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In dieser Sekunde erhalten Reisebüros einen Nackenschlag (bei 1:04:41)

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Der «Point de Presse» am Montag im Bundeshaus hatte es in sich. Neben grosselterlichen Umarmungen ging es auch um eine Zusammenfassung des sonntäglichen Tourismusgipfels. Eric Jakob, Leiter der Direktion für Standortförderung im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), zeigte die nächsten Schritte auf, wie das Ferienland Schweiz wieder Fahrt aufnehmen könnte, insbesondere mit Schutzmassnahmen, die nun von der Tourismusallianz vorgelegt werden müssen.

Schweizer Reisebüro-Profis, welche die über einstündige Pressekonferenz verfolgten, erhielten zunächst keine Antworten zum Thema Outgoing-Tourismus – dann aber plötzlich einen unerwarteten Nackenschlag. Als Blick-Journalistin Sermin Faki nach Ferien im Ausland fragte, empfahl Eric Jakob, Ferien im Ausland erst wieder im Jahr 2021 in Betracht zu ziehen (ab 1:03:14).«Ich denke die Auslandreisen würde ich mal jetzt – als persönliche Empfehlung – auf nächstes Jahr verschieben» (1:04:41). Die undifferenzierte Aussage liess Reisebüro-Profis das Blut in den Adern gefrieren und entspricht einem eigentlichen Todesurteil für die Reisebranche – notabene mit über 10'000 Mitarbeitenden —, die derzeit aber in Bern kein Gehör findet. Erstes Urteil der Travelnews-Leserschaft: «Rufmord!».

(Update 10:35 Uhr) Der Schweizer Reise-Verband (SRV) hat auf Jakobs Aussagen unverzüglich reagiert. André Lüthi, Leiter Politik beim SRV, hat mit Eric Jakob ausführlich gesprochen. Der SRV erhielt nun von Eric Jakob (Botschafter, Leiter der Direktion für Standortförderung) ein Entschuldigungsschreiben mit diesem Wortlaut:

  • «Meine Äusserungen gestern im Rahmen des Point de Presse zum Coronavirus hat bei Ihnen Bestürzung und Unverständnis ausgelöst. Ich kann das nachvollziehen. Meine Aussagen auf eine Journalistenfrage hin waren keineswegs als offizielle Empfehlung gedacht, sämtliche Ferienreisen ins Ausland vom Jahr 2020 aufs Jahr 2021 zu verschieben. Erstens habe ich auf die Journalistenfrage hin von einer «persönlichen Empfehlung» gesprochen und zweitens war dies im Kontext des Tourismusgipfels vom letzten Sonntag, bei dem es um die kommenden Sommerferien ging, auf die Sommerferienzeit 2020 bezogen. Ich habe im Verlauf der Medienkonferenz mehrfach betont, dass definitive Aussagen zur Wiederaufnahme des internationalen Tourismus enorm schwierig seien, da so viele Faktoren (Grenzöffnungen, sanitarische Massnahmen, Entwicklung Fallzahlen, zweite Welle, individuelle Reiselust, usw.) mitspielen. Ich habe ferner auf die Analysen der internationalen Organisationen OECD und UNWTO hingewiesen, die eine substantielle Wiederaufnahme der internationalen Reisetätigkeit erst für 2021 vorsehen. Ich möchte mich aber dennoch für den Wirbel, den meine Aussagen in Ihren Kreisen ausgelöst haben, entschuldigen. Wie Sie wissen, kümmert sich die Direktion für Standortförderung im SECO, die ich leiten darf, intensiv um eine Lösung für die Reisebürobranche. Leider bisher noch ohne Erfolg. Aber wir bleiben dran. Uns liegt der gesamte Tourismus mit allen Teilbereichen, inklusive dem wichtigen Bereich, den Sie vertreten, am Herzen. Ich hoffe, dass wir weiterhin konstruktiv zusammenarbeiten können.»  

(GWA)