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Hände weg oder ein Must? Für das sind Apps zu gebrauchen

Als Vertriebskanal taugt eine App für Hotels kaum. Bewährt haben sich Apps aber in der Kundenbindung und im Facility Management, wie die Beispiele einiger Schweizer Hotels zeigen.

2008 brach der Hype aus. Apple eröffnete den App-Store. Gleichzeitig begannen sich Smartphones und Tablet-Computer in der Schweiz flächendeckend auszubreiten. Gemäss comparis.ch stieg die Anzahl Smartphone-Besitzer in der Schweiz bis 2014 auf 4,3 Millionen oder 69 Prozent, für 2015 wird eine Steigerung um weitere 6 Prozent prognostiziert.

Die ursprüngliche Annahme, dass diese Nutzer mit Apps am besten angesprochen werden, hat sich aber nicht bewahrheitet. Der Schritt, eine App herunterzuladen, ist gross – die Platzfrage spielt mit –, und ob die einmal heruntergeladene App dann auch regelmässig genutzt wird, ist eine zweite Frage. Für die Hotellerie hat sich gezeigt: Um Buchungen zu generieren, eignen sich Apps nicht, als Kundenbindungstool aber durchaus. Jeder fünfte 4- und 5-Sterne-Hotel in der Schweiz verfügt über eine App, bei 3-Sterne-Hotel jedes zehnte.

Push-Meldungen

Einer der führenden Anbieter im hiesigen App-Markt ist, was die Hotellerie und Gastronomie anbelangt, die Berner Firma Vendomat. Die Anzahl der Nutzer ihrer «Vendoapp» hat sich in den ¬letzten zwei Jahren von 200 auf 330 erhöht. Vendomat-Inhaber Raoul Corciulo sieht die App primär als Kundenbindungs-Instrument, um den Draht zu den Stammgästen aufrechtzuerhalten: «Die Mund-zu-Mund-Propaganda zu Freunden, Bekannten und Stammgästen ist für ein Restaurant oder Hotel sehr wichtig.»

Corciulo betont die Bedeutung von Push-Meldungen, mit denen man die Gäste aktuell informieren kann, etwa über besondere Anlässe oder laufende Aktionen. Er erwähnt Speise- und Weinkarten, Lokalisierungshilfen, um den Weg zum Restaurant zu finden, ein Tischreservations-Tool oder die Möglichkeit, die Gäste einzubinden, indem sie Bilder und Kommentare posten.

In der Mitarbeiter-Kommunikation Eine IT-Firma, die Apps massgeschneidert entwickelt und über ein starkes Standbein im Tourismus verfügt, ist Webgearing aus Solothurn. Auf der Kundenliste sind etwa Kuoni, Hotelplan oder Gstaad Tourismus zu finden, aber auch einzelne Hotels wie der Bernerhof in Gstaad. Dessen App wartet zwar kaum mit Infos zum Hotel auf, dafür mit rund 50 Wandervorschlägen und Ausflugstipps rund um Gstaad, geschickt verlinkt mit Google Maps. «Mit solchen Zusatzservices kann ein Hotel bei Gästen sicher punkten», ist Webgearing-Chef Thomas Probst überzeugt.

Probst stellt fest, dass jüngst vermehrt Apps im Bereich der Mitarbeiterkommunikation gefragt sind: «Firmen, und das können auch Hotels sein, lassen ihre Mitarbeiter per App kommuni¬zieren. Darauf zu finden sind beispielsweise Personaleinsatzpläne und Manuals». Zudem seien Apps zunehmend im Bereich Facility-Management ein Thema: «Der Hauswart nutzt die App etwa, um eine schadhafte Stelle im Haus zu fotografieren und damit gleich ein File zu eröffnen, das er an eine weitere Stelle, etwa den Handwerker, weiterleiten kann.» Er könne sich gut vorstellen, dass für das Reinigungspersonal eines Hotels eine solche App hilfreich wäre, um Schäden oder Diebstähle bildlich festzuhalten und zu melden.

"Investitionen haben sich gelohnt" Für Toni Bähler, beim Hotel Bad Ramsach in Läufelfingen (BL) fürs Marketing zuständig, stellen Push-Meldungen die wichtigste Funktion seiner App dar: «Für laufende Aktionen, den bevorstehenden Frühlingsmarkt oder auch für Wettbewerbe haben sich Push-Meldungen bewährt.» Die Frage bleibe indes, wie viele der Abonnenten die Push-Funktion wirklich zuliessen. Die Investition in eine App habe sich gelohnt, sagt auch Erich Barth, Inhaber des Restaurants Schiff in Zug: «Bei unseren Stammgästen ist die App beliebt. Schätzungsweise 70 Prozent von ihnen klicken regelmässig drauf. Am gefragtesten ist das aktuelle Menü oder ein Blick auf die Weinkarte.» Weniger zufrieden ist er mit der eigenen Performance: «Wir müssten die App intensiver pflegen. Aber da liegt der Ball bei uns.»

Was die App bei hotelinternen Abläufen leisten kann, wird sich in diesen Wochen und Monaten im «Schindlerhof» zeigen, einem der führenden Hotels in Nürnberg mit starkem Standbein im Seminargeschäft. Dort wurde Anfang Jahr allen Mitarbeitern ein iPad ausgehändigt. Darauf zu finden ist eine Toolbox mit vielen Funktionen für die interne Kommunikation. Mitarbeiterumfragen, Verbesserungsvorschläge, Führungskräftebewertung, Dienstpläne oder ein Kommunikationskanal im Stile von «WhatsApp» gehören dazu. (gw)

(TN)