Travel Tech

bbacksoon3.jpg
bbacksoon will Leute ansprechen, die spontan ausbrechen wollen. Bild: bback soon

Ausbruch aus dem Alltag: Bei bbacksoon gibts Spontanferien

Von Denise Weisflog

Zwei junge St.Galler lancieren eine Reiseplattform mit einem eigenwilligen Konzept. Erst mit den Reiseunterlagen erfährt man das Reiseziel.

Das Start-up bbacksoon mit Sitz in Speicher AR schickt seine Kunden in die Ferien, ohne zu verraten, wohin die Reise geht. «Mit unserem Geschäftsmodell schaffen wir es, Leute anzuziehen, die mehr möchten, als das typische 08-15-Hotel», sagt Gründer und Inhaber Roland Laux.

Die Idee zur Spontanferien-Plattform kam dem HSG-Absolventen, als er mit einem Freund über mögliche Ziele eines nächsten Städtetrips debattierte. Die beiden beschlossen, sich überraschen zu lassen und programmierten eine App, die den Zeitpunkt ihrer Reise zufällig bestimmte. Nach Erhalt der «Go!»-SMS trafen sich die Kumpel am Flughafen, wo sie per Zufallsprinzip einen Flug aussuchten. «Drei Tage ohne Plan und Erwartungen machten diese Ferien zu einem unvergesslichen Erlebnis», sagt Laux.  Zurück in der Schweiz wurden die Freunde für ihren Mut und ihre Verrücktheit bewundert. Das Konzept für bback soon war geboren.

Angst, im Dschungel der Buchungsplattformen unterzugehen, hat Laux keine. «Eine weitere Reiseplattform braucht es tatsächlich kaum. Angesichts des zunehmenden Stress’ und seinen Folgen in unserer Leistungsgesellschaft wohl aber eine Chance, aus dem Hamsterrad auszubrechen, ohne gleich den ganzen Lebensentwurf auf den Kopf zu stellen.»

Planbare Spontaneität

Mit Hilfe der bbacksoon-Plattform können Spontanreisen im In- und Ausland während eines frei wählbaren Zeitraums gebucht werden. Der Clou dabei: Die Kunden haben keine Ahnung, wohin es geht. Wer ganz spontan ist, kann auch den Abreisezeitpunkt offen lassen. «Ganz nach dem Motto ‹we plan your spontaneity› buchen wir die Reise ohne Rücksprache mit dem Kunden», erklärt Laux.

Damit die Ferien nicht zur Enttäuschung werden, können Reisewillige aus verschiedenen Sehnsüchten auswählen, den geographischen Zielraum angeben sowie einen Komfort-Level, das Budget und ein Ferien-Zeitfenster definieren. Zudem lassen sich alle Tage, an denen man nicht ausbrechen kann, blockieren. Wer mehr Sicherheit braucht, wählt stattdessen exakte Reisedaten. Wohin es geht und wo man übernachten wird, bleibt jedoch bis zum Ferienstart eine Überraschung. Am Vorabend oder Morgen der Abreise erhält der Kunde eine «Go!»-SMS und die Reiseunterlagen per E-Mail.

Wie Laux erklärt, will er mit seinem Konzept sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen ansprechen. «Firmen können ihre Mitarbeitenden im Team oder individuell ausbrechen lassen.» bbacksoon eigne sich gut als Incentive-Tool und erweitere die sogenannten «Fringe Benefits» im Unternehmen um eine neue Option. «Unser Ziel ist es, Leuten zu helfen, besser mit Stress oder Ungewissheit umgehen zu können», sagt Laux. Der «ausgebrochene» Mitarbeitende lerne zu delegieren und zu priorisieren, das Team werde zusammengeschweisst und das Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen.

Das im März 2016 lancierte bbacksoon will im Gründungsjahr rund 1000 Menschen auf einen spontanen Kurztrip schicken. Als Reisepartner konnte Laux Helbling Reisen AG, Graubünden Tourismus sowie Travel-Connect gewinnen. Die neue Buchungsplattform ist übrigens nicht das erste Start-up des St.Gallers. Breits 2002 gründete er ein Unternehmen für Lebensmittelinnovationen, dessen Patent für einen neuen Schokolade-Herstellprozess vor zwei Jahren an den Zürcher Künstler und Investor Dieter Meier verkauft wurde.