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Dank OneOrder sollen Endkunden sowie Reisebüros allfällige Probleme mit Flugtickets einfacher beheben können. Bild: Fotolia

One Order: Die grösste Revolution im Ticketvertrieb seit dem E-Ticket

Die 2016 lancierte IATA-Initiative soll Informationen aus PNR, EMD und E-Ticket vereinheitlichen. Noch in diesem Jahr soll ein erster Release erfolgen.

Die Airline-Industrie, allen voran die Branchenorganisation IATA, will sich mit Hochdruck modernere Arbeitsgrundlagen schaffen. Während alle von NDC sprechen, ist inzwischen ohne viel Aufsehen eine weitere, Ende 2015 gestartete IATA-Initiative in die Testphase übergegangen. Die Rede ist von OneOrder.

OneOrder ist nicht ein System, sondern ein Standard, welcher herkömmliche Ticketing-Abläufe modernisieren soll. Konkret geht es darum, die aktuell an mehreren Orten – im PNR, im E-Ticket und möglicherweise in EMDs – abgelegten Informationen in einem einzigen digitalen Eintrag zu vereinheitlichen. Die tiefgreifende Veränderung besteht darin, dass die Hoheit bei der Fluggesellschaft liegt. Derzeit werden erst im GDS sämtliche Leistungen (Flugpläne, Verfügbarkeiten, Ticketkonditionen) zusammengeführt.

So funktioniert OneOrder

Wenn ein Kunde heute ein Flugticket bucht, kreiert die Airline zunächst ein PNR (Passenger Name Record). Darin enthalten sind Informationen zum Passagier selber sowie zur gewählten Flugroute. Allerdings sind im PNR keine Zahlungsinformationen enthalten. Diese finden sich im E-Ticket, welches zum Zeitpunkt der Geldüberweisung ausgestellt wird. Und wenn der Passagier noch Zusatzleistungen wie etwa eine Flugsitzreservation kauft, dann finden sich diese Informationen in einem EMD (Electronic Miscellaneous Document).

Diese Verteilung von relevanten Informationen in mehrere Reservierungscodes und möglicherweise mehrere Backoffice-Systeme schafft natürlich Komplexität. Treten Probleme auf, etwa bei einem annullierten Flug, müssen so zahlreiche Komponenten behandelt werden. Würde alles über einen einzigen Bestätigungscode laufen, wäre die Problemlösung sowohl für Endkunden als auch für Reisebüro-Agenten deutlich einfacher. Und genau darauf zielt OneOrder ab.

Ein weiterer Vorteil könnte aus Airline-Sicht darin bestehen, dass Airlines, welche auch Leistungen wie Hotelzimmer oder Mietwagen über ihre Webseite verkaufen, dies in denselben «Customer Order» einbauen können – aktuell wird für alle diese Leistungen eine separate Bestätigungsnummer ausgestellt.

Und noch ein Vorteil: «Neuere» Airlines wie Ryanair haben bei einer Buchung bereits alle Informationen in einem einzigen «Customer Order». Wenn dies auch bei den «Legacy Carriers» umgesetzt wird, vereinfacht dies das Interlining und Codesharing zwischen diesen beiden Airline-Typen.

Wann kommt OneOrder?

Der neue Datenstandard baut im Prinzip auf den mit NDC gestarteten Modernisierungsbemühungen der Airline-Industrie auf. Beim letzten Mal, als radikale Neuerungen durchgesetzt wurden – das E-Ticket 2008 und das generelle EMD 2014 – waren die Änderungen für alle Airlines obligatorisch. Die Umsetzung des OneOrder hingege-Standards hingegen soll laut IATA freiwillig sein.

Wie genau OneOrder letztlich umgesetzt wird, ist noch nicht ganz klar. Sicher ist, dass 24 Software-Firmen an der Entwicklung beteiligt sind, darunter alle drei grossen GDS (Amadeus, Travelport, Sabre). Erste Piloten sind bereits umgesetzt. Auch diverse Airlines sind involviert. Aktuell sind British Airways und Condor bereits am Testen. Laut IATA-Zeitplan beginnt die Implementierung von OneOrder in der Luftfahrtindustrie ab 2018. Auf breiter Basis wird OneOrder aber wohl erst 2020 oder später umgesetzt. Bereits begonnen hat auf jeden Fall die Öffentlichkeitsarbeit – damit sich Reisebüros auf bevorstehende Änderungen einstellen können.

Mehr Infos zu OneOrder gibt es unter diesem Link.

(JCR)