge publiziert. Damit die Sicherheit an Bord für Passagiere und das Personal gewährleistet ist, setzt auch die Airline eine Reihe von Massnahmen um. So wird beispielsweise das Tragen einer Maske seit dem 4. Mai empfohlen - eine Pflicht bestehe aber nicht, weil dies juristisch kaum umsetzbar sei. Zukünftige Gäste können sich nicht über mehr Platz in den Flugzeugen freuen. «Was wir nicht machen, ist Sitze frei lassen. Das können wir uns nicht leisten, deshalb gilt auch die Maskenempfehlung», sagt Thomas Frick, COO der Swiss International Air Lines. Das Kabinenpersonal, welches mit Kunden in direktem Kontakt steht, muss immer eine Hygienemaske tragen. Zusätzlich werden beim Einsammeln von Abfall Handschuhe benutzt.

Teilweise müssen Reisende Serviceeinbussen verkraften. Auf den Duty-Free-Verkauf und das Print-Material wird vorübergehend verzichtet. Passagieren in der First und Business Class wird kein offenes Essen mehr serviert - die Menüs werden in der Bordküche zubereitet und verpackt ausgegeben. Die Airline verzichtet zudem auf Kissen, offene Kosmetikprodukte und Hot-Towel-Service. Darüber hinaus wird die Reinigung der Maschinen intensiviert, es werden Desinfektionstücher verteilt und auf den Toiletten befinden sich Desinfektionsmittel für die Reisenden.

(NWI)