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Die Blockchain-Technologie ist in aller Munde. Was wird sie ändern? Was sind die Risiken? Bild: Getty Images

Amadeus Blog Blockchain – zukunftsweisende Verkettungen

Um die Blockchain ist ein regelrechter Hype entbrannt. Zu Recht? Christian Warneck (Head of Research & Development Bad Homburg & Regional Development Center Istanbul bei Amadeus) ist jedenfalls fasziniert von der neuen Technologie. Auch bei Amadeus sieht er Einsatzmöglichkeiten. Und warnt dennoch vor übertriebener Euphorie.

Auf der Suche nach einem neuen Privatauto hatte ich mir vor drei Jahren einen schicken BMW angeschaut – guter Zustand, geringe Laufleistung. Ich war schon fast zum Kauf entschlossen, als mir im Serviceheft der – offenbar vom Händler vergessene – Stempel einer rumänischen Autowerkstatt auffiel. Eins und eins zusammengezählt wurde schnell klar, dass der Wagen in den vergangenen beiden Jahren nicht stillgelegt war, wie vom Händler behauptet, sondern vermutlich etliche Kilometer in Rumänien zurückgelegt hatte – und der Tachostand manipuliert war. Das ist laut dem deutschen Automobilverband ADAC immerhin bei etwa jedem dritten verkauften Gebrauchtwagen der Fall.

Doch was hat dieses Erlebnis mit der Blockchain zu tun? Die Blockchain ist eine auf mehrere Rechner verteilte Datenbank, die eigens für die 2008 gestartete Internetwährung Bitcoin entwickelt wurde. Sie sorgt durch dauerhafte Verkettung dafür, dass Millionen von Transaktionen der virtuellen Währung zuverlässig, für jeden transparent und praktisch ohne Betrugsrisiko ablaufen. Einträge können nachträglich weder gelöscht noch verändert werden. Das schafft Vertrauen.

Der Blockchain-Hype

Diese wundervollen Eigenschaften haben einen regelrechten Hype um die Blockchain entfacht. Mit grossen Visionen: Geld könnte künftig ohne die Hilfe von Banken um die Welt geschickt werden, Grundbücher rechtssicher geführt werden, ohne dass man dazu Notare bräuchte. Und um zu meinem Beinahe-Reinfall zurückzukommen: Wenn jeder Neuwagen mit sämtlichen Wartungen, Reparaturen, Besitzerwechseln und eben Kilometerständen in einer Blockchain erfasst würde, wäre der Sumpf der «Tachojustierer» vermutlich auf einen Schlag trockengelegt.

Ob dies so kommen wird – und was die Blockchain in unserem Leben sonst noch alles sicherer, transparenter und effizienter machen wird –, vermag heute wohl niemand seriös zu sagen. Zu sehr steht die Entwicklung am Anfang. Dass hier aber bereits in ein bis zwei Jahren einiges passieren dürfte, deuten nicht nur gut 1200 Blockchain-Startups mit ihren vielen Ideen an. Sondern auch Grossunternehmen von IBM und Microsoft über RWE, Walmart oder Maersk bis zu den Banken, die mit viel Eifer Blockchain-Lösungen entwickeln.

Beispiel Gepäckverfolgung

Und nicht zu vergessen Amadeus. Mittels Blockchain wollen wir künftig Gepäck exakt und in Echtzeit rund um die Welt verfolgen. Wer dann etwa von Nizza über Paris in Los Angeles ankommt, muss gar nicht erst ans Gepäckband, wenn das System bereits weiss, dass sein Koffer in München ist. Stattdessen gibt es eine Nachricht aufs Smartphone, und das Gepäck wird sofort und auf schnellstem Weg zum Ziel gebracht.

Sicherlich könnten etliche weitere Prozesse im GDS durch Blockchain auf ein neues Level gehoben werden – womöglich bis hin zur BSP-Abrechnung der Airlines. Blockchain wird uns innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre auch ganz neue Services ermöglichen, die man heute noch gar nicht von einem GDS erwartet. Davon bin ich überzeugt.

Wo Blockchain-Träume platzen

Doch bei aller Euphorie sollte man natürlich auch auf dem Teppich bleiben. Bekanntlich folgt der ersten Goldgräberstimmung bei allen neuen Technologien zunächst eine gewisse Ernüchterung, da sie nie alle Versprechen einlösen kann. Und so dürften auch manche Blockchain-Träume platzen. Die immer weiter wachsenden Ketten könnten – vor allem in Bereichen mit hohen Transaktionsraten – zur Herausforderung für die Performance werden. Auch der Strombedarf für die aufwendigen Rechenprozesse ist nicht zu unterschätzen.

Theoretisch liesse sich auch die Blockchain manipulieren, wenn jemand mehr als die Hälfte der Rechner unter seine Kontrolle brächte. Neue Betrugsszenarien sind denkbar. Und auch die heutige Bitcoin-Logik mit völliger Transparenz der Transaktionen, aber kompletter Anonymität der Nutzer müsste umgedreht werden. Denn für viele Anwendungen werden wir die Nutzer kennen, aber die Transparenz auf einen Kreis von Berechtigten einschränken wollen. Hierfür gibt es bereits Lösungsansätze.

Nicht zuletzt ist gerade die Reisewelt hoch komplex. Bei Amadeus etwa sind die Prozesse tief integriert. Wird etwa ein Flug kurzfristig umgebucht, wirkt sich das auf unterschiedlichste Bereiche aus: von der Umleitung des bereits aufgegebenen Gepäcks über die Umbuchung des anschliessenden Transfers bis zum Update in der Travel App.

Spannende Entwicklungen

Das alles haben wir im Blick. Lassen Sie sich überraschen, welche Blockchain-Lösungen Amadeus präsentieren wird! Und was immer in den kommenden Jahren in der Blockchain funktionieren wird: Freuen würde mich jedenfalls, wenn es unter anderem der Gebrauchtwagenmarkt wäre.

(Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit Amadeus)

(TN)